Dacia Duster: Untankbar…?

Den wohl interessantesten Test liefert heuer der Dacia Duster. Der rumänische Franzose, der mit einem Diskontpreis daherkommt, steht nun in der zweiten Generation vor uns. Ab rund 12.000 Euro bekommt man bereits die Basisversion.

Dies sollte man sich auch immer vors Auge halten, denn man vergleicht auch keine Äpfel mit Birnen.

Aber bekommt man wirklich viel Auto um sein Geld oder gibt man viel Geld für wenig Auto aus?

Wesentlich stimmiger!

Bereits das Außenkleid sorgt für ansprechenden Look, der erste Eindruck ist ja wie es so schön heißt der wichtigste. Und genau bei diesem Kapitel haben die Designer gute Arbeit geleistet. An der Front strahlen LED-Tagfahrlichter, die das Auftreten des Diskont-SUV ein wenig dynamischer machen. Auch die neuen Rückleuchten am Heck wirken im Gegensatz zur ersten Generation viel stimmiger. Ein wenig zu sehr haben die Designer bei dem Unterfahrschutz aufgetragen, der beinahe die halbe Front ziert. Da macht der Dacia auf dicke Hose, obwohl die getestete Version ausschließlich die Vorderräder antreibt.

Hightech und Hartplastik

Der Zündschlüssel ist Schnee von gestern, die Rumänen setzen auf moderne Technologie und bedienen sich im Regal von Renault, gegen Aufpreis bekommt man also schlüssellosen Zugang und auch der brummige Diesel wird hochmodern mittels Knopfdruck zum Vibrieren erweckt. Echt top! Aber wozu ein Türschloss, wenn man Keyless hat?

Die Sitze haben schon wesentlich an Härte gewonnen, jedoch sind diese für längere Strecken noch immer zu weich und auch der Seitenhalt in der Kurve wird ein wenig vermisst, außerdem ist uns das Quietschen bzw. leichte „Gewackel“ bei einer engen Kurve, nach nicht einmal 10.000 Kilometern, ein Dorn im Auge.

Die Materialien im Innenraum haben bei der zweiten Generation schon ein wenig an Härte des Plastiks verloren. Besonders erwähnenswert sind die drei Drehregler für die Klima, welche man bereits von einem deutschen Hersteller kennt und auch dementsprechende Haptik bieten.

Die Platzverhältnisse sind keinesfalls zu klein geraten, das liegt aber nicht ausschließlich an den dünnen Blechen. Sowohl Kopf- und Beinfreiheit sind in beiden Reihen großzügig ausgefallen. Und auch das Kofferraumvolumen reicht völlig für den Alltag aus.

Das Volant wurde mit Kunstleder überzogen und liegt sehr gut in den Händen, es ist erstmals auch längsverstellbar.

Das Fahrverhalten:

Die ersten Eindrücke sind durchaus positiv ausgefallen bis wir über die ersten Querrillen gepoltert sind. Die Hinterachse begrüßt einem dann mit nicht gerade überhörbaren unangenehmen, polternden Geräuschen. Auch wenn man sich diese wegdenkt, federt der Halb-Rumäne kaum die Unebenheiten weg und spätestens in der ersten Kurve springt man in die Eisen, weil das Wankverhalten und das früheingreifende ESP sich bekriegen, sodass man die nächste Kehre lieber um einiges langsamer nimmt.

Auf der anderen Seite muss man die direkte Lenkung loben, da haben sich die Ingenieure um mindestens 50 % verbessert. Auch bei den Bremswerten gibt es keinesfalls etwas auszusetzen. Spätestens nach 35 Metern hat das Franko-Rumäne-SUV den Stillstand erreicht, da kämpfen andere Fahrzeuge noch mit dem lästigen Übergewicht.

Unter der Haube sorgte ein 1,5-Liter-Turbodiesel für einen zivilen Auftritt. Der Selbstzünder ist gekoppelt an eine Sechsgang-Automatik. Diese hat sich seit meinem letzten Dacia-Test enorm verbessert, sodass man die Gangwechsel kaum mehr wahrnimmt.

Bekritteln sollte man das Turboloch. Nach Überwindung der 2.000 Umdrehungen leistet der Diesel vernünftige Fahrleistungen. Auch der Testverbrauch von 5,8 Litern ist jetzt kein Grund zur Aufregung. Bei höherer Drehzahl würde der Duster noch ein wenig mehr Dämmmaterial vertragen.

Untankbar! 

Bitte liebe Dacia-Ingenieure sorgt bei dem Facelift für eine zeitgemäße Technik bei euren Tankdeckeln. Selbst nach mehreren Versuchen, den Deckel mittels Zug am Hebel im Innenraum zu öffnen, passierte nichts. Dieser blieb einfach verschlossen. Und ja, ich zog mehrmals  an dem Hebel neben dem Fahrersitz  – gefühlt 137 Mal – das einzige was ich jedoch bewegt habe, war der ganze Dacia und nicht der Tankdeckel. Die Verzweiflung in mein Gesicht geschrieben, drängte sich mir auch noch ein netter Herr mit seinem deutschen Premium-Fahrzeug auf und wollte mir spöttisch erklären, wie dies funktioniert. Ha! Jetzt war ich aber gespannt. Wie ein „Gummiringerl“ stand ich daneben und lies den Herrn seine Arbeit tun – nur leider funktionierte es bei seinem Auftritt genauso wenig. Der nächste Renault-Händler scheiterte leider auch. Erst nach weiteren, gemeinsamen Versuchen hat es dann endlich geklappt.

Fazit:

Dacia hat bei der zweiten Generation ein wenig nachgebessert und das billigste SUV auf dem Markt wesentlich stimmiger gemacht, dennoch scheitert es an einfachen Dingen, das Preisverhältnis ist in der getesteten Version überteuert. Die Allradversion gibt es leider noch immer nicht mit Automatikgetriebe…

 

Technische Daten:

Modell: Dacia Duster dCi 110 S&S EDC Prestige
Motor / Antrieb: Vierzylinder-Turbodiesel / Frontantrieb
Hubraum / Verdichtung: 1.461 ccm / 15,5
Leistung  kW /PS (Gesamt): 80 kW / 109 PS
Drehmoment: 250 Nm bei 1.750 U/min
Getriebeart: 6-Gang Automatik
0-100 km/h: 11,9 Sekunden
V-Max: 171 km/h
Verbrauch Werksangabe – Stadt/Land/kombiniert, l/100 km: 4,5 / 4,3 / 4,4
Verbrauch Test – Durchschnitt: 6,0 Liter
Leergewicht:
1.304-1.366 kg
L/B/H: 4,341 / 1,804 / 1,693 (Meter)
Radstand: 2,674 m
Wendekreis: 10,14 m
Kofferraumvolumen: 478 bis 1.623 Liter
CO2 Emissionen:
115 g/km
Tankinhalt:
50 Liter
Kraftstoff:
Diesel
Kia Stonic zu haben ab: 11.990 €
Basispreis getestete Version:
19.590 €
Preis Testfahrzeug inkl. Mehrausstattung,5 %NoVA und 20 % USt: 21.408,75 €

Sonderausstattung:

  • Automatische Klimaanlage € 375
  • Kartenmaterial östliches Europa € 125
  • Multi View 360 Grad Kamera € 312,50
  • Reserverad – Entfall Reifenreparatur-Set € 87,50
  • Vordersitze beheizbar € 212,50
  • Keyless Entry & Drive € 250
  • Metallisée-Lackierung (Arrakis-Beige) € 456,25

(c) Text und Bilder: Gas Junky