Mit dem Cupra Formentor sorgt man für das erste eigenständige Modell, welches von Grund auf selbst entworfen und entwickelt wurde. Die Basis bildet beim Cupra Formentor der modulare Querbaukasten, wobei dieser schon eine der wenigen Gemeinsamkeiten mit den Konzerngeschwistern bildet.
Die Modellbezeichnung stammt von einer naturbelassenen Halbinsel auf Mallorca und VZ steht für „veloz“, sprich schnell. Und das ist der Formentor in jeglicher Situation, zumindest wenn es sich wie in unserem Fall um die derzeitige Topversion handelt.
Diese kostet mindestens € 50.990, ist somit billiger als der Konzernbruder T-Roc R und sorgt ohnehin für deutlich mehr Aufsehen.

Exterieur: Die Kante zum Erfolg!

Hinter dem Sportvolant fühlt man sich nach der ersten Sitzprobe eher wie in einem amerikanischen Supersportler, denn die Motorhaube wirkt nicht nur äußerst lang, sondern auch sehr muskulös. Der Blick in die Außenspiegel garantiert, dass es sich hier keinesfalls um eine weichgespülte SUV-Version handelt, die scharfen Kanten an den Schulterlinien sprechen Bände. Wir haben diese von allen Winkeln betrachtet, im Regen, bei Sonnenschein und auch bei Schneefall – und wir ziehen den Hut vor dem Designer-Team!

Diese wirkte wohl bei der Testversion nochmals um eine Nummer schärfer, denn die matte Lackierung in Petrol-Blau betont diese scharf gezeichneten Linien deutlich kräftiger. Außerdem sorgt sie bei zahlreichen Passanten für einen Daumen nach oben bzw. unbeschreiblichen Gesichtsausdrücken, welche in den frühen Abendstunden nochmals mit der Dynamik des durchgehenden Lichtbands am Heck getoppt werden.
Ebenso sehr kräftig sticht die Brembo-Bremsanlage hinter den 19-Zoll Leichtmetallfelgen sofort ins Auge, diese steht mit 2.720 Euro in der Optionsliste, hier muss wohl jeder die Priorität abwiegen.
Deutlich günstiger fallen die adaptiven Dämpfer aus, denn diese sind in der derzeitigen Topversion bereits serienmäßig inkludiert und leisten große Arbeit.

Interieur: Sportliche Akzente, klare Schwächen beim Infotainment

Auch im Interieur der Testversion geht es in diesem schicken Farbton weiter, sogar in hochwertigen Ledermaterialien, die mit kupferfarbenen Ziernähten einen erstklassigen Kontrast bilden, sogar der Armaturenträger trägt das Petrol blau, auch die Haptik kann sich sehen lassen.
Aber zurück zu den Sporthockern mit integrierter Kopfstütze, diese bieten erstklassigen Seitenhalt, über die verkürzte Schenkelauflage lässt sich streiten. Erstaunlich ist, dass es sich trotz abfallender Dachlinie selbst im Fond recht gemütlich sitzt, sofern man nicht zu den Riesen dieser Destination zählt – aber wer schön sein mag, muss eben auch ein wenig leiden. Außerdem nimmt man sowieso am liebsten hinter dem Sportvolant Platz.
Dieses liegt erstklassig in den Händen, das Aggregat wird über direkten Knopfdruck gestartet und auch die Fahrmodi können bequem durchgeführt werden. Die Schaltpaddles könnten noch ein wenig weiter außen platziert sein, aber aufgrund des erstklassigen DSG wird dies wohl nur auf dem Track stören, wenn man selbst in das ohnehin schon flotte Geschehen eingriffen will.

Die Platzierung der beiden ovalen Tasten am Sportvolant ist wohl gar keine schlechte Idee, denn die Infotainment-Zentrale in 12-Zoll ähnelt den Konzerngeschwistern und ist nicht gerade sehr intuitiv zu bedienen, ein paar Knöpfe und Drehregler hätten Abhilfe geschaffen. Teilweise sind Funktionen in den Untermenüs versteckt bzw. gelingt der Funktionsabruf deutlich langsamer als der Launch-Control Start mit dem Formentor. Ärgerlich ist auch, dass man die Klima- und den Lautstärkenregler nicht beleuchtet hat, womit die Bedienung abends meist nur über die Sprachsteuerung gelingt.
Aber gerade zur späten Stunde gefällt umso mehr die LED-Ambientebeleuchtung, welche auch den Totwinkel-Assistent symbolisiert und als klares Sicherheitsfeature gilt.


Fahreindrücke: Ein Amigo der Sonderklasse!  

Kürzlich haben wir von den adaptiven Dämpfern (DCC) geschwärmt, die keinen Cent mehr kosten und den Formentor deutlich mehr Gesichter spendieren. Aber ganz egal, auch wenn diese ein paar Scheine kosten, ANKREUZEN UNBEDINGT!
Mittels erstklassiger Dämpfung kann auf Knopfdruck die spanische Sportsrakete in eine nahezu Wellnessoase verwandelt werden, selbst mit den 19-Zoll Rädern bügelt das Fahrwerk die Querrillen äußerst smooth, sorgt aber in Knopfdruck für uns unerklärliche, physikalische Anwandlungen, wobei das auch dem Allrad geschuldet sei.
Der Cupra Formentor hinterlässt besonders auf längeren Etappen einen soliden Eindruck, er verspeist recht gerne Kompaktraketen zum Frühstück und hält auch mit den großen Sportlern mit, sodass auch diese in den Genuss kommen das Leuchtband und die dynamischen Blinker zu betrachten.
Die 100er Marke bricht beispielweise ein 911 Carrera (991.1) nur um 0,1 Sekunden flotter, der Launch Control Start des Spaniers fühlt sich aber noch um ein paar Zehntel flotter an, als würde er gerade den Asphalt zerpflügen.
Der 2.0-Liter TSI mit exakt 310 PS und 400 Nm (die bereits ab 2.000 U/min anliegen), lassen trotz 1,7 Tonnen Leergewicht erstklassige Fahrwerte aufkommen, diese halten laut Hersteller auch bis 250 Sachen an.
Besonders im Cupra-Modus, wenn der Formentor all seine Muskeln anspannt und man ihn ohne wenn und aber von der Leine lässt, fühlt er sich speziell auf kurvigen Strecken beheimatet, der flotte Amigo.
Die Lenkung spendiert Dir mehr Feedback, der Allradantrieb kämpft gegen die Grenzen der Physik und das Siebengang DSG prescht die Gänge in Millisekunden rein, als wäre alles zu spät.
Aber auch die Entschleunigung mittels belüfteter 18-Zoll Brembo-Bremsanlage funktioniert erstklassig und macht richtig Laune, keine Spur von Fading, guter Biss und möglicherweise schreit diese nach Rundenkurs und neuer Bestzeit.
Hingegen finden wir es sehr schade, dass man in Zeiten wie diesen, die Techniker der Abgasanlage vertröstet und ausschließlich im Innenraum sich von V8 ähnlichem Klang zudröhnen lässt (deaktivierbar).
Klar, die vier Endrohrblenden wirken in Kombination mit dem Heckdiffusor äußerst dynamisch – hie und da bekommt man schöne Pops and Bangs spendiert, aber für uns Gas Junkies würde man zumindest gegen Aufpreis ein Produkt des slowenischen Partners erwarten, wie auch beim Tiguan oder T-Roc R. Immerhin handelt es sich derzeit um die Topversion des wohl schönsten Kraftpakets Spaniens auf vier Rädern. Wir vermissen ihn, den Amigo der uns täglich ein Lächeln ins Gesicht zauberte und uns hie und da so richtig die Kante gab.

Was uns gefällt:

  • Das Design mit der wohl schönsten und mutigsten Kante
  • Die nicht in Worte fassenden Beschleunigungswerte
  • Die erstklassigen, adaptiven Dämpfer

Was wir noch verbessern würden:

  • Die Klangkulisse der Abgasanlage (OHNE SOUNDMODUL)
  • Die Bedienung des Infotainment-Systems
  • Die Regler der Klimaeinheit und den Lautstärkenregler beleuchten

Technische Daten: CUPRA Formentor VZ 2.0 TSI 310 PS DSG 4Drive 5-türig

Motor/Antrieb

Motor: Vierzylinder Benzinmotor mit Direkteinspritzung
Hubraum: 1.984 ccm
Leistung kW/PS: 228 kW/ 310 PS zwischen 5.450 und 6.600 U/min
Drehmoment in Nm: 400 zwischen 2.000 und 5.450 U/min
Antrieb: Allrad
Getriebeart: 7-Gang DSG
0-100 km/h: 4,9 Sekunden
V-Max: 250 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert l/100 km: 8,7-8,5
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 9,0
CO2 Emissionen:  197-191 g/km / Euro 6

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA: Scheibenbremsen gelocht HA: Scheibenbremsen innenbelüftet
Felgen/Reifen: 245/40 R19

Gewicht und Maße

Leergewicht:  1.644 kg
L/B/H in Meter: 4,450 m /1,839 m / 1,511m
Radstand in Meter: 2,680 m
Kofferraumvolumen: 420-1.475 Liter (4Drive-Modelle)
Tankinhalt:  ca. 55 Liter (4Drive-Modelle)
Kraftstoff: mind. ROZ 98

Preise

CUPRA Formentor zu haben ab: € 32.970,-
CUPRA Formentor VZ 2.0 TSI 310 PS DSG 4 Drive zu haben ab: € 51.720,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 61.579,05,-

Sonderausstattung:

Farbe: Petrol-Blau MATT € 2.417,78
Alarmanlage mit Innenraumüberwachung € 362,67
BEATS Audio Soundsystem € 604,44
BREMBO Bremsanlage € 2.720
Easy Open-Paket € 654,82
Felgen Alu 19-Zoll Performance € 392,89
Fußmatten Textil CUPRA Premium Garnitur € 134,97
Leder-Paket Petrol Blau € 1.339,86
Panorama-Glasdach € 1.581,62

(c) Bilder: Gas Junky, sp & fr