Kaum ein anderes Fahrzeug hat im Generationenwechsel solange auf sich warten lassen, zwischen vierter und fünfter Generation des Toyota Supra liegen ganze 17 Jahre. Also wenn Supra-Fans eine Stärke haben, dann ist es mit Abstand deren Geduld.
Aber keine Angst es handelt sich noch um einen waschechten Sportwagen – 1,29 Meter misst die Flunder an der höchsten Stelle. Und hier geht es wie bei jedem anderen Sportwagen auch in erster Linie um muskulöse Proportionen – dies merkt man bereits beim Einstieg.
Das sogenannte Double-Bubble Dach dient nicht nur als Tradition-Feature, es reduziert natürlich auch den Luftwiderstand und sorgt somit für Glanzwerte im Windkanal. Dennoch stößt man beim Einstieg bald mal an der Dachkante an – hier muss man sich schon eine spezielle Technik des Einsteigens kreieren, um nicht dauerhaft sowohl beim Ein- und Ausstieg eine Kopfnuss zu ernten.

Und bevor wir nun die Diskussion starten, welcher der richtige Artikel für die Legende in bereits fünfter Generation sei – Leute, das bleibt Euch dann selbst überlassen. Für mich ist es noch immer DER Supra.
Die Sportwagenikone mit 4,38 Meter Länge rollt bei Magna in Graz vom Band und teilt sich mit dem neuen BMW Z4 die Technik, das Chassis als auch Motor und Getriebe.

Handelt es sich also tatsächlich um Badge-Engineering?

Diese Frage ist leicht zu beantworten – zumindest, wenn man schon im neuen Roadster der Bayern mit gleicher Motorisierung als auch in M Modellen mit dem bärenstarken Reihensechser unter der Haube Platz genommen hat.

Aber dazu später mehr.

Grundsätzlich stellt sich zunächst die Frage, warum man gerade mit den Bayern die Zusammenarbeit unterzeichnete?

Aber hier geht es ganz klar um den wirtschaftlichen Background. Denn kaum ein anderer Hersteller hat einen besseren Reihensechszylinder im Programm als BMW, die Bayern sind auf diesem Gebiet einfach Pioniere.

Ingenieurskunst der Sonderklasse!

Nicht nur die Kraftentfaltung des Aggregats beindruckt, sondern auch die Effizienz in dieser Liga. Bei vorausschauender Fahrweise schafft man problemlos die sieben Liter Marke zu unterschreiten, legt man Mr. Bleifuß an – so ist man problemlos mit 10-11 Litern auf 100 Kilometer unterwegs – Hut ab! Erstaunlich, denn selbst im unteren Drehzahlbereich hat der Dreiliter-Benziner ordentlich Power, wodurch auch cruisen mit dem neuen Supra mit reichlich Fahrspaß quittiert wird.
Die Kräfte oder besser gesagt die Macht des Dreiliter mit Twin Scroll Lader werden/wird an die Hinterachse losgelassen, wo die klebrigen Michelin Super Sport erstklassige Arbeit verrichten. Wobei auch die besten Pneus in dieser Klasse die Kräfte des B58 (interne Motorenbezeichnung) nicht immer gelassen nehmen, hie und da verewigt man sich in der Fahrbahn, während das ESP Lämpchen im Dauereinsatz um sein Leben flackert, dazu gesellt sich der herrliche Klang des Reihensechsers und ein sonores Pfeifen des Laders – ein Duett der Sonderklasse!
Der „Kraftlackl“ von Sechszylinder ist an einen Achtgang Wandlerautomat von ZF gekoppelt, wodurch erstklassige Gangwechsel an der Tagesordnung stehen. Ruppige Wechsel oder gar Verschalter im Hinterland bei Spitzkehren und engen Passagen? Fehlanzeige! Für Tempo einhundert benötigt die Tachonadel lediglich 4,3 Sekunden.

Die inneren Werte zählen!

Diese Qualität nimmt auch Einzug in das Interieur, welches ebenfalls zu 95 Prozent aus München stammt. Aber dies sollte man sich äußerst positiv zu Herzen nehmen, denn kein Toyota konnte bis dato mit solch einem perfekten, fahrerorientierten Cockpit aufwarten. Die inneren Werte überraschen nicht nur mit erstklassiger Haptik auch das für BMW-Fans bekannte iDrive-System verwandelt die Navigation durch die Infotainment-Landschaft in einen Genuss. Die Sportsitze sorgen für eine erstklassige Kombination zwischen Sitzkomfort und Seitenhalt, die Seitenwangen lassen sich sogar je nach Bedarf anpassen. Aber bereits beim Volant trennen sich die Geister, denn Kollegen loben das Lenkrad, meiner Meinung ist es jedoch viel zu dünn und auch die Materialwahl könnte um Klassen besser ausfallen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Versperrte Atemwege..

Um einiges kritischer sehe ich die angedeuteten Lufteinlässe, welche ausschließlich optisch etwas hermachen sollen, dabei bewirken diese genau das Gegenteil.
Endlich stellt mal ein Hersteller einen Sportwagen auf die Räder, der sich gänzlich von der eher biederen Konkurrenz abhebt und dann verdeckt man die Lufteinlässe mit schwarzen Plastik-Elementen?
Dies machen spätestens nach Blick auf das unverwechselbare Heck die punktförmigen LEDs des Rückfahrscheinwerfers als auch der Nebelschlussleuchte wett, links und rechts wird die Optik von faustgroßen Endrohren verschärft.

Ganz oder gar nicht!

Intelligent gelöst wurde auch, dass ausschließlich zwei Modi für die Sportwagen-Legende zur Verfügung stehen. Wozu denn einen EcoPro oder SportPlus Modus? Im neuen Supra ist man nach dem Motorstart im „Normal“ Modus unterwegs, auf Knopfdruck wechselt man in den „Sport“ Modus, wodurch sich Dämpfer, Gasannahme, Lenkung als auch der Motorsound deutlich verschärfen.

Wie fährt sich die Legende, die nun in Graz vom Band läuft?

Der Fahrwerksabstimmung hätte man wohl keinen besseren Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit verleihen können. Wobei die Zug- und Druckstufe besonders bei Beschleunigungsmanöver noch ein wenig straffer ausfallen hätte können.

Hingegen die Lenkung äußerst direkt und straff reagiert, sodass der neue Supra präzise einlenkt und auch das Feedback erstklassig ausfällt.
Erstaunlich ist, dass die Ingenieure die 1,5 Tonnen Leergewicht dementsprechend vertuschen konnten, aber genau diese Eigenschaft gepaart mit dem äußerst fahraktiven und sehr giftigen Verhalten zeigt, dass Gazoo Racing noch ordentlich an der Legende getüftelt hat.
Die Steifigkeit des Fahrzeugs ist sogar höher als bei einem Lexus LFA, der Radstand kürzer als bei einem Toyota GT86 und die Spur natürlich breiter. Wer nun noch immer der Meinung ist, dass ausschließlich Bade-Engineering betrieben wurde beziehungsweise es sich um keinen richtigen Supra mehr handelt, der möge mal den nächsten Toyota-Händler seines Vertrauens aufsuchen und eine Probefahrt vereinbaren.
Man merkt also, dass Akio Toyoda Benzin im Blut hat, denn erst nach seinen ausgiebigen Tests mit dem neuen Supra auf der Nordschleife, hat er grünes Licht für die neue Generation gegeben. Hier können wir uns nur anschließen, denn Toyota hat hier wohl eines der besten Fahrzeuge auf die Räder gestellt. Auch in puncto Preispolitik ist man ganz vorne dabei, denn die Basisversion des BMW Z4 M40i kostet bereits 70.950 Euro, der Porsche Cayman S als auch Audi TT RS überragen die 80.000 Euro Grenze, wohl gemerkt ohne Extras.
Das Warten hat sich also gelohnt, wobei man noch ein wenig Geduld haben sollte, da die Stückzahl der österreichischen Fahrzeuge für dieses Jahr sehr begrenzt ist und diese bereits einen Besitzer haben.

Was uns gefällt:

Der kraftvolle, aber effiziente Motor
Das erstklassige Interieur
Das unverwechselbare Design

Was wir noch verbessern würden:

Das sehr dünne Volant wertiger wirken lassen
Die FAKE-Lufteinlässe durch echte ersetzen
Zug- und Druckstufe nachschärfen

Technische Daten – TOYOTA GR SUPRA:

Motor / Antrieb

Motor: Reihen-6-Zylinder
Hubraum: 2.998 ccm3
Leistung  kW /PS (Gesamt): 250 kW / 340 PS bei 5.000 U/min
Drehmoment: 500 Nm bei 4.500 U/min
Antrieb: Heckantrieb
Getriebeart: 8-Gang Wandler-Automatik (ZF)
0-100 km/h: 4,3 Sekunden
V-Max: 250 km/h

Verbrauch / Umwelt

Werksangabe kombiniert, l/100 km: 7,5
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 9,0
CO2 Emissionen: 170 g/km Euro 6d-TEMP

Fahrwerk / Reifen / Bremsen

Vo. Achse: McPherson-Federbeine Achse
Hi. Achse: Mehrlenkerachse
Bremsen:
VA + HA:
, Bremsscheibe innenbelüftet
Felgen / Reifen:
VA:255/35 ZR 19 96 Y auf 9J x 19, HA: 275/35 ZR 19 100 Y auf 10J x 19

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.495-1.545 kg
L/B/H: 4,379 / 1,854 / 1,292 (Meter)
Radstand: 2,47 m
Kofferraumvolumen: 290 Liter
Tankinhalt:
52 Liter
Kraftstoff:
Super 98

Preise

TOYOTA GR Supra zu haben ab: 71.990,- €
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MwSt:
74.088,24,- €

Sonderausstattung:

Granturismo Paket € 1.838,24,-
Sitzbezüge Leder
Head-Up-Display
JBL-Premium-Audiosystem mit 12 Lautsprechern
Induktive Ladestation für Smartphones
Handschuhfach, beleuchtet
Einstiegsbeleuchtung
Verzurrösen im Gepäckraum
Gepäcknetz, seitlich
12 V Anschluss, Kofferraum

Uni-Lackierung: Prominence Red € 350,-

(c) Bilder: Sebastian Poppe