Omoda und Jaecoo sind in den Chery-Konzern (verzeichnet seit über zwei Jahrzenten die meisten chinesischen PKW-Exporte) eingegliedert und sorgen mit dem Omoda 9 für großes Aufsehen. Nicht nur im Straßenbild gibt es zahlreiche Blickfänge auch die mehrmaligen Blicke auf das Preisblatt sorgen für Verwunderung. Denn nicht nur der Preis ist eine Ansage, auch die Garantie und der Ausstattungsumfang lassen die Premium-Konkurrenz erblassen.










Und das nicht ganz zu Unrecht. Immerhin sprechen wir hier von einem SUV, welches im D-Segment platziert ist und mit zahlreichen Premium-Features fast ohne Optionsliste auskommt (Silent Grey Matt und die Black Edition) kosten € 1.000.
Das Flaggschiff der chinesischen Marke könnte in 4,9 Sekunden auf Tempo einhundert sprinten, haben wir aber nicht nachgemessen, da andere Features deutlich mehr überzeugen. Und manche benötigen noch eine Überarbeitungskur.
Interieur: Deluxe Room mit Verbesserungen bei den kleinen Details
Schlüssellos gelingt der Einstieg in das sehr hochwertige Interieur des Flaggschiffs, auch danach benötigt es ähnlich wie bei einem Elektrofahrzeug keinen Knopfdruck mehr, lediglich einen Tritt aufs Bremspedal und schon kann die Fahrstufe eingelegt werden. Auf Sicherheit legt Omoda großen Wert, denn ohne Anlegen des Sicherheitsgurts bewegt sich das Fahrzeug keinen Millimeter.
Weniger cool, wenn man sich beim Fahrzeug oftmals vorbeibewegt und man somit beim Aufsperren auch das Sony-Soundsystem aktiviert und beim Verschließen einen akustischen Ton aktiviert hat – die Nachbarschaft scharrte schon mit grimmigen Blicken hinter dem Gartenzaun.
Die Materialwahl ist erstklassig, auch haptische Elemente wurden angebracht und die Sitzeinstellung erfolgt über Bedienelemente in der Türe (die man von einem bekannten, deutschen Premium-Hersteller kennt). Weniger erfreulich finden wir die Piano-Lack Oberflächen am Volant als auch die Bedienelemente, die teilweise nicht immer die gewünschte Funktion zulassen oder eine andere auswählen. Darüber hinaus sollte man einen Putzwahn mit sich bringen.
Das Curved Display misst 24,6-Zoll, es besteht aus zwei einzelnen Displays und der Fahrer verfügt zusätzlich über ein Head-up-Display.
Das integrierte Navi teilte leider nicht den tatsächlichen Standort des Fahrzeugs und teilweise stürzte es ab – auf Nachfrage wurde erwähnt, dass hier die Verbindung mit der App verpflichtend wäre.
Dann verwendet man meist lieber Apple CarPlay bzw. Android Auto gelingt beides kabellos – teilweise muss nach dem Neustart des Fahrzeugs ins Menü geklickt werden und das gewünschte Smartphone ausgewählt werden, das wäre mit einer automatischen Verbindung deutlich angenehmer.
Auch die Verkehrszeichen-Erkennung ist wohl mit dem Sport-Modus gekoppelt, oftmals werden
100 km/h im innerstädtischen Bereich empfohlen, aber natürlich nicht umgesetzt.
Gestartet wird im ECO-Modus, die Sprachsteuerung betitelt diesen als „Ezeo-Modus“ außerdem mischt sich diese auch gerne in Gespräche mit dem Beifahrer ein und vertschüsst sich dann wieder. Auf tatsächliche Fragen hat sie meist keine Antwort parat. Aber gut, wir reden eh nicht so gerne mit einem Fahrzeug.
Man verweilt im Omoda 9 gerne etwas länger, denn die Sitze bieten erstklassigen Komfort sind sogar mit Massagefunktion ausgestattet und können sowohl beheizt als auch gekühlt werden. Einziges Manko: Die Sitzhöhe muss in Europa rasch vertieft werden, denn selbst Personen mit 1,80 Meter nähern sich mit dem Haupt verdammt nahe dem Dachhimmel.
Hinterbänkler reisen wie der Präsident: dreistufige Sitzheizung, sogar eine Sitzkühlung gibt es für die Fondpassagiere, jede Menge Beinfreiheit, die Rücksitzlehnen lassen sich elektrisch einstellen und sogar der Beifahrersitz lässt sich von den Mitreisenden verstellen, ähnlich wie in Luxus-Limousinen. Dies gilt auch für die Dämmung des Interieurs.












Das Ladeabteil ist für ein SUV mit 4,77 Meter mit seinen mickrigen 471 Liter kein Highlight, nach umlegen der Rückbank (Verhältnis 40:60) erweitert man auf 1.783 Liter und bringt schon deutlich mehr Ladung in den Premium-Chinesen.
Fahrverhalten und Lademanagement: Komfort plus mit großer Elektroreichweite!
Die wohl größte Paradedisziplin neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis und dem Ausstattungsumfang bildet der Fahrkomfort, der zeitweise schon zu komfortabel ist. Der Omoda 9 ist klarerweise kein Kurvenräuber bzw. Performance-SUV.
Das adaptive Fahrwerk bildet speziell im Eco und Normal-Modus zu viel Zug- und Druckstufe – bei groben Unebenheiten hat dies zu Folge, dass das Fahrzeug ordentlich nachwankt und dies geht auf den Magen.
Ein Individualmodus wäre hier perfekt, denn es würde den sportlichen Charakter lediglich bei der Lenkung und beim Fahrwerk benötigen.
Das Duo aus Verbrenner und E-Motoren inklusive einem großen Akkupaket für einen Teilzeit-Stromer sind gelungen.
Der 1,5-Liter Turbobenziner mit 105 kW / 143 PS wirkt am Papier schlecht im Futter stehend. Aber keine Sorge, denn je nach Situation ist dieser meist lediglich der Stromlieferant. Gleich drei E-Motoren sorgen für 340 kW / 462 PS – das Drehmoment der E-Maschinen beläuft sich auf 700 Nm (Systemdrehmoment von 650 Nm).
Dennoch verspürt man im Flaggschiff der Marke keinesfalls den Drang, dass man in 4,9 Sekunden auf Tempo einhundert sprintet.
Die hohe DC-Ladeleistung (in diesem Fall bis zu 70 kW) und der große Akku mit 34,5 kWh (netto: 30,6 kWh) Kapazität locken bei den aktuellen Treibstoffpreisen für erneute Ladestopps – immerhin sind es rund 145 Kilometer, die der Omoda 9 rein elektrisch zurücklegt.
Von 30 bis 80 Prozent dauert es maximal eine halbe Stunde, bei nahezu leerem Akku rund eine Stunde. Schade, dass der AC-Wert bei lediglich 6,6 kW liegt.
Bei der Wahl des Hybrid-Modus wählt das Fahrzeug selbst die ideale Abstimmung und es können teilweise sogar rund zwei Liter Verbrauch vom Display abgelesen werden. Wenn der Akku tatsächlich leer ist sind es meist sieben bis acht Liter pro 100 Kilometer. Nervig ist hier dann die erneute Erinnerung, dass die Batterie einen geringen Ladestand hat und man nicht in den intelligenten Modus wechseln mag.
Mit dem 70 Liter Tank zeigt der Testwagen über 1.000 Kilometer rein mit dem Verbrenner an und die 145 Kilometer rein elektrische Reichweite.
Dann wäre noch der Listenpreis von € 48.990, der hier wohl den größten Pluspunkt vermeldet. Sieben Jahre Garantie gibt’s obendrauf.
Unser Fa(hr)zit:
Der Omoda 9 punktet mit jeder Menge Komfort und Premium Flair. Die Kombination aus 70 Liter Tank und großem Akku liefern über 1.000 Kilometer Gesamtreichweite.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis und die sieben Jahre Garantie bilden ein unschlagbares Paket.
Verbesserungsbedarf gibt es bei der rückmeldungsarmen Lenkung, dem zu weich abgestimmten Fahrwerk und dem recht mickrigen Kofferraumvolumen. Ein Software-Update für die serienmäßige Navigation, die Sprachsteuerung als auch die Verkehrszeichen-Erkennung wären wünschenswert. Die in Piano-Lack gehaltenen Elemente am Volant ziehen nicht nur Staub und Fingerabdrücke an, die Steuerung wirkt nicht gerade sehr intuitiv.
Was uns gefällt:
Die hochwertige Verarbeitung
Die umfangreiche Serienausstattung
Das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis
Das Zusammenspiel aus Verbrenner und E-Motoren
Was wir noch verbessern würden:
Feinschliff für Lenkung und Fahrwerk
Das Kofferraumvolumen
Das Infotainment-System inklusive Sprachsteuerung und Navi updaten
Die Verkehrszeichen-Erkennung speziell im urbanen Bereich
Factbox: OMODA 9 PHEV SHS und Allrad
Motor/Antrieb
Motor: Reihen 4-Zylinder Benziner Turbo + 3x E-Motoren
Hubraum: 1.499 ccm
Leistung Benzinmotor: kW/PS: 105 kW/143 PS
Leistung Elektromotoren: kW/PS 340 kW/462,40 PS
Systemleistung: 395 kW/537,20 PS
Antrieb: Allrad
Getriebeart: DHT-Automatikgetriebe
0-100 km/h: 4,9 Sekunden
V-Max: 180 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert, l/100 km: 1,6 (WLTP)
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 2,2-8,5
CO2 Emissionen gewichtet: 38 g/km (WLTP)
Bremsen/Felgen/Reifen
Bremsen: VA + HA: Scheibe innenbelüftet
Felgen/Reifen: 245/50 R20
Gewicht und Maße
Leergewicht: 2.270 kg
L/B/H: 4,775 / 1,920 / 1,671 m
Radstand: 2,800 m
Kofferraumvolumen: 471 – 1.783 Liter
Tankinhalt: 70 Liter
Kraftstoff: Benzin + Strom
Preise
Omoda 9 PHEV zu haben ab: € 48.990
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 48.990
(c) Bilder: Sebastian Poppe
