Jaguar F-TYPE Cabriolet Praxistest – Der Ton macht die Musik!

Bereits 2013 feierte die britische Sportwagenikone deren Markteinführung – sowohl Cabrio-als auch Coupé Version waren bereits damals erhältlich. Alle guten Dinge sind bekanntlich drei – dies behaupte auch ich nach meinem dritten Praxistest in diesem edlen, britischen Sportwagen.

Mein erstes Speed-Date durfte ich damals ebenso in der Open-Air-Version verbringen, dennoch werkte noch der altbekannte Sechszylinder unter der langen Haube – ein seidiger Klang, welcher auf Wunsch kehlig in Kombination mit Fehlzündungen anderen Sportwagenbesitzern das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.

Einige Monate später klemmte ich mich hinter das Sportvolant der Topversion des Jaguar F-TYPE SVR (575 PS inklusive Allradantrieb, eh klar) – Donnergrollen auf höchstem Niveau, die Nachbarschaft im Umkreis von geschätzt fünf Kilometer hasste mich für jeden Kaltstart.

Downsizing auf die elegante Art und Weise!

Die Jungs bei Jaguar haben den F-TYPE zwischenzeitlich in das Designstudio geholt, wobei auch unter der langen Motorhaube jede Menge Änderungen zu verzeichnen gibt – Downsizing auf eine etwas andere Art und Weise.
Denn der Sechszylinder wird in Europa gestrichen und stattdessen ein schwächerer Achtzylinder eingesetzt – hey Leute so gefällt mir das!

OPF und Quiet-Start-Funktion

Dennoch hat sich in den letzten Jahren einiges in puncto Abgaswerte geändert, daher erhielten die überarbeiteten Modelle auch einen Ottopartikelfilter spendiert, sodass das Orchester aus den vier Endrohren ein wenig gemildert wurde.
Die Spezialisten des britischen Orchesters haben sich auf diesem Weg auch ein wenig um die Nachbarschaft der F-TYPE V8 Besitzer gekümmert und eine sogenannte „Quiet-Start“-Funktion integriert. Sprich es bleiben nach dem Motorstart die Bypass-Ventile des hinteren Schaldämpfers geschlossen, sie werden erst unter Lastbetrieb geöffnet. Ein nettes Feature für zeitige Sonntagsausfahrten, welches man durch Drücken der Abgasanlagen-Taste auch ganz schnell wieder eliminieren kann, sollte mal ein Gas Junky beim Supermarkt lauschen wollen.

 

Interieur: Digitalisiert, vernetzt und Haptik verschärft

Bereits nach Öffnen der überarbeiteten F-TYPE Version neigen sich die Türgriffe hervor, sodass kurz vor dem Einstieg nochmals die Atmung angehalten wird. Bereits der erste Blick verrät, dass die Liebe zum Detail nochmals um eine Spur geschärft wurde. Jedes Sportwagen-Liebhaber Herz wird spätestens hier sowohl den Spitzenwert von Systole als auch Diastole erreichen. Platz genommen wird in der Testversion auf den sogenannten Performance-Sitzen, diese bieten erstklassigen Seitenhalt und überraschen auf längeren Strecken mit reichlich Komfort.

Links in der Mittelkonsole befindet sich der Start-Button um den Achtender zum Leben erwecken – der erste Start war natürlich ein Spektakel der Sonderklasse. Trotz der bereits erwähnten, neuen “Quiet-Start”-Funktion sorgt der F-TYPE trotz verschärften Abgasrichtlinien für pures Gänsehaut-Feeling bereits nach dem ersten Motorstart – überhaupt, wenn das Verdeck dann bereits geöffnet ist.

Wir haben die Haptik des gelifteten Jaguar F-TYPE ganz genau unter die Lupe genommen – die Oberflächen sind mit feinsten Ledermaterialien überzogen und edlen Kontrastnähten versehen – selbst Softtouch Oberflächen sind hier eine aussterbende Rasse, somit wird man wohl das knapp 2.700 Euro teure Premium-Leder-Paket verschmerzen, denn mehr Liebe zum Detail ist beinahe unmöglich.

Mit der zweiten Überarbeitungskur sind auch die analogen Anzeigen des britischen Sportwagens Schnee von gestern. Eine 12,3-Zoll TFT Einheit sorgt hinter dem gut in den Händen liegenden Sportvolant für perfekt ablesbare Informationen, selbst bei Sonnenschein ist das digitale Instrument problemlos ablesbar. Die Konfiguration der Instrumente kann natürlich personalisiert werden beziehungsweise ändert sich diese mit dem Wechsel des Fahrmodi.

Das neue Infotainment-Display misst 10-Zoll, reagiert zügiger auf Befehle und verfügt nun auch über Apple CarPlay und Android Auto. Die Verbindung mit dem Smartphone könnte teilweise etwas flotter über die Bühne gehen. Ebenso für einen kleinen Eintrag ins Lastenheft sorgt sowohl der Blinker- und Scheibenwischhebel – diese wirken ein wenig filigran und passen nicht so wirklich zum hochwertigen Innenraum.

Eindeutig der Habenseite werden sowohl das Meridian-Soundsystem als auch die geschichtlichen Eindrücke in der Mittelkonsole als auch am Knopf des Handschuhfaches „Jaguar Est. 1935“ gezählt. Diese Punkte werden nochmals von den eleganten Dreh- und Drückreglern der Klimaeinheit ergänzt, denn trotz Digitalisierung kann man ohne Ablenkung problemlos die Funktionen während der Fahrt bedienen.

 

Exterieur: Serienmäßig LED-Scheinwerfer mit Wischfunktion und größere Lufteinlässe

Die Front erstrahlt mit schmaleren LED-Leuchten, neu geformten Motorhaube und größerem Kühlergrill – wodurch der F-TYPE natürlich noch breiter wirkt.
Auch das Heck bekam in der LED-„Schikanen“-Signatur spendiert – diese haben nun auch eine Wischfunktion integriert. Die vier Trompeten und der dynamische Heckdiffusor blieben den V8-Modellen erhalten. Das größte Highlight sind ganz klar die breiten Heckkotflügel, die auch immer einen Teil im Rückspiegel einnehmen.

 

Fahreindrücke: Radio V8 mit gesteigerter Gesamtperformance

Die Anzahl der sportlichen Ableger mit einem Fünfliter V8 unter der Haube können beinahe schon auf einer Hand abgezählt werden, denn die strengen Homologierungen in puncto Abgaswert treffen natürlich auch die Sperrspitzen im Produktportfolio. Somit haben wir die Ausfahrten mit dem überarbeiteten F-TYPE sehr genossen – es gibt ihn ja bereits mit einem Zwoliter Vierzylinder.

Bereits nach Druck auf die Start-Taste macht sich der Achtender mit einem kräftig untermalten Schnurren bemerkbar. Kurz nachdem man über den Wahlhebel die Gangwahl erledigt hat, schmälert sich das Klangerlebnis ein wenig.
Im unteren Drehzahlbereich hat man aufgrund des Ottopartikelfilters den knurrigen Klang geschmälert – wobei Radio V8 noch immer mein Lieblingssender bleibt. Wir beschleunigen also über die 3.000 Umdrehungen und siehe da – die böse Wildkatze erwacht und lässt so ziemlich jeden anderen Sportwagen-Fahrer neidische Blicke auf uns werfen, besonders unter Lastwechsel.

Der F-TYPE schreit aus den vier Endrohren als wäre alles zu spät, besonders im Tunnel ist dieses Klangerlebnis unbeschreiblich – ein Rotzen, Knallen und zahlreiche Fehlzündungen untermalen den sehr edlen Klang bei Bedarf.
Aber nicht nur der Sound des F-TYPE Cabriolets überzeugt auch das Herzstück quittiert mit sensationellen Fahrleistungen. Auch hier verhält sich das Fahrzeug im unteren Drehzahlbereich noch eher ruhig, bereits knapp unter 3.000 Umdrehungen pro Minute greift der Kompressor ein und die 450 Pferdchen schnalzen Dich sofort auf Befehl in den Schalensitz, dies wird vom sonoren Sounderlebnis untermalt und hie und da sind selbst die breiten 295er Heckpneus überfordert und Du tanzt mit der Wildkatze und malst Erinnerungen in den Asphalt, bis das ESP das Heck wieder stabilisiert.

Natürlich könnte man das ESP komplett deaktivieren, aber selbst im Dynamik-Modus muss man schon ein verdammt guter Tänzer mit Verständnis sein, um das Kätzchen wieder einzufangen.
Abgesehen davon, hat man auch das Einlenkverhalten präzisiert und auch die 8-Gang-Automatik von ZF hinterlässt einen erstklassigen Eindruck, besonders im Dynamik-Modus knallt diese die Gänge erstklassig hinein. Damit profitiert der überarbeitete F-TYPE mit einer gesteigerten Gesamtperformance.

Und sollte man am Ende des Tages nochmals genauer in den digitalen Displays herumsurfen – der V8 schluckt lediglich 13,5 Liter, das geht natürlich für dieses kraftvolle Aggregat voll in Ordnung. Falls man Mr. Bleifuß aktiviert sind es eben manchmal auch 17 oder 18 Liter, aber genießen wir noch die Zeiten in denen wir solch elegante Tänze mit diesem edlen Klang durchführen können/dürfen.

Denn die Vierzylinder Version steht bereits in den Schauräumen und macht sich besonders beim Blick aufs nötige Kleingeld bemerkbar – also spart noch ein paar Jährchen.

Was uns gefällt: 

Das kraftvolle Aggregat
Der erstklassige Klang trotz OPF
Die Liebe zum Detail

Was wir noch verbessern würden:

Die Verbindung mit dem Smartphone könnte zügiger funktionieren
Der Blink- und Scheibenwischhebel könnte wertiger wirken
Unsere finanzielle Lage

Factbox: Jaguar F-TYPE Cabriolet R-Dynamic P450 RWD

Motor/Antrieb

Motor: V8-Benziner mit Kompressor-Aufladung
Hubraum: 5.000 ccm
Leistung kW/PS: 331 kW/450 PS bei 6.000 U/min.
Drehmoment: 580 Nm zwischen 2.500 U/min und 5.000 U/min
Antrieb: Heck
Getriebeart: 8-Gang-Wandlerautomatik inkl. Start-Stopp-System
0-100 km/h: 4,6 Sekunden
V-Max: 285 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert/ Liter/100 km: 11,0
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 13,6
CO2 Emissionen: 244 g/km

Fahrwerk/Reifen/Bremsen

Bremsen: VA: 380 mm Scheibe (innenbelüftet)
HA: 376 mm Scheibe (innenbelüftet)
Felgen/Reifen: VA: 255/35 R20 HA: 295/30 R20

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.735 kg
L/B/H: 4,470 / 1,923 / 1,307 m
Radstand: 2,622 m
Kofferraumvolumen: 233 Liter
Tankinhalt: 70 Liter
Kraftstoff: Super (Plus)

 

Preise

Jaguar F-TYPE Cabriolet zu haben ab: € 82.985,-
Jaguar F-TYPE Cabriolet R-Dynamic P450 RWD zu haben ab: € 120.403,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA (25 %) und MWSt: € 128.986,-

Sonderausstattung

Performance-Sitze in Windsor-Leder in Siena Tan mit Interieur in Ebony / Tan € 3.044,-

6/6-Wege-Sitzeinstellung – elektrisch verstellbar, beheiz- und kühlbar € 1.340,-

Premium-Leder-Paket € 2.694,-

Fahrassistenz-Paket € 548,-

Black Pack € 957,-

 

Copyright Bilder: Sebastian Poppe