…glauben Sie an Zufälle? Oder haben Sie sich schon einmal, ein wenig in Gedanken versunken, etwas gewünscht und dann – ist es plötzlich passiert? Zugegeben oft kommt so etwas nicht vor – aber wenn, dann freut man sich umso mehr und es kommen einem Gedanken wie: „Vielleicht gibt’s ja doch jemanden da oben?“
Mir ist genau so etwas widerfahren – und zwar am Weg zur Fotolocation mit dem Mercedes-AMG E53 4MATIC+ Cabriolet.
Mehr dazu allerdings später.

Zuerst werfen wir einen Blick auf das Exterieur des Affalterbacher Nobel-, sowie Performance-Cabrios.
Seit Sommer letzten Jahres hat Mercedes Benz mit den 53er AMG-Modellen die Modellpalette wieder um eine Variante erweitert.
Optisch gliedern sie sich perfekt in die restliche AMG-Familie von 35, 43, 63, 63S und 65 ein. Die AMG 53er Modelle sind allerdings vorerst dem CLS und der E-Klasse (Limousine, T-Modell, Coupé und Cabriolet) vorbehalten.

Dieses Design – noch schöner und es wäre kitschig

Ein gemeinsames Erkennungsmerkmal ist der „Twin-Blade“-Kühlergrill in Silberchrom, die AMG-spezifischen Seitenschweller und die neu gestaltete Heckschürze mit schwarz abgesetzten Diffusor in der Mitte und jeweils zwei runden Endrohren an der linken und rechten Seite des Hecks.
Für den extra-sportlichen Touch sorgt zusätzlich noch ein kleiner Aufsatzspoiler am Kofferraumdeckel. Diesen kann man auf Wunsch auch in Carbon ordern.

Die Front des AMG 53 wirkt bullig, aber dennoch in ihrer Art und Weise elegant. Diese sorgt beim vorrausfahrenden Auto im Rückspiegel nicht für Aufdringlichkeit à la „Mach Platz, hier komme ich“, sondern eher dafür, dass der Vordermann nun einfach gezwungen ist oft in den Rückspiegel zu sehen, weil’s gar so schön ist.
Der ein oder andere „Daumen-hoch“ aus dem Fenster des Vorrausfahrenden ist so gut wie regelmäßig dabei.

Wunderschön auch die seitlich gestaltete Silhouette – für meinen Geschmack gibt es aktuell kein schöneres Cabriolet. Lange Motorhaube und ab der A-Säule eine Gerade bis zum knackig-kräftigen Heck.
Wie die Faust aufs Auge passend dazu die AMG-Felgen im 5-Doppelspeichendesign in den Dimensionen 245/35 R20 an der Vorderachse und an der Hinterachse mit 275/30 R20.

Sehr gefällig auch die Ansicht von hinten – hier haben es die Designer der Konkurrenz ganz schön knifflig gemacht.
Auf den Fotos leider nicht ersichtlich, aber wunderschön anzusehen – vor allem abends – das Lichtdesign der Heckleuchten. Diese funkeln bei genauerer Betrachtung wie kleine Diamanten auf einem Seidentuch. An der Front gibt es übrigens adaptive Multibeam-LED Scheinwerfer mit intelligentem Lichtsystem. Das bedeutet, dass einzeln steuerbare LEDs auf die Verkehrssituation reagieren. So spart beispielsweise das Fernlicht andere Fahrzeuge gezielt aus, ohne diese zu blenden und gleichzeitig bietet es dem Fahrer weiterhin die beste Sicht.

Das Interieur – schöner ist nur noch die Präsidentensuite

…wobei auch das wohl immer im Auge des Betrachters liegt. So viel sei gesagt, hier sind wir wirklich in der höchsten Liga der Verarbeitung und der Materialauswahl angelangt. Ehrlich – ich habe mich wirklich bemüht irgendwo einen „Schandfleck“ zu entdecken, damit ich eventuell am Rande, eine kleine negative Bemerkung machen könnte. Es ist ja nun mal so, dass nicht in jedem Fahrzeug alles pipifein und perfekt sein kann.

Nun ja, was soll ich sagen – würde der E53 noch vor meiner Türe stehen, so würde ich wohl immer noch nach dieser einen „nicht einwandfreien“ Stelle suchen. Mit einem Wort – „ja“… man kann wohl ein Auto auch perfekt gestalten.

Ich könnte jetzt lediglich posaunen, dass diese wunderbaren Nappa-Leder Sitze einfach nicht praktikabel sind. Denn man findet bei der unendlichen Anzahl an Verstellmöglichkeiten eigentlich nie wirklich die geeignete Sitzposition – und wenn, dann braucht’s halt ein bisschen Zeit bis es soweit ist. Doch sollten Verspannungen dritten Grades, vom vielen Herumprobieren auftreten, bleibt einem Gott sei Dank noch die Massagefunktion.

Generell ist das neue Innenraumkonzept von Mercedes eine Wucht. Der große, bis ans Ende der Mittelkonsole gezogene „Widescreen“-Bildschirm, welcher übrigens mit einer besseren Auflösung glänzt als so mancher Ultra-HD-Fernseher, bietet beste Sicht auf Tacho und Infotainmentsystem.
In diesem Fall ist es sogar gut, dass man auf Touchscreen verzichtet hat – Fingertapser möchte man hier wirklich nicht haben.

Zugegeben, anfangs wirkt man ein klein wenig erschlagen, von all den Knöpfen und Reglern. Man findet sich aber dennoch auch ohne stundenlanges Studieren von der Betriebsanleitung schnell zurecht. Ehrlich gesagt, dachte ich mir anfangs, dass ich am Ende der Testdauer wohl immer noch keine Ahnung haben werde von all den Features. Doch die Bedienung ist – wie man so schön sagt „watscheneinfach“. Nach zwei, drei Tagen, musste ich nicht mal mehr auf das Drehrädchen oder Knöpfe achten – das lief alles wie am Schnürchen.

Ein kleines Manko hat der Drehregler dann aber doch. Um die Standorteingabe für das Navigationssystem durchzuführen, muss man nun die Buchstaben oder Zahlen mittels des Reglers einzeln anwählen. Dies geht mit einem Touchscreen wesentlich schneller und bequemer.

Das Verdeck wird mittels Knopfdruck geöffnet. Dies klappt sogar während der Fahrt bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Besonders bei wechselnden Witterungsbedingungen ist dies ein klarer Vorteil.

Jeder oder Jede, weiß natürlich auch, wie es so ist, wenn die Haare schulterlang sind, man offen fährt und ständig ein Büschel irgendwo im Gesicht hat. Das ist natürlich nicht nur störend, sondern auch gefährlich. Hier hat man sich bei Mercedes etwas ganz besonderes überlegt. Per Tastendruck kann man automatisch gleich zwei Windschotts hochfahren. Eines sitzt zwischen den beiden A-Säulen, direkt über der Windschutzscheibe und das andere wie gewohnt hinter der Rücksitzbank. Sofern sich jetzt auch noch alle Fensterscheiben in obiger Position befinden, ist es nahezu windstill. Sollten die Temperaturen dennoch so weit abfallen, dass es einem kalt um den Nacken zieht, so aktiviert man am besten gleich mal die Nackenheizung (Airscarf). Diese sorgt nicht nur für wohlige Wärme, sondern löste sogar die Verspannungen bei meinem Beifahrer. Mercedes Benz sei Dank!

Ein Pflichtkreuzerl verdient übrigens auch das Burmester-Surround-Sound-System. Mit großem Abstand der beste Klang, den meine Ohren in 18 Jahre Auto fahren, zu Gehör bekamen.

Wo AMG draufsteht, muss auch AMG-Power drinn sein – oder?

Nach einem „Drücker“ auf den Startbutton, grummelt das E53 Cabrio, zwar seidenweich, aber doch ein wenig verhalten los. Der Testwagen wurde mit einem Reihensechser mit elektrischem Turbolader – bei Mercedes auch elektrischer Zusatzverdichter genannt, inklusive Abgasturbo und Elektromotor bestückt. Letzterer sorgt auch dafür, dass ein Turboloch völlig ausbleibt und sofort Druck am „Kessel“ ist. Rein elektrisches Fahren ist mit den zusätzlichen 22 PS und 250 Nm allerdings nicht möglich, sie fungieren lediglich als Unterstützer, sowie auch Spritsparer des Reihensechszylinders.
8,8 Liter gibt Mercedes als kombinierten Verbrauch an. Man wird es kaum für möglich halten, aber genau dieser Wert stand dann auch am Display, nachdem ich gemütlich 50 Kilometer dahin gecruist bin. 8,8 Liter aus drei Litern Hubraum mit 435 PS und über zwei Tonnen Eigengewicht – da kam selbst meine Wenigkeit aus dem Staunen nicht heraus. Und selbst bei dynamischer Fahrweise wurde die 14-Liter-Marke niemals überschritten.

Dennoch gibt es meinerseits eine kleine Enttäuschung – oder sagen wir zwei. Dies betrifft keineswegs die geschmeidige Neun-Gang-Automatik, die zwar doch ein klein wenig schneller schalten dürfte oder das wunderbare Luftfahrwerk, welches im Sport Plus Modus auch ein klein wenig straffer sein dürfte und schon gar nicht die Bremsen, die den schwergewichtigen Affalterbacher in keiner Situation im Stich lassen und stets kräftig zupacken.

Es ist schlicht weg der Fahrspaß, der fehlt. Schon klar 435 PS plus 22 Zusatzpferdchen marschieren selbstverständlich nicht schlecht – aber in diesem Fall eben auch nicht überzeugend gut. Ich vermisse ein wenig die „Giftigkeit“, die man bei einem AMG schon erwarten dürfte. Und auch wenn eine Klappensteuerung verbaut ist und diese im Sport Plus-Fahrmodus deutlich mehr Blubbern und Brummeln durch die vier Endrohre nach draußen lässt, so dürfte es für meinen Geschmack immer noch etwas mehr sein.

Ist das E53 Cabrio nun ein schlechtes Auto?
Nein! Um Gottes willen, das ist er definitiv nicht. Er ist eben nur kein echter Performance-Künstler, sondern schlichtweg ein Cruiser – was in einem Cabriolet natürlich auch nicht ganz verkehrt ist. Somit hat er letztendlich dann doch wieder genau das vollbracht, wofür er offensichtlich gemacht wurde. Und das Dahingleiten und Blicke auf sich ziehen – dass er das kann, ist fix – wie das Amen im Gebet.
Und das sah wohl nicht nur ich so.

Das Non(n) Plus Ultra und ein Halleluja

Aber zurück zu meiner kleinen Geschichte.

Gemeinsam mit einer Freundin am Beifahrersitz fuhren wir also gemütlich zur ausgewählten Location.
Während wir so im E-Klasse Cabrio sitzen und bei offenem Verdeck die Sonne genießen, sage ich so aus heiterem Himmel „Du das wär was, wenn wir dort ankommen und drei Nonnen um die Ecke biegen würden – DAS wär doch mal ein Titelbild“.

Am Zielort angelangt, das Fahrzeug in Position gebracht, öffne ich die Türe und genau da sind sie. Wie aus dem Nichts kommen drei Nonnen des Weges. Ich stand da – etwas irritiert und sprachlos, entschied mich dann aber die barmherzigen Schwestern anzusprechen und ob Sie mir den Gefallen tun würden, im Cabrio Platz zu nehmen. Ohne zu zögern und mit Humor, sowie Begeisterung beteiligten sie sich an der Aktion. Anschließend unterhielt man sich, dankte einander und bevor jeder wieder seiner Wege ging, überreichte man uns noch eine Medaille. Die „Militia Immaculatae“ – auch genannt die wundertätige Medaille.

Das mag jetzt vielleicht kitschig klingen, doch seit diesem Tag, trage ich diese stets um meinen Hals und wer auch immer in Zukunft der Besitzer dieses Mercedes-AMG 53 Cabriolets sein mag – so kann er sich gewiss sein – dieser Benz steht nun unter einem ganz besonderen Stern.

Was mich begeistert:

.) Die Silhouette und das wunderschöne Design
.) Die Verarbeitung, die Funktionalität und die Nackenheizung
.) Der unschlagbare Verbrauch, trotz Gewicht und Reihensechser

Was ich mir noch wünschen würde:

.) Bisschen mehr „Tam Tam“ am hinteren Ende der Endtöpfe
.) gesteigerte Performance im Sport Plus Modus
.) Mehr Sonnentage im Jahr

Technische Daten – Mercedes-AMG E53 4MATIC+ Cabriolet

Motor / Antrieb

Motor: 6 Zylinder Reihe, Direkteinspritzer, Mildhybrid, elektrischer Zusatzverdichter und Abgasturbolader, zwei obenliegende Nockenwellen, 24 Ventile
Hubraum: 2.999 ccm3
Leistung kW /PS: 320 kW / 435 PS bei 6.100 U/min
EQ-Boost Elektromotor: 16 kW / 22 PS
Drehmoment: 520 Nm bei 2.500 – 1.800 U/min
Drehmoment EQ-Boost: 250Nm
Antrieb: Allrad (4MATIC+)
Getriebeart: 9-Gang Automatik
0-100 km/h: 4,5 Sekunden
V-Max: 250 km/h (270 km/h mit AMG Driver’s Package)
Kraftstoff: Super Plus

Verbrauch / Umwelt

Werksangabe – kombiniert, l/100 km: 8,8
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 10,5
CO2 Emissionen: 200g/km Euro 6d-TEMP

Reifen / Bremsen

Bremsen:
VA: gelochte, innenbelüfete Scheibenbremsen
HA: innenbelüftete Scheibenbremsen 
Felgen / Reifen: VA: 245/35 R 20 8J, HA: 275/30 R 20 9J

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.055 kg
L/B/H: 4842 / 1860 / 1428 (Meter)
Radstand: 2,873 m
Kofferraumvolumen: 385 Liter geschlossenes Verdeck, 310 Liter geöffnetes Verdeck
Tankinhalt:
66 Liter

Preise

Mercedes E Cabriolet zu haben ab: 67.320,- €
Basispreis Mercedes-AMG E53 4MATIC+ Cabriolet: 111.460,- €
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und Mwst: 144.243,- €

Sonderausstattung:

Lackierung designo hyazinthrot metallic:1.285,- Euro

Leder Nappa AMG schwarz: 2.295,- Euro

Park Paket mit 360° Kamera: 480,- Euro

COMAND Online: 2.095,- Euro

AMG Performance Lenkrad in Nappa Leder / Microfaser DINAMICA: 440,- Euro

KEYLESS GO Paket: 1.260,- Euro

Mercedes AMG Interieur Verkleidung in Nappa Leder: 730,- Euro

MULTIBEAM LED: 1.280,- Euro

Spiegel Paket: 575,- Euro

Cabriolet Komfort Paket: 480,- Euro

AMG Night Paket: 155,- Euro

Wärme Komfort Paket: 825,- Euro

Fahrerassistenz Paket: 1.980,- Euro

Memory Paket: 1.065,- Euro

Windschott: 335,- Euro

Multikontursitze Fahrer/Beifahrer inkl. Massagefunktion: 990,- Euro

Sitzklimatisierung Fahrer/Beifahrer: 770,- Euro

Head-up-Display: 1.035,- Euro

Widescreen Cockpit: 885,- Euro

Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC: 615,- Euro

Burmester Surround Sound System: 885,- Euro

TV-Tuner für digitalen Fernsehempfang: 1.035,- Euro

Servoschließen: 285,- Euro

(c) Bilder: Gas Junky, pm