Passend zum Winter hat uns Mercedes mit einem schneeweißen Dieselkombi (in „opalithweiß bright“) bedacht. Der musste natürlich auf seine Langstreckentauglichkeit getestet werden und auch die Kombination Schnee und Heckantrieb wollten wir genauer unter die Lupe nehmen: Also die 490 Liter Kofferraumvolumen mit Skiern und Gepäck bestückt und ab in Richtung Westen.

Während man bei anderen Autos – je nach persönlicher Befindlichkeit – schon nach ca. einer Stunde Fahrt die ersten Ermüdungserscheinungen und Rückenbeschwerden feststellt, könnte man im Mercedes ewig weiterfahren. Die Sitze sind traumhaft fest, bieten tolle Unterstützung und sind (zumindest was die Lehne betrifft) elektronisch verstellbar. Die Entfernung zum Lenkrad musste in unserem Testfahrzeug allerdings manuell eingestellt werden. Interessant gefunden haben wir das Design der Kopfstütze, das uns ein wenig an Zahnarztstühle erinnert hat.

FAME on tour

Das einzige, was einen zur Pause drängt, sind Bedürfnisse zum Flüssigkeitsaustausch. Damit ist aber keineswegs ein Tankstopp gemeint, denn mit 66 Liter Tankinhalt kommt man mit einem Diesel locker über die magische Grenze von 1.000 km. (Daneben stehen mehrere Benzin- oder Dieselmodelle, alle mit Automatik, teilweise auch mit Allrad oder Plug-in-Hybrid, zur Auswahl.) Der 147 kW (200 PS) starke Vierzylindermotor aus Mercedes-Benz‘ modularer Motorenfamilie FAME (Family of Modular Engines) verfügt neben der Aufladung mit Hilfe des Turboladers erstmals auch über eine Unterstützung im niedrigen Drehzahlbereich mit einem integrierten Startgenerator (ISG) als Mild-Hybrid der zweiten Generation. Zum ISG gehört das 48-Volt-Bordnetz, das Funktionen wie Segeln, Boost oder Rekuperieren sowie deutliche Verbrauchseinsparungen ermöglicht – ohne Skier und flotterem Autobahntempo lagen wir bei 5,8 Liter Durchschnittsverbrauch.

Mercedes verspricht neben einer hervorragenden Leistungsentfaltung einen schnellen Start der Motoren, sodass die Start-Stopp-Funktion für den Fahrer ebenso fast unmerklich erfolgt wie der Übergang vom Segeln (mit stehendem Motor) zum kraftvollen Vortrieb mit Motorkraft. Nun, was sollen wir sagen: Versprechen sind dazu da, um eingehalten zu werden – und wir wurden nicht enttäuscht. Die Durchzugskraft bzw. die Beschleunigung von unten heraus bereitet einem wirklich Freude; wenn sich eine solche Motorisierung bei anderen deutschen Herstellern auch ein wenig spritziger anfühlt. Vielleicht liegt das aber auch am Leergewicht von 1.790 kg, das bewegt werden will. Das ist aber schon Jammern auf sehr hohem Niveau.

Höchster Fahrkomfort

Wer möchte, kann seine individuelle Vorliebe neben den Fahrmodi Eco, Komfort und Sport abspeichern. Wir haben uns im Komfort-Modus wohlgefühlt, bei Sport sind Unterschiede in der Lenkung sowie der Gasannahme spürbar. Die 9-Gang-Automatik schaltet so sanft, dass man nichts mitbekommt. Das C 220 d T-Modell vermittelt ein solides, standesgemäßes Fahrgefühl und liegt sehr satt auf der Straße. In Kurven erlebt man keine Überraschungen (das ESP ist nicht deaktivierbar) und auch auf Schnee war alles zu unserer Zufriedenheit. Die Bremsen sind so ausgelegt, dass das subjektive Sicherheitsgefühl ganz oben angesiedelt ist.

Die Geräuschdämmung im Inneren ist ausgezeichnet. Außenstehende bemerken zwar ein deutliches „Nageln“, wie man es früher von allen Diesel-Fahrzeugen gewohnt war. Das trübt den Wohlfühlfaktor hinter dem Volant aber keineswegs – davon ist innen nämlich genau nichts mitzubekommen. Dagegen sticht der große, mittig platzierte LCD-Bildschirm sofort ins Auge, der auch für die Rückfahrkamera (mit einer etwas eigenwilligen Perspektive) verwendet wird. Der Bildschirm dominiert den Arbeitsplatz und hat das Zeug, den Fahrer – wie bei allen Touchscreens – ordentlich abzulenken. Und das, obwohl er wirklich schnell reagiert, eine brillante Auflösung bietet und nach etwas Eingewöhnungsphase auch einfach zu bedienen ist. Das Erscheinungsbild der Anzeigen lässt sich ebenfalls individualisieren (klassisch, sportlich oder dezent).

Selbst lernender Sprachassistent

Dennoch waren wir lieber mit „Hey Mercedes“ und unseren weiteren Wünschen unterwegs, die uns auch prompt – und ohne Anlauf- oder Verständnisschwierigkeiten – erfüllt wurden. Neben dem Wechseln von Radiosendern oder dem Ansteuern von Navigationszielen empfiehlt es sich zur Belustigung zwischendurch auch mal die Meinung zu anderen Automarken abzufragen. Man bekommt aber auch auf ernst gemeinte Fragen (wie nach dem Wetter am Zielort) eine passende Auskunft und kann mittels MBUX (Mercedes Benz User Experience) sogar Smart Home-Funktionen und Auto miteinander kommunizieren lassen. Wer einen Mercedes sein Eigen nennt, kann mittels der Mercedes me App auch am Lernerfolg des Sprachassistentens teilhaben: Dieser ist durch die Aktivierung von Onlinediensten nämlich dialog- und lernfähig.

Zuerst in der S-Klasse eingeführt, ist MBUX in seiner zweiten Generation nun auch in der C-Klasse im Einsatz. Neben allen Möglichkeiten der intuitiven Bedienung wurde auch die Fullscreen-Navigation aus der S-Klasse übernommen, als baureihenspezifische Neuerung kommt die Fahrerorientierung hinzu: Sowohl die ebenfalls perfekt ablesbare Instrumententafel als auch das Zentral-Display sind leicht zum Fahrer hin geneigt. Das betont zum einen die Sportlichkeit, erhöht zum anderen aber auch das Raumgefühl in der ersten Reihe.

Tolles Raumgefühl

Aber auch im Fond ist genügend Platz, wenn es durch die leicht abfallende Dachlinie hinten in Sachen Kopffreiheit für größer Gewachsene (jenseits der 1,95 m) vielleicht etwas bedrückend wirken könnte. Der Komfort in Reihe zwei steht jenem in Reihe eins jedoch um nichts nach. Es gibt sogar USB-Anschlüsse (allerdings wie im vorderen Bereich nur USB-C). Einzig auf die mittigen Getränkehalter in der Armlehne muss man hinten verzichten, dafür ist Platz in den Türen vorgesehen. Wer wohl temperiert Sternderl schauen will, lehnt sich einfach zurück und genießt den Blick durchs Panorama-Schiebedach.

Auch außen gibt es genug Sterne zu sehen. Diese zieren stilgerecht den Kühlergrill, die Motorhaube mit Powerdomes – sowie die Mitte der Aluminiumfelgen. Die Kombination aus kurzem, vorderen Überhang und langem Radstand verhilft dem C 220d T-Modell gemeinsam mit dem hinteren Überhang zu dynamischen Proportionen. Frontscheibe und Fahrgastzelle sind nach hinten gerückt („cab-backward-design“), der progressive Dachzug und die geneigte Heckscheibe komplettieren das sportliche Erscheinungsbild ebenso wie die stimmige Lichtsignatur. Warum es allerdings Fake-Auspuffblenden gibt, ist uns – bei diesem Preisniveau – schleierhaft geblieben.

Fazit

Das Mercedes C 220 d T-Modell bietet wunderbares Fahrgefühl mit vielen Highlights, die bisher der S-Klasse vorbehalten waren. Die Verarbeitung aller Materialien ist durchwegs hochwertig. Man hat stets das Gefühl sicher unterwegs und gut mit der Fahrbahn verbunden zu sein. So viele Highlights haben allerdings auch ihren (recht hohen) Preis.

Was uns gefällt:

  • die traumhafte, satte Straßenlage
  • das wunderbar sanft schaltende 9G-Tronic Getriebe
  • der Verbrauch

Was wir noch verbessern würden:

  • die Darstellung der Abstände bei der Rückfahrkamera
  • das „Nageln“ des Diesels auch außen verringern
  • das Design der Zahnarztstühle, äh Kopfstützen

Factbox: Mercedes-Benz C 220 d T-Modell

Motor/Antrieb

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1.993 ccm
Diesel-Aggregat: Leistung kW/PS: 147 kW/200 PS
Elektro-Aggregat: 15 kW/20 PS
Systemleistung: 70 kW/95 PS
Drehmoment Diesel-Aggregat: Leistung kW/PS: 440 Nm 1.800 – 2.800 U/min
Drehmoment Elektro-Aggregat: Leistung kW/PS: 200 Nm
Antrieb: Heckantrieb
Getriebeart: 9-Gang-Automatik (9G-Tronic)
0-100 km/h: 7,4 Sekunden
V-Max: 242 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert, l/100 km: 4,7 – 5,3 (WLTP)
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 6,0
CO2 Emissionen: 123 – 140 g/km Euro 6 (WLTP)

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA + HA: Scheibe (belüftet)
Felgen/Reifen: 225/45R18

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.790 kg
L/B/H: 4,751 / 1,820 / 1,455 m
Radstand: 2.865 m
Kofferraumvolumen: 490 – 1.510 Liter
Tankinhalt: 66/7
Kraftstoff: Diesel

Preise

Mercedes-Benz C 180 T-Modell zu haben ab: € 51.787,32
Mercedes-Benz C 220 d T-Modell zu haben ab: € 55.403,28
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 63.125,00

Sonderausstattung (netto):

Avantgarde Line € 2.075
Panorama Schiebedach € 1.480
USB Paket Plus € 315
Mittelkonsole Metallstruktur € 315
Zierelemente Holz Linde € 355
18-Zoll Leichtmetallräder € 575



(c) Bilder: Gas Junky, sp