Knapp eine Woche ist es her, dass wir auf der italienischen Rennstrecke in Balocco die limitierte Collectors Edition des neuen Abarth 695 esseesse hautnah erleben durften. Und weil wir schon mal dort waren, gab’s die Vorstellung des neuen Abarth F595 quasi als „Tüpfelchen auf dem i“ noch oben drauf.

Limitierte Sammler-Edition des Abarth 695 esseesse

Der 1962 ins Leben gerufene Proving Ground in Balocco ist dafür bekannt, eines der größten Testzentren weltweit zu sein. Perfekte Voraussetzungen also, um die Sammler-Edition des neuen Abarth 695 esseesse auf Herz und Nieren zu prüfen. Nach einer kurzen Präsentation der wichtigsten Neuerungen rund um den kleinen Kraftlackl hieß es für uns ab auf den Alfa- (und damit den ältesten) Test-Track.

Die Testfahrzeuge warteten wahlweise in Scorpione Schwarz oder in Campovolo Grau darauf, losgelassen zu werden. Von jeder dieser Farben gibt es den Abarth 695 esseesse in exakt 695 Ausfertigungen. Insgesamt ist das Modell also auf 1.390 Einheiten limitiert. Nachdem wir unsere Helme aufgesetzt hatten – diese sind ab einer Geschwindigkeit von 130 km/h auf der Teststrecke verpflichtend – und die Winzlinge passend für uns eingerichtet hatten, drehten wir den Zündschlüssel um und waren sofort hin und weg vom klassischen Abarth-Rennsport-Sound, für den die beiden Akrapovic-Auspuffendrohre aus Titan verantwortlich zeichnen.

Nachdem uns das Follow-me-Car zuerst sanft in die Strecke eingeführt hatte, ging es in Runde zwei schon deutlich schneller zu. Kein Wunder, denn der dynamische 1.4 T-Jet-Motor mit einer Leistung von 132 kW (180 PS) beschleunigt den (nur unwesentlich über 1.000 kg wiegenden) Skorpion in nur 6,7 Sekunden vom Stand auf 100 km/h. Sein maximales Drehmoment von 250 Nm wird bereits bei 3.000 U/min entfaltet. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 225 km/h.

Von außen beeindruckend …

Die perfekte Synthese aus Motorleistung und Aerodynamik wird nicht zuletzt durch den Heckspoiler „ad Assetto Variable“ bestimmt. Bei voller Neigung (60 Grad) und einer Geschwindigkeit von 200 km/h sorgt der von 0 bis 60 Grad in 13 Stufen justierbare Spoiler für eine Erhöhung der aerodynamischen Belastung von bis zu 42 kg – und damit für verbesserte Kurvenstabilität sowie mehr Agilität in allen Bereichen. In Kombination mit der Gewichtsreduktion aufgrund der neuen, doppelt gewölbten Motorhaube aus Aluminium macht das den neuen Abarth 695 esseesse – durch die optimale Verteilung des Gewichts und die dadurch geänderte Balance – zum derzeit schnellsten Line-up der Marke.

Um wieder eingefangen zu werden, ist die Bremsanlage mit 4-Kolben-Brembo-Bremssätteln und innenbelüfteten Scheiben (vorne 305 mm, hinten 240 mm) serienmäßig mit dabei. Die roten Bremssättel bilden einen schönen Kontrast zu den weißen 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, die ihrerseits wieder mit roten Nabendeckeln aufwarten. Weitere Hingucker sind die vorderen und hinteren Spoiler-Lippen, die Außenspiegelkappen, der Seitenaufkleber, das 695-Logo an der Flanke und das 695 esseesse-Emblem am Heck.

… von innen erst recht

Aber auch im Inneren erweist sich die Sammler-Edition als echtes Juwel: So ist das handgefertigte Armaturenbrett, dessen Finalisierung rund eine Stunde dauert, zum Teil mit Alcantara überzogen. Schaltknauf und Lenkradeinsätze sind aus Carbon. Exklusiv geht es auch bei den Sitzen weiter: Diese tragen nicht nur den Schriftzug „One of 695“, sondern stammen – und das ist mehr als stilecht – vom renommierten Hersteller Sabelt. (Sitze dieser Marke findet man z.B. auch in Ferraris.) Auch in Sachen Konnektivität werden keine Wünsche offen gelassen: Mit an Bord sind das Uconnect-Infotainment-System mit 7-Zoll-Touchscreen, Navi, DAB+ Digitalradio, USB und Bluetooth. Ebenso dabei sind Apple CarPlay und Android Auto.

Während der Abarth 695 esseesse in der Tradition des legendären getunten 1964-er Modells steht, das unter dem Namen „Cinquino“ in die Geschichte einging, erinnert der neue Abarth F595 an die 1971 gestartete legendäre „Formula Italia“. Diese Rennserie hat es sich zum Ziel gesetzt, hoffnungsvolle junge Talente auszubilden und ihnen den Sprung vom Kart in den Profimotorsport zu ermöglichen.

Von der Formel 4 auf die Straße

Der neue Abarth F595 geht genau den umgekehrten Weg und kommt direkt von der Formel 4 auf die Straße. Das „F“ im Namen ist dabei als Hommage an die Formel 4 gedacht, für die Abarth zugleich exklusiver Motorenlieferant und Titelsponsor ist. Mit dem 121 kW (165 PS) starken T-Jet-Motor mit 1.4 Liter Hubraum und aufgeladenem Garrett-Turbokompressor bietet der sportliche Skorpion Technik-affinen Personen die besten Voraussetzungen dafür. Das 9:1-Verdichtungsverhältnis sorgt für pure Dynamik und Fahrspaß.

Bei gleichem Druck optimiert diese Architektur die Temperatur im Brennraum und ermöglicht, dass das maximale Drehmoment von 230 Nm bereits bei 2.250 U/min anliegt und dann konstant bis zum oberen Bereich des Drehzahlmessers erhalten bleibt. Das bringt Vorteile bei der Höchstgeschwindigkeit (218 km/h) und vor allem nach den Schaltvorgängen: Im fünften Gang beschleunigt der neue Abarth F595 in 7,8 Sekunden von 80 auf 120 km/h. Der Motor ist serienmäßig mit einem Schaltgetriebe gekoppelt, auf Wunsch gibt es eine 5-Gang-Automatik mit Schaltwippen.

Estetico F595

Anders als der Abarth 695 esseesse, der ausschließlich als Hatchback angeboten wird, geht der Abarth F595 auch als Cabrio an den Start. Speziell für den F595 wurde das Design-Kit „Estetico F595“ entwickelt, das sich durch Akzente in glänzendem Blau aus der Masse hervorhebt. Diese werden dezent an den Außenspiegelkappen und den vorderen und hinteren Spoiler-Lippen eingesetzt. Komplettiert wird der Look durch schwarz lackierte Bremssättel und 17 Zoll Leichtmetallfelgen in mattem Schwarz. Wer sich für das Design-Paket entscheidet, kann aus mehreren Grau-Tönen, Gara Weiß und Scorpione Schwarz wählen.

Apropos Skorpion: Drückt man im Innenraum die Taste auf dem Armaturenbrett, ist das beeindruckende Brüllen noch unverkennbarer; steuert diese Taste doch das aktive Auslassventil. Man kann (und sollte) sich also bewusst dafür entscheiden, ob man mit „Gentleman Driver“-Sound oder doch dem typischen Abarth-Brüllen unterwegs ist, das Abarthisti seit vielen Generationen begleitet.

Für den typischen Klang sorgt die aktuelle, heiße Version der längst schon ikonischen Record Monza “Sovrapposto“ Sportauspuffanlage. Sie wurde neu konfiguriert und verfügt nun über vier Endrohre (auf jeder Seite zwei), die vertikal angelegt sind. Für eine Reduktion der Geschwindigkeit sorgen die speziell von Abarth entwickelten und belüfteten Bremsen (vorne 284 mm, hinten 240mm), die optimales Ansprechverhalten und verbesserte Sicherheit, besonders im Grenzbereich, garantieren. Dem Sound können sie zum Glück nichts anhaben.

Innen überzeugt der F595 mit sportlichem Look (Lederlenkrad, Abarth-Sportsitze oder Sabelt-Rennsportsitze) und der heute geforderten Konnektivität (7-Zoll-HD-Uconnect, DAB+ Radio sowie Apple CarPlay und Android Auto). Damit soll vor allem einer jüngeren, leistungsorientierten und technikbegeisterten Zielgruppe Rennsport-Feeling – auch auf dem täglichen Weg zur Arbeit – vermittelt werden.

Preise

Wer sich für den neuen Abarth F595 interessiert, kann mit einem Einstiegspreis von 25.990 Euro rechnen. Für die limitierte Collectors Edition des Abarth 695 esseesse müssen zumindest 34.490 Euro reserviert werden. (Wer sich noch immer fragt, wie man esseesse ausspricht: Genauso, wie man es liest. Leichter geht es allerdings in der Schreibweise von 1964: „esse-esse“. Diese beiden Wörter stehen jeweils für ein (italienisch buchstabiertes) S und bedeuten in Kombination „SuperSport“.)

(c) Bilder: Abarth