Nach dem Volvo XC60 B5, einem 173 kW (235 PS) starken 4-Zylinder-Diesel mit Mild-Hybrid, nahmen wir einige Wochen später im 186 kW (253 PS) starken 4-Zylinder-Benziner mit Plug-in-Hybrid Platz. Der Verbrennungsmotor wird dabei von einem 65 kW (87 PS) starken Elektromotor unterstützt. Damit kommt der sanfte Riese auf eine Systemleistung von 250 kW (340 PS) und 590 Nm Drehmoment und ist somit die schwächere der beiden Plug-in-Hybrid Versionen. Ob man tatsächlich den XC60 T8 benötigt, sollte wohl jeder für sich selbst entscheiden, dennoch hängt schon der T6 erstklassig am Gas.
Ganz dem Umwelt-, aber auch dem Sicherheitsgedanken folgend, ist die Höchstgeschwindigkeit mit 180 km/h begrenzt. Wer auf österreichischen Autobahnen unterwegs ist und auf seinen Führerschein angewiesen ist, hat aber auch innerhalb dieser Grenzen sehr viel Spaß.

Mit Plug-in-Hybrid entspannt ans Ziel

Rein elektrisch sind diese aber relativ eng gesteckt: Volvo gibt eine Reichweite von bis zu 55 Kilometer an. In unserem Test konnten wir im EV-Modus bei winterlichen Bedingungen mit leichten Minusgraden ca. 40 Kilometer zurücklegen. Mit 11,6 kWh ist die Antriebsbatterie eher klein gehalten. Da kann es schon mal sein, dass einem die Textzeile einer österreichischen Band „Ich brauch‘ mehr Strom … keine Power in mein(em) Akku“ aus der perfekten Sound-Anlage von Bowers & Wilkins länger in Erinnerung bleibt als einem lieb ist. Was bei allen Plug-in-Hybriden aber sehr angenehm ist: Man kann noch immer ganz entspannt bis zur nächsten Ladesäule rollen, da die Reichweite des Verbrenners doch um einiges höher ist.

Perfekter Fahrspaß inkludiert

Wer sich einen Teil der NoVA sparen will, greift aber vermutlich lieber zum Plug-in-Hybrid-Modell. Von den Fahrleistungen her ist der rund zwei Tonnen schwere Schwede sehr gut aufgestellt: Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in nur 5,9 Sekunden. Mit so viel Pfeffer unterm Hintern überholt man gerne. Die 8-Gang-Automatik schaltet dabei so sanft, dass man fast vergisst, dass es unterschiedliche Gänge gibt. Dank des Allradantriebs wird die abgerufene Kraft sicher auf die Straße gebracht. Dass das Kurvenfahren mit dem XC60 ebenso Spaß macht, brauchen wir an dieser Stelle wohl nicht extra zu erwähnen.

Die Lenkung könnte allerdings etwas direkter sein, stellenweise wirkt sie gar schwammig. Das trübt unserer Meinung nach den Gesamteindruck des sonst so hochwertig verarbeiteten Fahrzeugs doch etwas. Die Bremsen schaffen es hingegen gut, den kleinen Bruder des XC90 zum Stillstand zu bringen – bei starker Verzögerung oder wenn der Notbremsassistent eingreift auch mit automatischer Aktivierung der Warnblinkanlage. Zum Glück hatten wir während unseres Testzeitraums keine Situation, in der wir das ausprobieren hätten müssen.

Optional mit adaptivem Luftfahrwerk

Beim Fahrwerk ist eine gut abgestimmte Mischung zwischen Komfort und Sportlichkeit gelungen. Dies liegt nicht zuletzt am adaptiven Luftfahrwerk, das optional erhältlich ist und in der Sonderausstattungsliste des Testwagens angekreuzt wurde. Ebenso begeistert waren wir von der Akustikverglasung. Im Innenraum bleibt es selbst bei höheren Geschwindigkeiten erstaunlich leise, auch Windgeräusche sind trotz der höheren Bauart, verglichen mit anderen SUVs, kaum wahrnehmbar. Der Volvo XC60 T6 ist aber nicht nur eine Wohltat für Auge und Ohr, auch die Haptik kommt nicht zu kurz.

R-Design lässt grüßen

Die verwendeten Materialen sind rundum top. R-Design setzt hier aber auch Maßstäbe, z.B. mit dem Lederschalthebel oder den Sportpedalen. Bleiben wir gleich beim Fahrersitz: Dieser verfügt über eine Memory-Funktion und ist (wie der Beifahrersitz) mehrfach elektrisch einstellbar. Jedes Mal aufs Neue positiv überrascht sind wir von Volvos Erweiterung der Oberschenkelauflage. Die hat sich ihren Namen wirklich verdient und ermöglicht so auch groß gewachsenen Personen ein komfortables Reisen, im Winter auf leicht angewärmten Nappaledersitzen, im Sommer auf angenehm kühlen.

Vom Fahrersitz aus ist alles gut erreichbar, sowohl der in der Mittelkonsole positionierte Drehregler zum Starten des Aggregats als auch der sehr hochwertig wirkende Fahrmodi-Schalter, Touchscreen der Infotainment-Einheit oder das Lenkrad. Die Bedienung ist für Nicht-Volvo-Fahrer anfangs etwas ungewohnt. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit findet man sich aber schnell zurecht und ist über die gute Ablesbarkeit der gestochen scharfen und sehr aufgeräumt wirkenden Digitalanzeigen sowie die flotte Rückmeldung des Touchscreens überrascht. Die Anzeigen passen ihre Helligkeit der Umgebung an. Wer also in einen Tunnel fährt, bekommt ein dunkleres Schema präsentiert. Beim Verlassen desselben dauert es allerdings ein wenig, bis die Farbe wieder zurückkehrt. Nichts auszusetzen gibt es beim Ausleuchten der Fahrbahn durch „Thors Hammer“-LED-Leuchten.

Fahrassistenz, die ihren Namen verdient

Auch die unterschiedlichen Assistenzsysteme aus diversen aufpreispflichtigen Paketen versehen brav ihren Dienst. Mit an Bord hatten wir das IntelliSafe-Paket Pro (u.a. mit Pilot Assist) oder das Xenium-Paket Pro (mit Einparkhilfe, Rückfahrkamera mit 360-Grad-Surround View, Head-up-Display, etc.). Wo man sich bei vielen anderen Herstellern über die Unzuverlässigkeit der Assistenzsysteme ärgert, zeigt Volvo erneut souverän, dass Sicherheit nach wie vor ganz groß geschrieben wird.

Groß genug ist auch das Äußere des 4,7 Meter langen Premium-SUV-Modells. Wo wir beim XC90 Bedenken hatten, pilotierten wir mit dem kleineren Bruder locker hindurch. Wer auf die dritte Sitzreihe des XC90 nicht angewiesen ist, wird mit der Kopf- und Beinfreiheit des XC60 jedenfalls sein Auslangen finden. Sollte sich mal jemand in Reihe zwei über den hohen Steg beim mittleren Sitz beschweren: Dieser ist der Sicherheit geschuldet. Volvo verbaut nämlich die Batterie (anders als andere Hersteller) nicht unter dem Rücksitz oder dem Kofferraum, sondern unter dem Kardantunnel. Damit ist diese im Falle eines Unfalls tief geschützt im Inneren des Fahrzeugs positioniert – sozusagen alles im Grünen.

Fazit

Wer einen komfortablen Premium-Allradler mit zuverlässigen Sicherheitsfeatures und bester Plug-in-Hybrid-Technik sucht, ist beim Volvo XC60 T6 AWD Recharge gut aufgehoben. Durch den Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang ist es auch möglich, kürzere Strecken rein elektrisch zurückzulegen. Für Pendler mit höheren Kilometerleistungen ist der Diesel vermutlich aber die bessere Alternative.

Was uns gefällt:

  • der hohe Wohlfühlfaktor
  • die sportlichen Fahrleistungen
  • die hochwertige Verarbeitung der Materialien

Was wir noch verbessern würden:

  • eine direktere Lenkung spürbar machen
  • absenkbare Spiegel zusätzlich zur 360° Surround View wäre schön
  • den relativ hohen Testverbrauch, wenn man ohne Elektro-Unterstützung unterwegs ist

Factbox: Volvo XC60 T6 AWD Recharge R-Design

Motor/Antrieb

Motor: Vierzylinder in Reihe
Hubraum: 1.969 ccm
Benzin-Aggregat: Leistung kW/PS: 186 kW/253 PS
Elektro-Aggregat: 65 kW/87 PS
Systemleistung kW/PS: 250 kW/340 PS
Drehmoment Benzin-Aggregat:
350 Nm zwischen 1.700 und 5.000 U/min
Drehmoment Elektro-Aggregat: 240 Nm zwischen 0 und 3.000 U/min
Antrieb:
Allradantrieb
Getriebeart: 8-Gang-Automatik
0-100 km/h: 5,9 Sekunden
V-Max: 180 km/h (elektronisch abgeregelt)

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert, l/100 km: 2,6 (WLTP)
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 3,5 – 6,0 Hybrid, ca. 10 l ausschließlich Verbrenner
CO2 Emissionen: 59 g/km Euro 6d (WLTP)

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA + HA: Scheibenbremsen innenbelüftet
Felgen/Reifen: 255/40 R21

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.166 kg
L/B/H: 4,688 / 2,117 / 1,658 m
Radstand: 2.865 m
Kofferraumvolumen: 468 – 1.395 Liter
Tankinhalt: 70 Liter
Kraftstoff: Benzin

Preise

Volvo XC60 zu haben ab: € 42.600,-
Volvo XC60 T6 AWD Recharge R-Design zu haben ab: € 57.475,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 91.326,-

Sonderausstattung (netto):

Außenfarbe: Bursting Blue Metallic € 1.350,-

5-Dreierspeichen R-Design in 21-Zoll € 1.720,-

Polsterung: Nappaleder in Anthrazit € 2.060,-

Sitzkomfort-Paket (Elektrisch einstellbarer Beifahrersitz, Memoryfunktion für Beifahrersitz) € 450,-

Licht-Paket (Scheinwerferreinigungsanlage, Voll-LED-Scheinwerfer „Thors Hammer“ Active High Beam) € 850,-

IntelliSafe-Paket Pro (IntelliSafe-Surround, Pilot Assist) € 1.550,-

Winter-Paket Pro (Lenkradheizung, Sitzheizung hinten (äußere Sitzreihe), Sitzheizung vorn, Standheizung mit Timer (kraftstoffbetrieben), Wischerblätter und Scheibenwaschdüsen beheizt) € 1.600,-

Xenium-Paket Pro (Einparkhilfe vorn und hinten, Erweitertes Luftqualitätssystem mit Feinstaubfilterung nach Luftqualitätsstandard PM2,5, Head-Up-Display, Infotainmentsystem Sensus Connect mit PREMIUM SOUND by Bowers & Wilkins, Parkkamera mit 360° Surround View) € 4.870,-

Adaptives Luftfahrwerk mit Four-C-Technologie € 1.980,-

Akustikverglasung für die Seitenfenster (UV- und Einbruchhemmende Verbundglasscheiben) € 860,-

Armaturentafel in Lederoptik mit Kontrastnähten € 730,-

Aufbewahrungstasche für das Ladekabel € 40,-

Induktives Smartphone-Ladesystem (Qi-Standard) € 200,-

Seiten- und Heckfenster abgedunkelt (ab B-Säule) € 370,-

(c) Bilder: Gas Junky, sp