SCHÖNWETTER-UNIKAT

Bereits einige Tage vor Abholung des Fahrzeugs haben wir uns auf das Auto riesig gefreut. Denn in einer Zeit von Downsizing und „Vollstopferei“ von allen nur erdenklichen „Schnick-Schnack“, muss der Mazda MX-5 wie eine Erholungskur auf das, teils schon überforderte, Gehirn wirken. Selbst im Kleinwagen-Segment zählt Gewichtsreduzierung so viel, wie der Brief an das Salzamt.

Weg mit dem „Speck“ – enormer Fahrspaß. Schon nach den ersten Metern macht sich die Reduktion auf das Wesentliche bemerkbar. Oft ist es ja so, dass die nächste Generation länger, breiter und höher wird oder mehr Kilos auf die Waage bringt. (Kennen wir von uns selbst nur zu gut – je älter und „reifer“ wir werden, umso größer wird das Bäuchlein… Warum ist das eigentlich so? – Egal, andere Geschichte)

Was den MX-5 betrifft – offenbar hat dieser sehr gute Gene – wurde er mit der „Reife“ ganze 100 Kilogramm leichter als die vorherige Baureihe und ist damit wieder genauso leicht wie der allererste „Jungspund“, Anfang der 90er. Soll heißen: 1.015 Kilogramm Leergewicht und 10,5 cm kürzer als der Vorgänger.

Die Sitzposition enorm tief  – so wie es sich gehört!! – über der Fahrbahn, die Lenkung so direkt, wie die Wortwahl der Schwiegermutter. Anbremsen – einlenken – und wieder rauf aufs Gas! Perfekt lässt sich der heckgetriebene Popo ohne viel Angstschweiß um die Kurven zirkeln.

Downsizing? Der Blick unter die Haube bestätigt, dass auch hier noch alles beim Alten blieb. Die letzten sonnigen Herbsttage durften wir den stärkeren der beiden Saug-Benziner unter die Lupe nehmen.

Der 160 PS starke Vierzylinder leistet bereits bei niedriger Drehzahl eine anständige Kraftentfaltung, eigentlich untypisch für einen Sauger.…und das auch noch spritsparend.

Hey, hey, wie geht das denn?

Selbst bei hoher Gangwahl reicht ein kurzer Tritt aufs Gaspedal, um das Leichtgewicht im Straßenverkehr mitschwimmen zu lassen. Das ist dann wohl auch der Grund für den niedrigen Praxis-Verbrauch von nur 6,9 Liter – übrigens ist dieser Wert auch vom Hersteller angegeben. RESPEKT!

Bereits beim Anwerfen des Aggregats lässt die Auspuffanlage einen dumpfen Gruß an den noch träumenden Nachbar ab – aber das ist er sowieso schon gewohnt – also halb so schlimm. Spätestens bei Erreichen der Betriebstemperatur scheint der Endschalldämpfer kaum aufdringlich, eher angenehm bis in den oberen Drehzahlbereich, wo er dann jedem Turbo die nächsten Meter nimmt.

Besonders viel Emotionen löst dieses Fliegengewicht auf der kurvigen Freilandstraße aus – sozusagen der Heimat des Roadsters. Nicht zu vergessen ist auch das Sperrdifferenzial an der Hinterachse, welches noch wesentlich mehr Speed bei der Kurvenfahrt zulässt. Das Fahrzeug lässt sich trotz des extrem niedrigen Gewichts durch die Kurven des Weinviertels jagen und belohnt den Sportsfreund hinter dem Volant mit einem fetten Grinser. Das Zusammenspiel der super-direkten Lenkung, des dynamisch abgestimmten Sportfahrwerk von Bilstein und dem kräftigen Motor mit reaktionsfreudiger Gasannahme, sorgen dafür, dass man sich fühlt wie ein Gekko, dass gerade zu viel Energydrinks runtergekippt hat.

Klaaaack – Rekord! Anfangs mussten wir uns mit der händischen Öffnung des Verdecks erst anfreunden, mittlerweile gibt es schon Redaktionsrekorde. Das Stoffdach wird lässig über die Schulter geworfen und schnappt mit einem Druck ohne viel Aufwand ein. Daher gibt es auch keine Wartezeiten oder irgendwelche nervenden Tempolimits, um wieder ein Dach über dem Kopf haben zu dürfen. Auch diversen Reparaturen der Elektronik bleiben einem gnadenlos erspart.

Beim Interieur wurde auf Ablagefächer in den Türen und auch auf das Handschuhfach verzichtet, denn das wäre nur unnötiges Gewicht! Das Kapperl und die Sonnenbrille haben bei der Ausfahrt sowieso einen Träger und die restlichen Accessoires finden genügend Platz im Mittelfach zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Bei der Haptik hätte man das eine oder andere Teil mit Softtouch-Materialien verzieren können, aber das ist schon jammern auf sehr hohem Niveau. Dafür wurde bei den Sitzen nicht gespart, die Recaros zeigen besonders auf der Freilandstraße aber auch auf längeren Strecken ihren wesentlichen Vorteil. Sowohl der ideale Seitenhalt beim Kurven räubern als auch der Komfort auf Langstrecken können ohne Tadel kombiniert werden.  Spielt man dann noch die Lieblingssongs über die integrierte Bose Anlange – wird der Umweg vom Bäcker kaum noch zu vermeiden sein. Die winzige Kofferraumöffnung schluckt zwar nur 130 Liter, aber das ist für den Speditionskaufmann wohl die geringste Sorge.

+ mehr Fahrspaß zu dem Preis gibt’s nicht!

+ niedriger Verbrauch

+ Sitzvergnügen durch Recaro Sitze

– kaum Ablagefächer

– Materialwahl im Interieur könnte ein wenig verbessert werden

– die Sonnigen Tage sind vorbei

Factporn:

Hubraum: 1.998 (ccm)
Leistung: 160 PS
Drehmoment: 200 Nm (4.600 U/min)
Getriebeart: Sechs Gang, Handschalter
0-100 km/h: 7,3 Sekunden
V-Max: 214 km/h
Eigengewicht: 1.015 kg
L/B/H: 3,915/1,735/1,225 (Meter)
Radstand: 2,31 (Meter)
Kofferraumvolumen: 130 Liter
Basispreis: € 34.590,-
Testfahrzeug: € 35.890,- (Metallic-lackierung € 700,- und Navigation € 600)