Wir haben es alle in der Fahrschule gelernt: Bei schlechten Witterungsverhältnissen ist die Geschwindigkeit anzupassen. Aber um wieviel?

„Schon bei Temperaturen oberhalb der Null-Grad-Grenze kann sich gefährliches Glatteis bilden“, erklärt Roland Frisch, Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik. Angepasste Fahrgeschwindigkeit ist das Gebot der Stunde. Er erklärt die Auswirkungen auf den Bremsweg.

Längerer Bremsweg

Bei Tempo 130 beträgt der Bremsweg auf glatter Fahrbahn 435 Meter. (Für das Zurücklegen dieser Strecke braucht man zu Fuß rund sieben Minuten.)

bei Glatteis:
Damit der Bremsweg gleich lang wie auf trockener Fahrbahn bleibt, muss man die Geschwindigkeit um 70 Prozent reduzieren.

auf Schnee:
Im Falle einer Schneefahrbahn halbiert man die Geschwindigkeit am besten.

auf nasser Fahrbahn:
Bei guten Bedingungen kann man auf einer trockenen Freilandstraße 100 km/h fahren. Wenn die Fahrbahn nass ist, muss man um 30 Prozent langsamer fahren.

Gut zu wissen: Tipps für eine sichere Fahrt durch Schnee und Eis

  • Abstand vergrößern und Geschwindigkeit reduzieren. Überholmanöver vermieden.
  • Gefühlvoll und vorsichtig lenken, bremsen und beschleunigen. „In Kurven oder beim Spurwechsel können abrupte Fahrmanöver zu einem Ausbrechen des Fahrzeuges führen“, warnt der Pkw-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik.
  • Mehr Fahrzeit einplanen. „Wer unter Stress steht, fährt unachtsamer. Daher sollte man im Winter generell mehr Fahrzeit einplanen“, so Frisch.
  • Sollte man ins Schleudern geraten: „Fuß weg vom Gas, auskuppeln und in die Fahrtrichtung lenken“, erklärt der Profi. „Wenn das Fahrzeug über ABS verfügt, kann man gleichzeitig bremsen und lenken. Bei Fahrzeugen ohne ABS sollte während des Gegenlenkens nicht gebremst werden.“
  • Eine Faustregel lautet: Wohin man blickt, dahin lenkt man auch.
  • Bei Fahrzeugen mit ESP: Das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) muss aktiviert bleiben, damit das Auto nicht ins Schleudern kommt. Ohne ESP kann das Heck ausbrechen oder das Fahrzeug über die Vorderachse rutschen.
  • Besondere Vorsicht gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern, die mit schlechter Sicht und winterlichen Fahrbahnverhältnissen Probleme haben. „Im Ortsgebiet sollte man besonders an Fußgängerübergängen, Haltestellen oder bei Schulwegen besonders vorsichtig fahren“, empfiehlt Roland Frisch.
  • Route richtig wählen: Hauptverbindungsstraßen werden besser und schneller von Schnee geräumt als Nebenfahrbahnen. Bei extremen Wetterbedingungen ist es ratsam, die Fahrt zu verschieben.

2018 passierten in Österreich auf Schnee, Schneematsch und Glatteis 1.586 Unfälle mit Personenschaden. Dabei wurden 2.108 Personen verletzt und 14 getötet (Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung: ÖAMTC-Unfallforschung).

(c) Bilder: ÖAMTC