Der Jaguar F-PACE zählte schon vor seiner Überarbeitungskur als interessante Alternative zu den deutschen Premium-SUV-Modellen. Leider scheiterte der Brite beim Blick in den Innenraum an der dann doch eher billig wirkenden Haptik und dem nicht gerade zeitgemäßen Infotainmentsystem. Schade, denn in puncto Fahrverhalten war das höhergestellte Kätzchen schon immer am Punkt der Zeit angelangt.

Nun nehmen wir also im gelifteten Jaguar F-PACE Platz und staunen, welch großartige Änderungen speziell im Innenraum im Zuge eines Facelifts möglich sind. Nicht nur die Materialwahl fällt um Klassen besser aus, auch das Infotainment-System ist nicht mehr mit der Lösung aus dem Vorfacelift-Modell zu vergleichen.
Beim Außenkleid wurden minimale Arbeiten geleistet: die Motorhaube wurde weiter nach unten gezogen, der Kühlergrill ist nun in 3D-Optik gezeichnet, die Tagfahr-LEDs strahlen in einer J-Form und das Heck bekommt ähnliche Leuchten wie der vollelektrische Bruder, I-PACE.
Außerdem wurde auch bei der Motorenpalette getüftelt, sodass der F-PACE auch erstmals als Plug-in-Hybrid auf den Markt kommt.
Weiterhin ist auch der Reihensechszylinder-Diesel verfügbar, welchen wir im Zuge der Testfahrt unter die Lupe genommen haben. Ebenfalls ist der P400, also die Sechszylinder-Benzin-Variante erhältlich.
Für die Vierzylinder-Fans stehen zwei Diesel (163 PS und 200 PS) und ein Benziner mit 250 PS zur Verfügung. Die beiden Vierzylinder-Diesel verfügen ebenfalls über ein 48-Volt-Milhybridsystem.
Alle Motorisierungen des gelifteten Jaguar F-PACE verfügen bereits serienmäßig über einen Allradantrieb.

Interieur: Um Klassen besser!

Dass sowohl die Haptik als auch die verbaute Infotainment Lösung in diesem Segment wohl einer der wichtigsten Bestandteile eines Kaufarguments sind, darüber müssen wir wohl nicht großartig diskutieren. Und gerade deswegen freut es uns, dass man speziell bei diesen beiden Punkten deutlich nachgebessert hat, sodass man problemlos mit der deutschen Konkurrenz mithalten kann.
Klar ist aber auch, dass sich dies im Preis widerspiegelt.
Aber beginnen wir mit dem neuen 11,4-Zoll Infotainment-Bildschirm, welcher nicht nur eine deutlich gesteigerte Grafik bietet, sondern auch deutlich flotter diverse Befehle verarbeitet.
Sehr dankbar ist man auch über die darunter platzierte Klimabedieneinheit, denn trotz des Hightech-Monitors wurden die Dreh- und Drückregler nicht rausgeschmissen, das ist in der heutigen Zeit schon viel Wert.
Auch hinter dem sehr hochwertig verarbeiteten Volant blickt man auf eine 12,3-Zoll große, volldigitale Anzeige, die mittels den Multifunktionstasten am Lenkrad verschiedene Ansichten bietet. Dafür benötigt es eine gewisse Eingewöhnungsphase, denn Anfangs wirkt das Volant ein wenig mit Knöpfen überstreut.
Großes Kino bietet auch die Kopf- und Beinfreiheit in beiden Reihen als auch das Kofferraumvolumen mit 583 bis 1.410 Liter.
Die Vollledersitze mit optionaler, 18-facher Verstellmöglichkeiten bieten auch bei der 300 PS Diesel Version reichlich Seitenhalt und können ebenso auf Langstrecken mit reichlich Komfort überzeugen. Apropos Komfort: Der F-PACE überzeugt mit deutlich gesenkter Innenraum-Akustik, wobei auch das Aggregat nun über eine erstklassige Dämmung verfügt.

An die breite A-Säule, die von außen recht pfiffig aussieht, muss man sich im Alltag und speziell an unübersichtlichen Stellen erstmal gewöhnen.

Fahrverhalten: Reihensechszylinder-Selbstzünder inklusive minimaler, elektrischer Unterstützung

In der Testversion schnurrte der seidige Reihensechszylinder-Diesel mit drei Liter Hubraum und doppelter Turboaufladung gekoppelt an eine flott schaltende 8-Gang Wandlerautomatik, unter der nun weiter nach unten reichender Haube.
Der 300 PS (221 kW) starke Selbstzünder wird zusätzlich von einem 48-Volt-Mildhybrid-System unterstützt und soll damit nochmals effizienter arbeiten. Dieses Vorhaben wurde auch in der Praxis erreicht, denn im Alltag haben wir 8,2 Liter / 100 Kilometer verbraucht.
Die 650 Nm Drehmoment liegen bereits ab 1.500 U/min an, sodass man immer sehr smooth mit dem F-PACE unterwegs ist. Soll aber keinesfalls heißen, dass der Brite auf kurvigen Landstraßen deutliche Nachteile ausspielt, ganz im Gegenteil.
Wechselt man in den Dynamic-Modus so merkt man, dass Lenkung, Getriebe und auch die adaptiven Dämpfer deutlich sportlicher abgestimmt sind. Hier muss man anmerken, dass sogar der Fahrmodi-Regler mit feinsten Materialien verziert wurde und auf Knopfdruck sich zu Diensten meldet, das erinnert schon ein wenig an die Luxusmarke der Briten.
Aber zurück auf die kurvigen Abschnitte: Der F-PACE wankt kaum und auch die Gasannahme ist spürbar direkter abgestimmt, wobei der Diesel logischerweise die meiste Schubkraft bereits aus dem Drehzahlkeller abliefert.
Klar, verwandelt man hier den F-PACE nicht in einem F-TYPE, dennoch ist es erstaunlich, welch hohe Fahrdynamik dem knapp zwei Tonnen SUV-Modell spendiert haben.

Fazit:

Die Briten haben es geschafft den F-PACE im Zuge des Facelifts deutlich wertiger und digitalisierter wirken zu lassen. Sowohl die Materialwahl, die Infotainment-Zentrale als auch die Akustik im Interieur wurden deutlich gesteigert.
Großartig finden wir, dass in Zeiten wie diesen hubraumstarke Diesel-Aggregate zur Verfügung stehen. Die hohe Effizienz als auch die nahezu vierstellige Reichweite sind gerade bei solchen Fahrzeugen unschlagbar.

Was uns gefällt:

  • Die gesteigerte Qualität des Innenraums
  • Der gut im Futter stehende und sparsame Sechszylinder-Diesel
  • Das flott arbeitende und gut aufgelöste Infotainment-System

Was wir noch verbessern würden:

  • Die Preispolitik (jede Menge Extras)
  • Die breite A-Säule
  • Den Diesel in der nächsten Generation wieder anbieten!

Factbox: Jaguar F-PACE D300 AWD SE

Motor/Antrieb

Motor: Reihensechszylinder-Turbodiesel (Biturbo) mit 48-Volt Mildhybrid-Boardnetz
Hubraum:  2.996 ccm
Leistung kW/PS: 221 kW / 300 PS bei 4.000 U/min
Drehmoment:  650 Nm zwischen 1.500 U/min und 2.500 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebeart: 8-Gang Wandlerautomatik
0-100 km/h: 6,4 Sekunden
V-Max:  230 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – Stadt/Land/kombiniert l/100 km: 7,5 l/ 100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 8,2
CO2 Emissionen/Abgasnorm:  196 g/km Euro 6d-TEMP

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA: Scheibenbremsen (innenbelüftet) HA: Scheibenbremsen (innenbelüftet)
Felgen/Reifen:  265/45 R21 (Testversion)

Gewicht und Maße

Leergewicht:  2.083 kg
L/B/H : 4,747 m /1,936 m / 1,664 m
Radstand: 2,874 m
Kofferraumvolumen: von 583 bis 1.410 Liter
Tankinhalt:  68 Liter
Kraftstoff: Diesel

Preise

Jaguar F-PACE zu haben ab: € 58.903
Jaguar F-PACE D300 AWD SE zu haben ab: € 84.812
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt:  € 96.280

Sonderausstattung:

Farbe Portofino Blue € 1.140
Fahrassistenz-Paket € 1.419
Luftqualitätssensor und Handschuhfach, verriegel- und kühlbar € 174
Luftionisierung im Innenraum mit PM2.5 Filter € 153
Meridian Soundsystem (400W, 13 Lautsprecher inkl. Subwoofer) € 824
Induktive Ladefläche für Mobiltelefone unkl. Mobilfunksignalverstärker € 414
Anhängerkupplung, abnehmbar € 861
21-Zoll, 10 Speichen, Satin Dark Grey, Contrast Diamond Turned € 1.183
Vordersitze 18-fach verstellbar (16-fach elektrisch, 2-fach manuell) mit Memory Funktion, beheizbar € 473
Elektrisches Panorama-Schiebedach € 1.846
Dunkel getönte Scheiben ab der B-Säule € 506
Polierte Edelstahl-Pedalerie € 236
2 zusätzliche USB-Anschlüsse (nur Ladefunktion) im Fond € 204
Dachrelling in mattem Chrom € 370
Nebelscheinwerfer € 246
Activity Key € 444
Winterpaket € 769
Sonnenblende elektrisch für Panorama-Glasdach, mit Gestensteuerung € 206

(c) Bilder: Sebastian Poppe