Bereits seit der Markteinführung des Seat Leon im Jahr 1999 zählt er als Grundpfeiler der spanischen Marke. Mehr als 2,2 Millionen Einheiten konnten bisher abgesetzt werden, nun startet man mit der vierten Generation.

SEAT Österreich-Chef Wolfgang Wurm möchte mit der neuen Generation 60 Prozent Kombi-Anteil hierzulande erreichen (10 Prozent mehr als mit dem Vorgänger) – speziell Flottenkunden und KMUs sind gefragt.
Grund genug, um den spanischen Lademeister in der höchsten und auch sportlichsten Ausstattungslinie FR als Testgast zu laden.

Interieur: Erstklassige Haptik, logische Bedienung, kleine Verbesserungsvorschläge

Beginnen wir gleich beim Interieur des neuen SEAT Leon, denn hier gibt es wohl neben dem geschärften Design die größten Neuheiten.
Ganz ohne Tasten und Knöpfe „muss“ man also auskommen, wie bereits in der achten Golf Generation. Dennoch haben die Spanier das Layout der Infotainment-Zentrale (10 Zoll) logischer aufbereitet, sodass man nicht gar so wild durch die Untermenüs surfen muss.

Dennoch gibt es noch immer ein paar Dinge, die man intuitiver gestalten hätte können. Beginnen wir beim Deaktivieren des nicht gerade zart eingreifenden Spurhalte-Assistenten – ein simples Untermenü anklicken und schon zerrt es nicht mehr so sehr an der Lenkung, wenn man mal ein wenig mehr links oder rechts in seiner Spur fährt. ABER es leuchtet permanent ein orangenes Dreieck hinter dem Volant auf, um dem Lenker zu signalisieren, dass dieses Assistenzsystem nun deaktiviert ist, das nervt.
Wie auch schon im Golf 8 hat man leider die Regler der Klimaautomatik und den Lautstärken Regler (diese funktionieren auch schon mittels Touchbefehle) vergessen zu beleuchten, das ist besonders am Heimweg zur späten Stunde ein klarer Nachteil.

Um Anti-Touchfans zu beruhigen: Man kann die Funktionen auch problemlos über die erstklassige Sprachsteuerung (diese startet man mit Hola!) bedienen, dies funktioniert großteils ohne, dass es sich spanisch anfühlt.
Großes Lob verdient die gesteigerte Materialwahl des „schwebenden“ Armaturenbretts und die integrierte Ambiente-Beleuchtung, die man in zahlreichen Farben personalisieren kann, sogar der Totwinkel-Assistent ist hier mitintegriert und sorgt für ein sehr futuristisches Blink Blink.
In der getesteten FR Version spendieren die Sportsitze erstklassigen Seitenhalt und auch gegen die Ergonomie des sportlichen Lademeisters ist nichts einzuwerfen. In der zweiten Reihe sitzt man gerne, denn sowohl Kopf- und Beinfreiheit fallen selbst bei großgewachsenen Personen überdurchschnittlich aus. Das liegt wohl am 50 mm gestreckten Radstand, der dem Leon nicht nur zusätzliches Ladevolumen spendiert (620 Liter beim Kombi), sondern auch die Fahrbahnunebenheiten besser wegbügelt, aber dazu später mehr.
Erstaunlich ist, dass der Leon Kombi trotz seiner sportlichen Karosserie bereits in der Basis um 20 Liter mehr Fassungsvermögen bietet als der Golf Variant, der Octavia bleibt ganz klar der wahre Lademeister mit 640 bis 1.700 Liter Ladevolumen, und das in der Kompaktklasse.

Exterieur: Lichtspiele der Extraklasse

Apropos Kompaktklasse: Zahlreiche Passanten blicken verwundert als ich den neuen Leon Kombi schlüssellos öffne und das dynamische Leuchtband am Heck herumzischt und die dynamischen Blinker die Show nochmals verstärken. Eigentlich kennt man diesen Effekt nur von aktuellen Porsche-Modellen, aber hier merkt man eben welch erstklassige Features die Spanier deren Kunden anbieten. Cool finden wir es, wenn der Leon seine überdurchschnittliche Freundlichkeit unter Beweis stellt und mittels Hola!-Schriftzug ( Scheinwerfer an der Unterseite der Außenspiegel) so manch andere Passanten in der Tiefgarage zum Schmunzeln verleitet.
An der Front hat man die LED-Scheinwerfer ein wenig zurückgesetzt, die Verbindung zwischen Kühlergrill und Leuchten wirkt dreidimensional und die längere Motorhaube trägt nochmals mehr zum ohnehin schon sehr sportlichen Auftritt bei.
Optional stehen 18-Zoll Räder für die FR-Variante zur Verfügung, diese unterstreichen nochmals das ohnehin mehrfach betonte, sportliche Außenkleid.
Den einzigen Minuspunkt bilden die Fake-Auspuffblenden – diese sind ja derzeit von vielen Herstellern sehr beliebt – passen aber so rein gar nicht zur einer sportlichen Ausstattungslinie, schon gar nicht, wenn es im Winter darunter hervordampft.

Fahrverhalten & Motor: Durchzugsstarker Benziner mit Mildhybrid-Unterstützung

Wir haben uns die Mildhybrid-Version mit 150 PS zur Brust genommen. Dabei handelt es sich um einen 1,5-Liter Vierzylinder-Turbobenziner, der mittels 48-Volt Board-Netz nochmals eine Spur effizienter arbeitet – wohl die beste Wahl, wenn man hie und da mal sportlicher unterwegs sein mag.
Durchschnittlich sind 6,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer durch die Spritleitungen geronnen, dies ist ein guter Wert für den spanischen Lademeister.
Das Aggregat ist an ein sehr flott, aber sanft schaltendes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt, das je nach Fahrmodi die Gänge sortiert.
Der Sprint auf Tempo einhundert ist in 8,7 Sekunden Geschichte, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 218 Kilometer pro Stunde.

Der neue Seat Leon Kombi lenkt auch als Kombiversion sehr präzise ein, neigt nur in sehr flott gefahrenen Kurven leicht zum Untersteuern und bügelt trotz spezifischer Fahrwerksabstimmung die Unebenheiten erstklassig weg.
Der neue Leon Kombi löst sowohl bei Beschleunigungsvorgängen als auch auf kurvigen Etappen deutlich mehr Emotionen aus als seine Konzerngeschwister und lässt dabei natürlich jede Menge Fahrspaß aufkommen.

Fazit:

Mit dem neuen SEAT Leon Kombi verfügt man nicht nur über zusätzlichen Stauraum, man profitiert von gesteigerter Haptik, umfangreicher Ausstattungsdetails und einem Design bei dem man in so ziemlich in jeder Situation als Blickfänger gilt. Das durchgehende Lichtband am Heck lässt teilweise sogar Applaus aufkommen, über die Bedienung des Infotainment-System lässt sich streiten. Das machen die zahlreichen Antriebsalternativen (Benzin, Erdgas, Diesel und Plug-In-Hybrid) wieder wett.

Was uns gefällt:

  • Das sehr sportliche Außenkleid
  • Das Fahrverhalten
  • Das Ladevolumen

Was wir noch verbessern würden:

  • Die Touchleiste für Klima und Lautstärke beleuchten
  • Das orangene Dreieck deaktivieren, wenn man den Spurhalte-Assistenten ausschaltet
  • Die Fake-Auspuffblenden in der FR Version

Technische Daten: SEAT Leon Kombi FR 1.5 eTSI ACT DSG

Motor/Antrieb

Motor: Vierzylinder Benzinmotor mit Direkteinspritzung und Mildhybrid-Unterstützung
Hubraum: 1.498 ccm
Leistung kW/PS: 110 kW/ 150 PS
Drehmoment in Nm: 250 zwischen 1.500 und 3.500 Nm
Antrieb: Front
Getriebeart: 7-Gang DSG
0-100 km/h: 8,7 Sekunden
V-Max: 218 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert l/100 km: 5,7-6,1
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 6,9
CO2 Emissionen: 129-139 g/km / Euro 6

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA: Scheibenbremsen innenbelüftet HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: 225/40 R18

Gewicht und Maße

Leergewicht:  1.410 kg
L/B/H in Meter: 4,642 m /1,799 m / 1,437m
Radstand in Meter: 2,684 m
Kofferraumvolumen: 620-1.600 Liter
Tankinhalt:  45 Liter
Kraftstoff: Super 95

Preise

SEAT Leon Kombi zu haben ab: € 20.140,-
SEAT Leon Kombi FR 1.5 eTSI ACT DSG zu haben ab: € 32.640,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 40.131,50,-

Sonderausstattung:

Farbe: Desire-Rot-Metallic € 1.006,24
Anhängevorrichtung schwenkbar € 904,59

Dachhimmel schwarz € 274,42
Dynamik-Paket € 874,10
Easy-Open-Paket € 853,78
Felgen Alu 18“ FR Performance € 752,13
Fensterschachtleisten schwarz glänzend € 203,28
Fußmatten Textil Garnitur € 76,24
Induktionsladeschale € 233,76
Österreich-Paket € 1.006,24
Reserverad (Notrad) € 91,47
Technologie-Paket XL € 1.565,25

(c) Bilder: Sebastian Poppe, Florian Richter