Mercedes steht seit jeher für Sicherheit und gediegenen Komfort. Auch die neuen, teilelektrifizierten Modelle stellen da keine Ausnahme dar. Sollen sie doch, wenn es nach Mercedes geht, dabei helfen, die Brücke zur reinen Elektro-Mobilität zu schlagen. Doch wie gut beherrscht Mercedes die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor? Wir haben uns das kleinste SUV-Modell, das dennoch einiges an Platz bietet, als Plug-in-Hybrid näher angesehen.

Allrad? Fehlanzeige

Gleich vorweg: Wer Allrad sucht, ist hier falsch. Das finden wir ein wenig schade, aber man kann eben nicht alles haben. Andererseits: Wer will mit so einer feinen Ausstattung, unser Testwagen hatte die AMG Line an Bord, ins Gelände? Kennzeichen des AMG Styling-Pakets sind außen die AMG-Heckschürze mit Diffusor-Optik und der Diamantgrill. Innen überzeugen die angenehm festen Sportsitze nicht nur den Rücken, sondern mit ihren roten Ziernähten auch das Auge. Diese finden sich ebenso am unten abgeflachten Sportlenkrad aus Nappaleder oder der Innenverkleidung der Türen. Dort trifft man zusätzlich auf Designelemente aus Aluminium: Diese sind zwar schön anzusehen, sorgen aber nicht unbedingt für Freude bei den Fingern, wenn das Auto noch kalt oder im Sommer nach einem längeren Sonnenbad am Parkplatz frisch aufgeheizt ist.

Dritte Generation der Hybrid-Technologie

Aber wieder zurück zur Hybrid-Technologie bei Mercedes, die in der dritten Generation über die gesamte Produktpalette ausgerollt wird: Von der A- bis zur S-Klasse, vom GLA bis zum GLE bekommen alle Verbrennungsmotoren elektrische Unterstützung. Im GLA 250e wird dem 1.33-Liter großen Vierzylinder-Benziner mit 118 kW (160 PS) und 250 Nm maximalem Drehmoment (ab 1.620 U/Min) ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Gesamtkapazität von 15,6 kWh zur Seite gestellt. Zwischen Vier-Zylinder-Turbo und achtstufigem Doppelkupplungsgetriebe (8G-DCT) arbeitet der Elektromotor mit 75 kW (102 PS), der 300 Nm beisteuert. Insgesamt stehen im GLA 250e somit 160 kW (218 PS) und ein kraftvolles Drehmoment von 450 Nm zur Verfügung. Manchmal etwas zu viel Kraft, um diese ohne Allrad (und nur über die Vorderräder) auf die Straße zu bringen.

Auch beim Zusammenspiel der beiden Antriebsstränge gibt es unserer Meinung nach Verbesserungspotenzial: Als PHEV startet der Mercedes kaum hörbar rein elektrisch. In den Drive-Modes Comfort oder Elektro bleibt er solange beim Stromen, bis der Fahrmodus (über den Drehregler in der Mittelkonsole oder das nun leichter bedienbare MBUX Infotainmentsystem) gewechselt wird oder ein beherzter Tritt aufs Gaspedal erfolgt. Dann heult der Motor so schnell und laut auf, wie die Fußbewegung gekommen ist und man hat fast ein wenig Mitleid, dass man die Unterstützung des Verbrenners so jäh angefordert hat. Tut man dies nicht, übernimmt der Elektromotor die Hauptarbeit und der Verbrenner kommt (bei sanftem Gasfuß) eher selten zum Einsatz. Vielleicht soll die Geräuschkulisse auch eine Erinnerung daran sein, dass man mit Strom viel leiser unterwegs sein kann?

Der Ladevorgang kann mit Gleich- oder Wechselstrom erfolgen. Dazu einfach den Tankdeckel auf der rechten hinteren Seitenwand öffnen und je nach Verfügbarkeit zum schnelleren Gleichstromladen (laut Hersteller ca. 25 min. von 10 bis 80 % Ladekapazität) oder zur 7,4 kWh Wallbox mit Wechselstrom greifen (Ladezeit im Praxisbetrieb knapp 2 Stunden). Trotzdem sich die Akkus unter den Rücksitzen befinden, haben die Passagiere im Fond ausreichend Kopf- und Beinfreiheit. Bei umgelegten Rücksitzen schafft Mercedes sogar einen ebenen Ladeboden. Der GLA 250e fühlt sich innen zudem größer an, als man es von außen vermuten würde. Das Design wurde so geschickt gewählt, dass man ihm die 4,4 Meter Länge nicht ansieht.

Alltagstaugliche rein elektrische Reichweite

Um das knapp 1,8 Tonnen schwere SUV mit direkter Lenkung und angenehm komfortabler Abstimmung auf Landstraßentempo zu bringen, vergehen 7,1 Sekunden. Auf der Autobahn wären theoretisch 220 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich – praktisch auch, aber nicht (legal) in Österreich. Rein elektrisch sind es führerscheinfreundliche 140 km/h. Mercedes hat im Rahmen seiner Forschungstätigkeit herausgefunden, dass eine rein elektrische Reichweite von 50 km für 90 Prozent aller Fahrten ausreicht. Umgekehrt sind mehr als 90 Prozent aller Fahrten kürzer als 100 Kilometer. Damit scheint die rein elektrische Reichweite von 73 km (laut Herstellerangaben) genau richtig für alltägliche Fahrten der meisten Mercedes-Fahrer zu sein. Im Praxistest lagen wir geringfügig darunter.

Mitdenkende EQ Power-Bordelektronik

Was der GLA 250e wirklich perfekt beherrscht, ist das behutsame Annähern (inkl. sanfter Verzögerung) an vorausfahrende Autos oder LKWs auf der Autobahn. Dafür verantwortlich ist das Zusammenspiel diverser Assistenzsysteme, die sowohl für eine entspannte Fahrt als auch für bestmöglichen Verbrauch sorgen sollen. Die Bordelektronik der EQ Power-Modelle unterstützt mit einer streckenbasierten Betriebsstrategie, d.h. das Auto erkennt aufgrund von Topografie und Geschwindigkeitsvorschriften sowie Navi-Daten und Verkehrsverhältnissen selbst die sinnvollste Route für reinen Elektroantrieb. Der Eco-Assistent verzögert auch deutlich, wenn man auf das Ende einer Kolonne auffährt oder sich in einer Ausfahrt auf der Autobahn befindet.

(Über)vorsichtige Assistenzsysteme

Auf der Autobahn hatten wir bei einer Nachtfahrt allerdings auch unser erstes Aha-Erlebnis, als der GLA 250e plötzlich wegen einer – wie er uns im Display mitgeteilt hat – „gefährlichen Kurve“ von etwas flotterer Fahrt auf 120 km/h abgebremst hat. Zum Glück war zu diesem Zeitpunkt kein Fahrzeug hinter uns. Ebenso zum Bremsen animieren wollte er uns auch, als wir im kurvigen Ortsgebiet einem am Boden befindlichen Hindernis ausgewichen sind. Die Sensoren des GLA 250e haben da wohl einen Frontalzusammenstoß mit der kurzfristig anvisierten begrünten Mauer vermutet, den Gurt doch recht straff angezogen und eine optische sowie akustische Warnung ausgegeben. Die Gurtstraffung gibt es übrigens nach jedem Start automatisch, genauso wie in Verbindung mit einem schnelleren Tritt auf die Bremse.

Auch der Abstandsassistent mahnt permanent zum (für unser Gefühl) überzogenen Einhalten desselben. Dabei ist es egal, ob man im Stadtverkehr oder auf der Autobahn unterwegs ist – super, wenn man während der Rush-Hour oft Spurwechsler vor einem hat. Zum Glück gibt es da nur eine optische Warnung, die in Form eines roten Dreiecks im gestochen scharfen Display erscheint. Alles in allem ein bisschen wie bei Muttern: Kann (für den einen) das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen, (für den anderen) aber auch sehr störend sein, wenn man ständig daran erinnert wird, was man wie zu tun hat.

Fazit

Der Mercedes GLA 250e ist ein hochwertig verarbeitetes SUV (leider ohne Allrad) mit vielen Sicherheitsfeatures. Komfort wird groß geschrieben, auch die Verarbeitung und die verwendeten Materialen sind top. Luft nach oben gibt es auch beim Zuschalten des Verbrennungs- zum Elektromotor. Wer jedoch eher kürzere Strecken zurücklegt, wird mit der rein elektrischen Reichweite vermutlich das Auslangen finden und kann, falls es doch mal weiter werden sollte, bei Bedarf auf die 35 Liter Tankinhalt zurückgreifen.

Was uns gefällt:

  • das Design
  • die hochwertigen Materialien im Innenraum
  • der ebene Ladeboden bei umgeklappten Rücksitzen

Was wir noch verbessern würden:

  • das Zusammenspiel von Verbrennungs- und Elektromotor
  • eine Entspannungskur für die Assistenzsysteme andenken
  • Den Gurt nicht gleich nach dem ersten Anlegen straffen.

Factbox: Mercedes Benz GLA 250e

Motor/Antrieb

Motor: Vierzylinder-Benzinmotor mit Turboaufladung
Hubraum: 1.332 ccm
Benzin-Aggregat: Leistung kW/PS: 118 kW/160 PS
Elektro-Aggregat: 75 kW/102 PS
Systemleistung kW/PS: 225 kW/306 PS
Drehmoment Benzin-Aggregat:
250 Nm 1.620 U/min
Drehmoment Elektro-Aggregat: 300 Nm
Antrieb:
Front
Getriebeart: achtstufiges Doppelkupplungsgetriebe 8G-DCT (Automatik)
0-100 km/h: 7,1 Sekunden
V-Max: 220 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert, l/100 km: 1,6 – 1,4 (WLTP)
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 3,2-5,3 l
CO2 Emissionen: 37 – 31 g/km Euro 6d-ISC-FCM (WLTP)

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA + HA: Scheibenbremsen belüftet
Felgen/Reifen: 235/50 R19

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.775 kg
L/B/H: 4,410 / 1,613 / 1,834 m
Radstand: 2,729 m
Kofferraumvolumen: 385 – 1.385 Liter
Tankinhalt: 35 Liter
Kraftstoff: Benzin

Preise

Mercedes-Benz GLA zu haben ab: € 40.800,-
GLA 250 e zu haben ab: € 47.130,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 56.064,-

Sonderausstattung:

Lackierung: iridiumsilber metallic € 655,-
AMG-Line € 2.655,-
Advantage-Paket € 1.605,-
Smartphone-Integration € 315,-
Fahrassistenz-Paket € 1.915,-
Adaptiver Fernlicht-Assistent € 190,-
Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer € 300,-
Scheibenwaschanlage beheizt € 120,-
Kabelloses Ladesystem für mobile Endgeräte vorn € 210,-
Zierelemente Aluminium mit Längsschliff hell € 155,-

(c) Bilder: Gas Junky, sp