Bereits kurz nach der Übernahme haben wir unser Smartphone mit dem vollelektrischen Katalanen verbunden, dass dieses Betriebssystem dem Konzern mittlerweile großes Kopfzerbrechen bereitet, ist natürlich nichts Neues.

Nun gut, die Koppelung hat nach einigen Versuchen geklappt und siehe da – er schlägt mir gleich den Song Born to be alive vor. Mit diesem Ohrwurm kämpfe ich noch bis heute, ob dieser mich an gute oder schlechte Zeiten mit dem Cupra Born erinnert?

Immerhin ist es ja ein interner Kampf, den der Cupra Born hier zu meistern hat. Der ID.3 den wir auch als 58er Version im Test hatten, kämpfte ja mit sehr holprigem Infotainment und noch ein paar mehr Problemchen. Spätestens nach dem Test mit dem Cupra Born ist klar, dass er auch fahrtechnisch nicht der große Held ist. Aber dazu später mehr.

Interieur: Holpriges Infotainment, perfekte Sitzposition

Mir verkörpert der Cupra Born trotz ähnlicher Interieur Gestaltung einfach mehr Sportlichkeit und zugleich auch eine bessere Haptik. Man sitzt hier vielleicht nicht tiefer, aber die Ergonomie ist einfach besser ausgelegt.
Wie bereits erwähnt kämpft man auch hier mit dem Infotainment, welches nicht nur langsam die Befehle verarbeitet, sondern auch teilweise deutlich vom Verkehrsgeschehen ablenkt.
Auch die Sprachsteuerung sollte man over the air updaten, denn mir ist es nicht gelungen, dass wir einen Navigationsbefehl ohne einem zweiten Versuch sofort umsetzen konnten.
Deutlich positiver gefällt mir das Platzangebot, denn sowohl Kopf- und Beinfreiheit gehen in beiden Reihen völlig in Ordnung. Wie auch der ID.3 passen standardmäßig 385 Liter in den Kofferraum, das ist keine Meisterleistung, wobei man die meiste Zeit mit dem Fassungsvolumen leben kann.

Fahrverhalten: Ein ganz schön wilder Hund!

Großes Gefallen findet man, wenn man sieht, dass man sogar das ESP deaktivieren kann. Dies wäre wohl beim ID.3 nur möglich gewesen, wenn man die Sicherung zieht. Natürlich ist das nur kurzfristig ein kleiner Gag.
Es ist auch nicht zwingend notwenig, dass man die Stabilitätskontrolle vollständig deaktiviert, denn der Born lässt auch einen gewissen Spielraum. Es wirkt aber keinesfalls einschüchternd, denn die Elektronik hat alles im Griff und versüßt das ohnehin schon sportliche Fahrverhalten des Cupra Born.
Dazu gesellt sich das äußerst präzise Einlenkverhalten, ein sportlich ausgelegtes Fahrwerk und ein eher smooth dosiertes One Pedal Feeling.
Zweiteres haut dir keinesfalls die Zähne raus, dennoch gibt es bestimmt die eine oder andere Kundschaft, die dann mehr Komfort verlangt – hier steht der ID.3 gut im Futter.
Das tut auch der Cupra Born wenn man ihn aus dem Stand auf einhundert Beschleunigt. Die Herstellerangabe konnte bei jedem Sprintversuch trotz Winterbereifung gebrochen werden. Statt 7,3 Sekunden konnten wir sogar zwei Mal 6,5 mittels GPS-Messung erzielen, damit merket man bereits, welch gesteigertes Dynamikpotenzial im Spanier schlummert.

Lade-Management: Erstaunliche Werte!

Die Testversion (Alpha 58) als 1.000 Stück limitierte Edition, punktet nicht nur beim Preis/Leistungsverhältnis (mehr Ausstattungshighlights als herkömmlich) auch das Lademanagement geht völlig in Ordnung. Mittels Gleichstorm-Schnelllader konnten wir statt den 35 Minuten (10-80 Prozent State of Charge) sogar mal nach 30 Minuten abstecken.
Auch mittels Wechselstrom an der Wallbox kann man problemlos über Nacht den kantigen Spanier vollladen. Dann stehen meist 300 Kilometer wieder am digitalen Instrument. Für 1.000 Euro gibt es eine Wärmepumpe dazu, für Langstrecken würde ich dann eher zur 77 kWh Version greifen.

Das Preis/Leistungsverhältnis wird ein weiteres Argument für den Cupra Born darstellen, zugleich auch die 5 Jahre Garantie. Wenn nun noch immer die Stimme von Patrick Hernandez auftaucht – dann möchte ich mich dafür entschuldigen. Apropos: Das Beats-Audiosystem würden wir unbedingt empfehlen.

Fazit:

Der Cupra Born meistert seinen Aufritt mit hoher Dynamik. Im 100er Sprint punktet er mit nahezu einer Sekunde weniger im Vergleich zur Werksangabe. Flott ist er auch beim Laden, da vergeht die Kaffeepause im Nu.
Weniger Gefallen findet das noch immer sehr holprige Infotainment-System, welches puncto Bedienung sehr ablenkend wirkt. Für mich weckt der Cupra Born deutlich mehr Emotionen, sofern man auf den hohen Komfortfaktor des ID.3 verzichten kann.

Was uns gefällt:

Die Fahrdynamik
Das deaktivierbare ESP inkl. Heckantrieb
Die sehr präzise Lenkung
Preis / Leistung

Was wir noch verbessern würden:

Das Infotainment-System
Die Oberfläche für Temperatur- und Lautstärkenregelung beleuchten
Die Sprachsteuerung verbessern

Factbox – Cupra Born Alpha 58

Motor/Antrieb

Motor: Elektromotor, Batteriekapazität 58 kWh
Leistung kW/PS:  150 kW/ 204 PS
Drehmoment:  310 Nm
Antrieb: Hinterrad
Getriebeart: 1-Gang-Automatikgetriebe
0-100 km/h: 7,3 Sekunden
V-Max: 160 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert: 15,5-19,4 kWh/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 19,0 kWh/100 km
Reichweite nach WLTP:  417 km

Ladedauer

Wechselstrom 11 kW (Ladezeit bis 100 %):  6 Stunden 15 Minuten
Gleichstrom-Schnellader, 100 kW (Ladezeit bis 80%): 35 Minuten

Bremsen/Reifen/Felgen

Bremsen: VA: Scheibenbremsen (innenbelüftet) HA: Trommel
Felgen/Reifen: 215/50 R19 M+S

Gewicht und Maße

Leergewicht:  1.736 kg
L/B/H: 4,322 m /1,809 m / 1,537 m
Radstand: 2,767 m
Kofferraumvolumen: von 385 bis 1.267 Liter

Preise

Cupra Born 58 (ohne Extras) zu haben ab: € 41.290,-
Preis Testfahrzeug inkl. MWSt: € 41.420,-

Sonderausstattung

Fußmatten Textil Garnitur schwarz € 130,-

(c) Bilder: Sebastian Poppe