Praxistest: Ford Ranger Raptor – Big Toys for Big Boys!

Keine Frage, die Sinnhaftigkeit eines solchen Fahrzeugs sollte man besser nicht hinterfragen – oder nun doch?
Schließlich argumentiert der Großteil der SUV-Käufer immer mit der sensationellen Übersicht des Verkehrsgeschehens und spätestens nach dem Testeinsatz mit dem Ford Ranger Raptor können wir dies nachvollziehen, denn hier werden selbst Oberklasse SUVs zu Match-Box Modellen. Diese verspeist der Raptor bereits in aller Früh.
Sehr spannend wird diese Geschichte erst, wenn man in Zeiten wie diesen auf der linken Spur der A23 im Baustellenbereich mit Millimeterarbeit an anderen vorbei cruist, sodass man jede einzelne Schweißperle auf deren Stirn ganz genau beobachten kann.
Aber nicht nur die Breite des Ford Ranger Raptor macht es in so manchen schmalen Seitengassen spannend, auch an die Länge von 5,36 Meter sollte man sich nach Umstieg eines Kleinwagen erstmals gewöhnen – dank Rückfahrkamera trifft man aber auch in die kleinste Parklücke und gönnt dem Hintermann nicht mehr wirklich viele Sonnenstrahlen.
Der Ford Ranger Raptor ist auf den europäischen Straßen einfach ein Machtwort, welches besonders im ländlichen Bereich oftmals mit Daumen nach oben geschätzt wird.

Interieur: Erstklassige Haptik mit der Liebe zum Detail!

Hier können wir uns nur anschließen, zumindest wenn es sich um den hochwertigen Innenraum des Pick-ups im XXL-Format handelt.
Die Sitze bieten erstklassigen Seitenhalt und passen wie die Faust aufs Auge zu der dynamischen Linie des Offroaders. Sowohl Lenkrad und Wahlhebel sind ebenso im XXL-Format dimensioniert. Hier sammelt der Ranger noch einen Pluspunkt, denn eine 12-Uhr-Markierung wird kaum in dieser Klasse zu finden sein. Darüber hinaus sollte man auch die üppige Kopf- und Beinfreiheit in beiden Reihen sehr loben.
Der Einstieg gelingt problemlos über die seitlich angebrachten Trittbretter, sodass man die 56 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit keinesfalls in Frage stellen würde.
Ebenso großes Lob erntet das logisch bedienbare Infotainment-System (8-Zoll), welches flott reagiert und trotz ausschließlicher Touch-Bedienung niemals vom Verkehrsgeschehen ablenkt. Der wahre Hingucker sind ganz klar die blauen Ziernähte.

Exterieur: Platz gemacht! 

Das Außenkleid des Ranger Raptor würde man klar als eine Klasse für sich bezeichnen – anfangs rätselt man, ob man hier nicht eine gesonderte Lenkberechtigung benötige.
Der mächtige Frontbody mit den riesigen Buchstaben animiert so manchen Vorausfahrenden, um Platz zu machen. Immerhin stammt das Design vom nordamerikanischen F 150 Raptor, der ja eigentlich schon mehr LKW als Pick-up ist.
Dazu gesellt sich ein spezieller Unterfahrschutz aus 2,3 Millimeter dicken Stahl, sodass auch zügige Offroad-Einsätze niemals zum Verhängnis werden.

Die kraftvollen Radhausverbreiterungen aus Verbundwerkstoff, die seitlichen Trittbretter mit Abflussrinnen und spezielle All-Terrain-Reifen sorgen für ein klares Alleinstellungsmerkmal des Ford Ranger Raptor.

Wie fährt sich der 2,6 Tonner?

Bereits nach nur wenigen Metern mitten in Wien waren wir von den Fahreindrücken des Ranger Raptors beeindruckt.
Das liegt in erster Linie daran, dass dieses Fahrzeug von Ford Performance entwickelt wurde. Sodass Hochleistungsdämpfer von Fox verbaut wurden, diese bieten einen Kolbendurchmesser von 46,6 Millimeter – der Federweg wurde somit an der Vorderachse um 32 und an der Hinterachse um 18 Prozent verlängert.
Ebenso merkt man die um 150 Millimeter verbreiterte Spur, die besonders in engen Kehren dem Fahrzeug eine deutlich gesteigerte Fahrstabilität spendiert.

Ausschließlich eine Motorisierung: Selbstzünder mit reichlich Drehmoment 

Ein wenig schade finden wir, dass man den Ranger Raptor hierzulande ausschließlich als Zweiliter-Diesel mit 213 PS und 500 Nm anbietet. Keinesfalls wollen wir über den durchzugsstarken und auch effizienten (9,8 Liter /100 Kilometer im Schnitt) Selbstzünder schlechte Worte verlieren, dennoch würde das Aggregat aus dem F 150 deutlich besser zu dem muskulösen Aufritt des Fahrzeugs passen. Denn auch die Zehngang-Wandler-Automatik stammt aus dem F 150 – sie verrichtet ihre Dienste erstklassig und spendiert dem Selbstzünder besonders auf längeren Etappen einen hohen Effizienz-Faktor.

Für den wohl einzigen Kritikpunkt sorgt der sehr penible Notbrems-Assistent, der uns beinahe vom sportlichen Volant abbeißen lies, aber diesen kann man bei Bedarf auch deaktivieren.

Beachtlich finden wir, dass die spezielle Bereifung dem Ford Ranger Raptor kaum ein holpriges Fahrgefühl vermittelt. Klar fühlt man sich im Offroad-Paradies wohler, denn besonders auf Steigungen krallen sich die Pneus in den Untergrund und der Selbstzünder stellt bereits bei niedriger Drehzahl das komplette Drehmoment zur Verfügung.
Mittels Drehregler kann man sogar bis zu 120 km/h von Heck auf Allradantrieb umswitchen. Außerdem steht auch eine Untersetzung zur Verfügung, die besonders in hügeligen Landschaften die erstklassigen Offroad-Skills unter Beweis stellt.
Und für die zügigen Offroad-Passagen kann auch ein Modi-Wechsel durchgeführt werden – Baja – benannt nach der legendären Baja California-Wüsten-Rallyes. Und genau hier unterscheidet sich der Ranger Raptor von den herkömmlichen Produkten in diesem Segment. Sozusagen Big Toys for Big Boys.

 

Was uns gefällt:

Die muskulöse Optik des Außenkleids
Die erstklassige Verarbeitung
Der durchzugsstarke Diesel
Die Fahreigenschaften im Alltag

Was wir noch verbessern würden:


Den sehr sensiblen Notbremsassistent
Einen V6 oder V8 speziell für den Raptor
Die seltsamen Gesichtsausdrücke so mancher Verkehrsteilnehmer

 

Technische Daten – Ford Ranger Raptor 2,0 EcoBlue 213 PS A10 Doppelkabine

Motor / Antrieb

Motor: Reihen-Vierzylinder, Turbodiesel (Bi-Turbo)
Hubraum: 1.996 ccm3
Leistung  kW /PS: 156 kW / 213 PS bei 3.750 U/min
Drehmoment: 500 Nm zwischen 1.500 und 2.500 U/min.
Antrieb: Heck / zuschaltbarer Allrad
Getriebeart: 10-Gang Automatik
0-100 km/h: 10,6 Sekunden
V-Max: 180 km/h

Verbrauch / Umwelt

Werksangabe kombiniert: 10,8 Liter /100 km (nach WLTP)
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 9,8
CO2 Emissionen: 281 g/km

Fahrwerk / Reifen / Bremsen

Bremsen:
VA:
 innenbelüftete Bremsscheiben, HA: innenbelüftete Bremsscheiben
Felgen / Reifen:
VA+HA: 285/65 R17

Gewicht und Maße

Leergewicht:  2.585 kg
L/B/H: 5,363 / 2,028 / 1,873 (Meter)
Radstand: 3,220 m
Max. Zuladung: 760 kg
Tankinhalt:
80 Liter
Kraftstoff:
Diesel

Preise (netto):

Ford Ranger (XLT) zu haben ab:  € 32.020
Ford Ranger Raptor zu haben ab:
51.275 €
Preis Testfahrzeug inkl. MwSt: 51.275 €

(c) Bilder: Sebastian Poppe & Florian Richter