Vor bald 60 Jahren hat Ford mit dem Mustang eine mobile Ikone geschaffen. Der dynamische Sportwagen hat vom Fleck weg die Herzen seiner Fans erobert und Kultstatus erlangt. Wird die elektrische Variante an diese Erfolge anschließen können?

Mit seiner abfallenden Dachlinie, den gekonnt eingesetzten Sicken und der optisch irgendwie nicht vorhandenen Stoßstange (hinten ist beifahrerseitig übrigens der „Tankdeckel“ fast nahtlos integriert) wirkt der Ford Mustang Mach-E wie aus einem Guss. Das liegt vielleicht auch daran, dass Türgriffe völlig fehlen. Das Öffnen gelingt über einen kleinen Knopf, der die Tür dann eine Handbreit aufspringen lässt. An den vorderen Türen ist noch ein kleiner Griff platziert, am dem man sie leicht aufziehen kann; hinten muss man dafür unters Blech greifen. Fahrerseitig stechen an der B-Säule rot beleuchtete Zahlen auf schwarzem Grund ins Auge: Damit kann das Pferdchen auch ohne Schlüssel, sondern nur mittels Code, aufgezäumt und (durch Eingabe einer weiteren PIN am Touchscreen) gestartet werden. Alternativ funktioniert das Ganze auch mittels Bluetooth übers Smartphone. Damit der Saft nicht ausgeht, kann auch induktiv geladen werden.

Sound-Erlebnis im Mustang Mach-E

Der Innenraum besticht durch einen gekonnten Materialmix von grau-schwarzem Kunstleder mit weißen Ziernähten und hellgrauen Stoffelementen. Diese sind nicht nur schön anzusehen, sondern erfüllen auch einen praktischen Zweck: Die Soundleisten am Armaturenträger sorgen ebenso für erstklassigen B&O Klang wie die weiteren, insgesamt zehn Lautsprecher (einschließlich Subwoofer) der 560-Watt-Premium Sound-Anlage. Sonst hört man im Inneren des Mustang Mach-E nicht viel, da er gut gedämmt ist. Wer trotz E-Mobilität auf (in unseren Ohren synthetisch klingende) „Fahrgeräusche“ steht, kann diese über den großen Touchscreen (mit 39 cm Bildschirmdiagonale) auswählen. Dieser ist nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sogar während der Fahrt bedienbar und steht im krassen Größenverhältnis zum minimalistischen Display hinterm Lenkrad, das einen stets mit allen wichtigen Infos versorgt.

Von „zahm“ bis „temperamentvoll“

Dass Reduktion Spaß machen kann, beweist der Fahrmodus „Zahm“. Während bei anderen Autos der Einstiegsmodus meist eine vernachlässigbare Größe darstellt, sind wir in der heckgetriebenen Version des Mustang Mach-E mit 216 kW (294 PS) gerne damit unterwegs gewesen. Vielleicht auch deswegen, weil die lockeren Zügel bzw. die leider doch recht schwammige Lenkung, besser zu diesem als zu den beiden anderen Drive-Modes „Aktiv“ und „Temperamentvoll“ passt. Irgendwie hat man das Gefühl, nicht so richtig mit der Straße verbunden zu sein. Es sei denn, man nähert sich Bodenunebenheiten: Dann werden diese aufgrund des Fahrwerks direkt ins Innere weitergegeben. Zum Glück hat man im Mustang Mach-E in allen Reihen ausreichend Platz, sodass man sich ob der Federung keine Gedanken um Kopf oder Knie machen muss. Zudem kommen zahlreiche Ablageflächen und neben dem klassischen Kofferraum auch Fords MegaBox unter der „Motorhaube“ hinzu, die Platz für Dreckiges bietet und sogar ausgewaschen werden kann (Ablass inklusive).

Der Mustang Mach-E ist aber keineswegs ein lahmer Gaul, er lädt nur einfach eher zum Cruisen als zum Nach-Vorne-Preschen ein – obwohl er sich mit seinem Beschleunigungswert von ca. 6 Sekunden von null auf 100 km/h für ein zwei Tonnen schweres Gefährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h nicht zu verstecken braucht. Um das Pferdchen wieder zum Stillstand zu bringen, steht entweder – ganz klassisch – das Bremspedal zur Verfügung oder man versucht sich im „One-Pedal-Drive“. Zuerst überrascht von der starken Rekuperation, haben wir nach einer kurzen Eingewöhnungszeit komplett auf die Betätigung des Bremspedals verzichten können – sofern nicht jemand überraschend unsere Wege gekreuzt hat.

Bei einer von Ford prognostizierten Reichweite von 610 km hätte das öfters der Fall sein können. Tatsächlich sind wir aber – beim durchgängigen Laden bis 100 Prozent – und winterlichen Temperaturen zwischen null und zehn Grad max. 500 km weit gekommen. Dass die Ladeleistung noch Verbesserungspotenzial hat, haben wir auch schon beim Test der Extended Range-Version des Allradlers feststellen müssen, bricht diese bei 80 Prozent doch stark ein.

Fazit

Der Ford Mustang Mach-E wird ganz andere Käuferschichten ansprechen als der klassische Ford-Mustang, versprüht er doch hinterm Volant eher den Charme eines gemütlichen Cruisers als eines flotten Flitzers. Dennoch hat er bereits jetzt viele Fans auf Österreichs Straßen, was nicht zuletzt an der umfangreichen Serienausstattung bzw. am tollen Preis-Leistungs-Verhältnis liegen wird.

Was uns gefällt:

  • Optik mit Wiedererkennungswert
  • dass „Zahm“ wenig(er) Strom verbraucht und gleichzeitig Spaß macht
  • die Funktion „1-Pedal-Drive“

Was wir noch verbessern würden:

  • eine direktere Lenkung spendieren
  • die Ladezeiten ab ca. 80 Prozent Akku-Kapazität
  • die Federung

Technische Daten: Ford Mustang Mach-E RWD Extended Range

Motor/Antrieb

Motor: Elektromotor mit Extended Range (Brutto 98,7 kWh , Netto 88 kWh)
Leistung kW/PS: 216 kW/294 PS
Drehmoment: 430 Nm
Antrieb: Heckantrieb
Getriebeart: Automatikgetriebe
0-100 km/h: 6,2 Sekunden
V-Max: 180 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe: 16,5 kWh/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 19 kWh/100 km
Reichweite nach WLTP: 610 km
CO2 Emissionen: 0 g

Ladedauer (Herstellerangabe)

Haushaltssteckdose (0-80 %) : ca. 26,5 Stunden
Wallbox 11 kW (10 – 100 %) : ca. 7 Stunden
Gleichstrom-Schnelllader, 150 kW: ca. 45 Minuten

Fahrwerk/Reifen/Bremsen


Bremsen: VA + HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: 225/60 R18

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.111 kg
L/B/H: 4,713 /1,881 /1,624 m
Radstand: 2,984 m
Kofferraumvolumen: 402 – 1.420 Liter (+ 100 Liter vorne unter der Motorhaube mit Trennfächern)

Preise

Ford Mustang Mach-E RWD zu haben ab: € 48.900,–
Ford Mustang Mach-E RWD Extended Range zu haben ab: € 55.600
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 61.100,-

Sonderausstattung:

Technologie-Paket 2 € 4.000,-
Carbonized Grey € 1.500,-

(c) Bilder: Gas Junky, sp