Text: Sebastian Poppe, Bilder: Sebastian Poppe & Philipp Mozga

Die A-Klasse ist Ihnen ein Begriff? Früher eher ein solides Fahrzeug, meist waren unter diesen Modellen sparsame Motoren verbaut, um eben von A nach B zu kommen, somit war der Grundnutzen abgedeckt, 1999 wurden sogar mehr als 100.000 Stück abgesetzt!
Dann ist Ihnen bestimmt auch die C-Klasse ein Begriff, oder? Ja, genau die Mittelklasse-Limousine schlecht hin.

Aber zurück zur in die 90er, die C-Klasse protze auch nicht besonders mit ihrem silbernen Stern auf der Haube, eher unterstrich man das komfortable Understatement, der Fixplatz für den Wackeldackel auf der Hutablage!

Von heute auf morgen ging es nicht, dass man den Hut und den nickenden Dackel aus dem Gedächtnis brachte, jedoch war die Strategie der Deutschen ein Machtwort! Sie wollen die jungen Kunden ansprechen, dynamische Linien zeichnen und zugleich auch eine effiziente Motorenpalette bieten und das tun sie ohne Tadel.

Beim Öffnen der rahmenlosen Türen des CLA kommt richtiges „Coupé-Feeling“ auf. Die roten Nähte und Akzente gefallen Jung als auch Alt, der nicht ganz so dezente „Brüller“ der Auspuffanlage beim Motorstart mag wohl Geschmackssache sein – aber hey, es ist ein AMG – also, darf man ruhig die Blicke des in der Nähe befindlichen Publikums auf sich ziehen.

Das nach hinten abgeflachte Chassis – ein echtes Designerstück, nicht proletenhaft, sondern einfach dynamisch und elegant.

Beim ersten Blick unter die Motorhaube könnten dem Diplomingenieur die Tränen kommen, manchen fällt’s gar nicht auf, das handsignierte Downsizing Motörchen. In den vier Brennräumen sind sagenhafte 381 wilde Rennpferde versteckt, das Drehmoment, falls mal ordentlich aufs Gaspedal gedrückt wird, droht ab 2.250 bis 5.000 Umdrehungen mit knapp 500 Nm ordentliche Knackwatschn zu verteilen!

In Verbindung mit dem 4MATIC-Antrieb ist die Straßenlage des Flachmann-Kombis eine technische Krönung schlecht hin. Die Schalen können der Sommer- als auch Winterfigur angepasst werden, nichts desto trotz sitzen diese genauer als der maßgeschneiderte Designeranzug.

Die Gäste in der zweiten Reihe werden immer klagen, weil sie den Kopf einziehen müssen.
Ist aber wohl nur eine billige Ausrede, denn sie würden viel lieber hinter dem Steuer sitzen, Punkt.

Gleiches gilt beim Kofferraumvolumen (495 Liter). Wer mit den Kids in den Winterurlaub reisen will und keine Dachbox montieren mag, der sollte lieber beim vernünftigen T-Modell bleiben, der Shooting Brake will lieber in den Kurven getrieben werden, als in der Garage beladen. Als er 2013 eingeführt wurde, sind 59.200 Stück verkauft worden, ein Jahr darauf erfolgte die Präsentation des Shooting Brakes und 2016 wurde dann erstmals geliftet.

Das Cockpit wirkt aufgeräumt und die einzelnen Tasten sind übersichtlich platziert. Das Infotainment kann mittels Dreh- und Drückschalter bedient werden. Schade ist, dass der Bildschirm in der Mittelkonsole nicht einfahrbar ist.

Tacho- und Drehzahlmesser sind auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar und sogar die Öl- und Wassertemperatur werden auf dem Mitteldisplay angezeigt. Die Fahrcharakteristik kann mittels Drehschalter zwischen Comfort und Sport Plus getrimmt werden, je nachdem fällt auch der Spritverbrauch aus, zwischen Aktion und Eskalation also. Freilich darf der Affalterbacher auch unter zehn Liter bewegt werden, spätestens wenn es aus dem Endtopf knallt, brüllt und rotzt wird diese Marke aber eliminiert und teilweise sogar verdoppelt.

Bei einem Basispreis von 66.000 Euro werden die Tankfüllungen mit 98er Oktan kein Kopfzerbrechen bereiten, in Österreich wird wohl eher die motorbezogene Versicherungssteuer ordentlich schmerzen. Mit vielen Extras ragt man mit dem Testfahrzeug an die 100.000 Euro Grenze. Das wären unterm Strich zehn gut ausgestatte Dacia Sanderos.

Aber wir wollen jetzt nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Fazit: Der CLA 45 AMG Shooting Brake kann seine beiden Gesichter ohne Tadel vereinbaren, dennoch gefällt diese Optik, dieser Sound und diese abartig dynamisch geformten Sitzschalen. Egal, ob Autobahn oder Freilandstraße, der Baby Stern hat ordentlich Dampf unterm Hintern, um die Konkurrenz im Rückspiegel ganz schön winzig werden zu lassen. (pop)

Downsizing Turbomotörchen lässt die Nachbarschaft neidische Blicken abwerfen, dennoch können wir diese verkraften und spätestens nach der ersten Fahrt in den Tunnel unterzeichnen wir ohne Zweifel den mit Abstand besten Klang aller Zeiten eines Vierzylinders. Auch die Kehren der Freilandstraße würde man als die Heimat des Kraftpakets sofort unterschreiben. Strafzettel und motorbezogene Versicherungssteuer lassen den Spaßfaktor etwas leiden. (moz)

Hubraum: 1.991 ccm
Leistung: 381 PS
Drehmoment: 475 Nm bei 2.250-5.000 U/min.
Motor: Benzinmotor mit Turboaufladung
Getriebe: AMG SPEEDSHIFT DCT-7 Gang Sportgetriebe
0-100 km/h: 4,3 Sekunden
V-Max: 250 km/h
Eigengewicht: 1.615 Kilogramm
Länge: 4,67 Meter
Breite: 2:03 Meter
Radstand: 2,70 Meter
Kofferraumvolumen: 495-1.354 Liter
Basispreis: € 65.933,51
Testwagen: € 99.900,00