Jaguar Track Day & Land Rover Experience Day

Ein Beitrag von Sebastian Poppe 

Zeitgerecht zum Welttierschutztag hat Jaguar Österreich die wilden Katzen am Red Bull Ring aufgefädelt. Die Modellpalette reichte vom Jaguar XE mit dem neuen 2.0 Liter Turbo-Benziner, dem Jaguar E-PACE mit der stärksten Diesel-Motorisierung, dem Jaguar F-TYPE mit drei Motorvarianten, bis hin zum Tesla Gegner, dem Jaguar I-PACE.

Natürlich wurde auf das 70-jährige Jubiläum nicht vergessen, daher waren wir auch mit zwei Modellen des Herstellers im anspruchsvollen Gelände unterwegs.

Jaguar F-TYPE R

Bereits frühmorgens warf ich mich in die Schalen des Jaguar F-TYPE R und wurde von einem Instruktor ein paar Runden so richtig durchgeschüttelt, natürlich ausschließlich auf der Ideallinie. Es ist beachtlich wie stabil das Powerkätzchen reagiert. Selbst bei deaktivierter elektronischer Spaßbremse, kann man den F-TYPE mit dem V8-Kompressor (550 PS) bereits am Scheitelpunkt mit reichlich Power und jeder Menge Drehmoment in Richtung nächster Kehre manövrieren. Besonders lobenswert ist die Sportabgasanlage, welche einem unter Volllast eindeutig klarmacht, dass man in einem echten Sportcoupé mit genügend Dynamik sitzt und alle Körperhaare stramm stehen lässt, sobald man dem Katzerl einen Gasstoß versetzt.

Jaguar F-TYPE SVR

Man könnte es sich kaum vorstellen, dass es noch ein Extremum nach dem R-Modell gibt. Die Sportabteilung, unter dem Kürzel SVR, hat noch einen lauteren, schnelleren und teureren F-TYPE auf die Räder gestellt.

Der Preis schockiert vielleicht auf den ersten Blick ein wenig, dennoch muss man sich vor Augen führen, dass man hier bei weitem nicht mehr von einem Kätzchen, sondern eher schon von einem mit Anabolika überzüchteten Jaguar spricht.

Bereits der Kaltstart spricht klare Worte, daneben klingen andere Sportwagen wie ein „Mäuse-Furz“, selbst wenn man diese mit einem Gastritt bis in den Begrenzer quälen würde. Der SVR brüllt diese in Grund und Boden. Wer es nicht ganz so aufdringlich mag darf das Köpferl für die Klappenanlage drücken und einen auf niedliches Kätzchen machen – zumindest Klang- und Fahrwerkstechnisch. Wobei man gestehen muss, dass auch im Dynamic-Modus einem nicht das Gebiss rausfällt.

Der F-TYPE SVR überträgt seine Kräfte auf alle Vierräder, wenn man sich selbst hinter das Sportvolant klemmt, merkt man sofort, wie die Performance-Werte in den Kurven nochmals getoppt werden können. Beachtlich wirken die 575 PS nicht nur aus dem Stand (3,7 Sekunden auf Tempo 100), sondern auch bei hohen Geschwindigkeiten, drückt dich der Muskelprotz in die Sportschalen, dass es nur so eine Freud ist. Die V-Max liegt deutlich über 300 Sachen, da schnurrt der Kater aber dann schon ordentlich aus allen vier Endrohren.

Jaguar XE 30t

Der Umstieg des knapp 600 PS Sportcoupé in die dynamisch getrimmte Mittelklasse Limousine lässt die Fahreindrücke wohl ein wenig abweichen. Dennoch sind wir begeistert, wie athletisch sich der 2.0-Liter-Turbobenziner unter der Haube des XE verhält. Dank Allrad verspürt man keinerlei Traktionsprobleme und im Sportmodus zieht das Automatikgetriebe an einem Strang – sprich flotte Gangwechsel verhelfen am Ring die Rundenzeit des Vordermanns nochmals zu toppen. Der Spagat zwischen Rennkätzchen und eines gemütlichen Angora Kätzchens ist gelungen, das Fahrwerk nicht zu brettelhart, die Lenkung schön direkt, aber keinesfalls zu straff und auch das Ansprechverhalten des Downsizing-Aggregats ist mit zwei Seiten gekürt.

Einzig und allein würden wir die Klangkulisse der Abgasanlage noch ein wenig modifizieren. Aber so ein Kätzchen im Schafspelz lässt so manche Deutsche-Konkurrenz sicherlich nicht kalt.

JAGUAR I-PACE

Umgestiegen in eine lautlose Welt, die aber einen verdammt emotionalen und fahrfreudigen Eindruck hinterlässt. Das erste reinelektrische Modell von Jaguar, welches Performance, Komfort und ideale Platzverhältnisse kombiniert.

Der Jaguar I-PACE mit 400 PS und 696 Nm Drehmoment spricht bereits aus dem Drehzahlkeller heraus wie ein am Schwanz gezogener Kater an, klebt am Asphalt und lässt so manch andere hochmotorisierte Fahrzeuge ziemlich lahm wirken, besonders wenn er aus dem Stand herausbeschleunigt, hat der so gut wie immer die Schnauze vorne.

Das E-Kätzchen profitiert von einem sehr niedrigen cw-Wert von nur 0,29, auch die Beschleunigung von nur 4,8 Sekunden auf Tempo 100 wirkt nicht nur am Papier grandios. Die erste Ausfahrt mit dem Neuling aus dem Hause Jaguar lässt hochwertige Materialwahl, grandiose Ergonomie feststellen und wie bereits erwähnt wirkt der I-PACE wie ein Magnet, der auch auf sehr kurvigen Teilstücken immer mit dem Asphalt verbunden bleibt.

Besonders auf kurvigen Landstraßen macht der I-PACE von Kehre zu Kehre mehr Spaß. Auf der Rennstrecke muss man sich erstmal an die lautlose Variante gewöhnen, danach ist auch hier das kraftvolle E-Kätzchen ein hervorragender Performance-Gegner.

In der Praxis sind knapp 350-400 Kilometer erreichbar, dies hat sich auch bei der Challenge von London nach Brüssel (369 Kilometer) herauskristallisiert.

Beachtlich wirkt nicht nur die realitätsnahe Reichweite, sondern auch die großzügig bemessenen Platzverhältnisse in beiden Reihen, als auch das Kofferraumvolumen mit 656 bis 1.453 Liter.

Dennoch wären wir nicht Gas Junky, wenn wir nicht lieber hinter dem Sportvolant des Jaguar F-TYPE SVR Platz nehmen würden. Natürlich ist auch die geräuschlose Fahrt ein sehr emotionales Thema, dennoch keineswegs vergleichbar mit dem brüllenden V8-Kompressor Sound, der dir dauerhaft einen Grinser spendiert, dass dir die Mundwinkel nach der vierten Runde bereits in einen Krampf verfallen.

Jaguar E-PACE

Nach Benzin und Elektro kommt logischerweise, genau, der Diesel dran. Jaguar hat mit dem E-PACE ein Kompakt-SUV auf die Räder gestellt, welches besonders im Innenraum mit sehr hochwertiger Materialwahl überrascht. Nicht ganz unwichtig ist die Info, dass dieses Fahrzeug neben dem I-PACE ebenfalls in Graz vom Band läuft.

Dank der stärksten Dieselmotorisierung (durch Allrad unterstützt) merkte man, am Handling Parkour, wie das Fahrzeug auf trockenen und nassen Untergrund arbeitet.

Selbst bei deaktivierten ESP lässt sich das Heck des Kompakt-SUV problemlos einfangen. Natürlich muss man bei dieser Situation ein wenig mehr gegenlenken und mit Fingerspitzengefühl das Heckabteil wieder einfangen.

Der E-PACE zählt nicht gerade zu den leichtesten Fahrzeugen in diesem Segment, dennoch lässt sich das Kompakt-SUV mit enormer Leichtigkeit manövrieren.

70 Jahre Land Rover

Bereits seit sieben Jahrzehnten ist Land Rover für ausgereifte Allradfahrzeuge bekannt. Am 30. April 1948 hat man das erste Modell in Amsterdam der Öffentlichkeit vorgestellt.
Dieses Jubiläum sollte natürlich gefeiert werden.

Wir durften uns nochmals hinter dem Old-School-Volant des Defenders Platz nehmen und die Offroad-Fähigkeiten der 4×4 Ikone testen. Aber nicht nur das wohl bekannteste Modell war bei der Ausfahrt dabei, auch der Discovery musste als Vier- und Sechszylinder-Diesel seine Technik im Gelände unter Beweis stellen.

Wenn man sich vor Augen führt, dass sich mehr als sieben Millionen Kunden in den 70 Jahren für ein Fahrzeug der britischen Marke entschieden haben, konnte diese Ausfahrt also nur mit positiven Eindrücken untermalt werden.

Für die erste Etappe nahm ich im Discovery Platz, wo nicht nur einzig und allein die Offroad-Eigenschaften überzeugten, sondern auch der hohe Komfort mit tadelloser Verarbeitung geprägt wurde.

Mittels Infotainment-Display hatte man jederzeit die Kräfteverteilung zwischen den einzelnen Rädern im Blickwinkel. Auch bei besonders anspruchsvollen Teilstücken hatte der Discovery keineswegs zu kämpfen, die ausgereifte Allradtechnik gab sich tapfer geschlagen. Das Zusammenspiel zwischen Allrad, dem kraftvollen Diesel und der ruckfrei-abgestimmten Automatik machen das SUV zum Allrounder. Auch die teils sehr steilen Stücke der Bergabfahrt konnten mittels elektronischer Hilfe ohne runzligen Stirnfalten überstanden werden, nun gut das ist also die heutige Technik, wenn man mal ein SUV abseits des urbanen Bereichs bewegt, aber wie schlägt sich die Allrad-Ikone auf dem letzten Abschnitt?

Die letzte Ausfahrt mit der Legende!

Natürlich fallen die Türen des Defenders nicht so geschmeidig ins Schloss, wie das beim Discovery der Fall war. Auch die Lenkung würde man als nahezu gefühllos bezeichnen, die Schaltung ähnelt der eines alten Autobusses. Aber genau diese Komponente machen Offroadtouren zu einer besonderen Herausforderung. Auch an die Pedalerie, welche eine leicht schräge Sitzposition verlangt, braucht eine gewisse Eingewöhnungsphase.

Der 2,2-Liter-Diesel mit 122 PS ist auch bei niedriger Drehzahl, bei Fahrten im nahezu Schritttempo mit dem zweiten Gang nicht überfordert – keine Anzeichen von einem stotternden Aggregat – zwar quietscht und knarzt alles im Innenraum, aber gerade diese Tatsache macht die Fahrt mit dem Offroader unvergesslich. Wir haben die letzten Meter, mit der wohl genialsten 4×4 Ikone genossen, dennoch sind wir schon gespannt auf die nächste Generation.

Auch wenn der F-Type SVR mit dem genialsten V8-Sportwagen-Sound und der I-PACE mit seiner unbeschreiblichen Kurvenlage uns überzeugt haben, trauern wir dennoch um die wohl legendärste Allrad-Ikone, welche je gebaut wurde.
Jetzt heißt es noch schnell zuschlagen, bevor die Preise weiter anziehen und dieses fantastische Teil wohl irgendwann unleistbar wird.

(c) Bilder: Jaguar Land Rover & Gas Junky