Wir können uns noch gut auf die letzte Ausfahrt mit dem 2016 unveränderten Land Rover Defender erinnern. Damals waren wir in Österreich – genauer gesagt im Offroad Parcours des Red Bull Rings unterwegs. Nach 68 Jahren auf dem Buckel fällt es dann sehr schwer die letzten Meter mit dem echten Urgestein zu genießen, immerhin ist es schon ein unglaubliches Fahrgefühl, welches in Stein gemeißelt wurde.

Nun nehmen wir in der neuen Generation Platz – vorerst starten wir mit dem 110er Dreiliter Sechszylinder Diesel. Der neue Defender wird als 90er und 110er angeboten, diese Zahl gibt den Radstand in Inches an.
Zahlreiche Details hat man natürlich beibehalten und manche eben mit zeitgemäßen Features aufgepeppt. Beispielwiese bleibt der Trend mit dem Reserverad am Heck aufrecht, hingegen man den Innenraum mit neuesten Infotainment-Lösungen und digitalen Display mit bis zu 11,4-Zoll auffrischt.
Beide Versionen basieren auf einer neuen Plattform (D7x), es handelt sich auch um die steifste Karosserie, welche je produziert wurde.
Natürlich verfügt man serienmäßig über Allradantrieb, ein zweistufiges Verteilergetriebe und ein Mitteldifferential.
Auch die Abstimmung des Fahrwerks lässt nun mehr Alltagstauglichkeit zu, sodass man sogar längere Etappen ohne Luftfederung zurücklegen kann.

Außerdem finden wir es großartig, welch breite Antriebspalette Land Rover für die beiden Versionen (90 und 110) anbietet. Denn neben dem herkömmlichen Diesel steht auch eine Plug-in-Hybrid-Version und auch eine V8 Version zur Verfügung.

Defender Diesel 110

Wir starten mit dem Dreiliter-Diesel inklusive Mildhybrid-Technik mit 300 PS und 650 Nm, die bereits ab 1.500 U/min anliegen. Damit stellt sich der Defender in der getesteten 110er Version als erstklassiges Zugfahrzeug unter Beweis, aber auch ohne reichlich Gewicht auf der Anhängevorrichtung macht der britische Offroader einen ganz schön flotten Eindruck. Trotz der hohen Offroad-Skills lässt der 5,02 Meter lange Defender auch auf kurvigen Strecken nichts anbrennen – klar verwandelt man ihn keinesfalls auf Knopfdruck in einen Kurvenräuber, dennoch ist es erstaunlich welch hohe Alltagstauglichkeit die Ingenieure in dieses Fahrzeug integrieren konnten, ohne die bereits erprobten Offroad-Fähigkeiten zu minimieren.
Ganz im Gegenteil, denn die Jungs bei Land Rover haben uns wieder mal gezeigt, welch utopische Steigungen, Neigungen und Gefälle dieser Offroader im Stande ist zu erklimmen bzw. hinunterzufahren.
Klar, profitiert man hier von ausgereiften Assistenzsystemen und technischen Feinheiten, die es vor ein paar Jahren höchstens im Traum gab.
Der Landy lässt auch im richtigen Outback nicht locker und probiert selbst auf den ärgsten Schotterpisten dem Fahrer hohen Komfort zu verleihen.
Und dann gibt es eben Passagen, wo man selbst mit den zugeschalteten Kameras schwitzige Hände bekommt, denn die Fahrt über eine Felswand (Steigung ähnlich der Streif) lässt uns eben dann doch als Gas Junkies und nicht Offroad Junkies durchgehen. Spätestens hier verneigen wir uns vor den Technikern, die dieses erstklassige Fahrzeug mit diesem breiten Spektrum in Serie gebracht haben.

Defender PHEV 110

Nach einer kleinen Verschnaufpause geht es nun weiter mit dem Plug-in-Hybrid ebenfalls als 110er Version. Hier werkt ein Zweiliter-Turbobenziner mit 300 PS unter der Haube des Offroaders. Zusätzlich spendiert eine E-Maschine mit 105 kW (143 PS) reichlich Power, sodass man über eine Systemleistung von 404 PS und 640 Nm verfügt. Bis zu 130 km/h ist man mit der PHEV-Version reinelektrisch unterwegs, Land Rover gibt eine Reichweite von 43 Kilometer nach WLTP an bis der 19,2 kWh Akku (15,4 kWh effektiv) geladen werden muss. Mittels Mode 3 Ladekabel dauert es zwei Stunden bis dieser 80 Prozent an Kapazität gewonnen hat. An einer Schnellladestation vergehen lediglich 30 Minuten um den gleichen Ladestand zu erreichen.
Der Land Rover Defender PHEV ist bereits serienmäßig mit der elektronisch geregelten Luftfederung ausgestattet. Großes Augenmerk sollte man auf die Anhängelast von drei Tonnen werfen.
Das deutliche Highlight bietet das enorme Drehmoment des E-Aggregat, dies merkte man besonders bei unseren Etappen im Offroad-Paradies – wo man lautlos über unvorstellbare Unebenheiten schwebt.
Besonders in Österreich werden sich viele Unternehmer die NoVA-Ersparnis nicht entgehen lassen.

Defender V8 (90)

Und wie es denn so schön heißt, kommen die schönsten Dinge doch immer zum Schluss. Dies gilt auch bei der ersten Fahrt mit den neuen Defender Modellen. Wir nehmen in der 90er Version des Defender V8-Kompressor Platz, die Rede ist hier von einem Fünfliter Achtzylinder mit 525 PS und 625 Nm Drehmoment, sodass der Sprint aus dem Stand auf Tempo einhundert in nur 5,2 Sekunden gelingt.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h, die Gangwechsel übernimmt eine 8-Gang Automatik.
Bereits am Außenkleid ist die Achtender-Version problemlos erkennbar. Am Heck verfügt man über eine vierflutige Abgasanlage, hinter den 22-Zoll Räder stechen vorne blaue Bremssättel hervor.
Die Challenge besteht bei der Topversion nicht nur in puncto Offroad, sondern auch in Performance. Sprich gemeinsam mit einem Instruktor konnten wir auch an die Grenzen der V8 Version gehen. Neben Drifteinlagen, leichten Sprüngen und flotten Fahrten durch Geländepassagen lässt natürlich der erstklassige Achtzylinder-Klang Gänsehaut-Feeling aufkommen.

Die Preise im Überblick

Der Land Rover Defender 90 ist in Österreich ab € 63.769 erhältlich, die 110er Version kostet mindestens € 68.230. Für die V8-Version (90) sind mindestens € 176.614 nötig. Für den V8 in der 110er Version löhnt man € 181.802.

(c) Bilder: Land Rover