SUV? Crossover? Sport-Fastback.
Die Alpine A390 GT wird auch gerne als Rennwagen im Maßanzug bezeichnet, wir bleiben dann doch lieber bei Sport-Fastback, diese Bezeichnung trifft das neue Modell am besten.
Können die Franzosen mit gleich 3 Elektromotoren, Torque Vectoring und beinahe 300 kW Leistung überzeugen?
Interieur: Sportlichkeit und erstklassige Haptik vereint!
Die Testversion ist mit den optionalen, zweifärbigen Sabelt Sportsitzen in Nappaleder ausgestattet – die Rückseite ist mit Forged Carbon versehen.
Die Sitzposition ist für diese Fahrzeugklasse erstklassig, die Ergonomie ebenfalls und auch bei der Materialwahl gibt es großes Lob bis ins kleinste Detail.
Die Hinterbänkler verspüren ein wenig die sportliche Eleganz des neuen Modells. Hier zwickt es bei großgewachsenen Passagieren sowohl bei Kopf- als auch Beinfreiheit. So richtig beschwert hat sich dennoch niemand, denn eine Fahrt mit der A390 GT würde wohl so rasch niemand ablehnen.












Beim Infotainment setzt man auf Android Automotive mit Google Maps und auf eine der besten Sprachsteuerungen. Apple Fans werden deren Schnittstelle sowieso bevorzugen und meist gelingt dies auch auf Anhieb.
Die Bedienelemente kommen aus dem Konzernregal (so ist auch der bekannte Lenkstockhebel für die Audioeinstellungen anzutreffen) und man erfreut sich dennoch über einzelne haptische Bedienelemente, die bei der Steuerung weniger Ablenkung mit sich bringen.
Mit dem Basis Kofferraumvolumen von 532 Liter wird man im Alltag auskommen – nach umklappen der Rücksitze kann man bis zu 1.643 Liter erweitern, womit man die Alpine A390 GT nicht als Hauptaugenmerk für Hobby-Spediteure verwandelt, aber im Alltag über reichlich Stauraum verfügt.
Der Innenraum ist erstklassig gedämmt, sodass man oftmals in den Genuss kommt das optionale Devialet Soundsystem mit 850 Watt zu testen – wir können es nur jedem empfehlen. Auf ein Head-up-Display muss man leider verzichten, dieses gibt es auch gegen Aufpreis nicht zu ordern.
Fahrverhalten und Lademanagement: Emotionen pur!
Wir sind mittlerweile in einer Zeit angelangt, wo rund 400 PS und 661 Nm für Elektromodelle keine Seltenheit mehr sind. Die meisten Stromer bringen auch weit über zwei Tonnen Gewicht mit sich, aber benötigen adaptive Dämpfer oder eine Luftfederung um nicht bei der ersten flotteren Kehre ungewollt abbiegen.
Bei der Alpine A390 GT haben die Ingenieure große Arbeit geleistet, denn neben den drei Elektromotoren und Allradantrieb (einer an der Vorderachse und zwei an der Hinterachse) verfügt man über Torque Vectoring, sodass jedes Rad separat mit Drehmoment – je nach Fahrsituation – angesteuert werden kann.
Die 4,8 Sekunden auf Tempo einhundert sind für ein Fahrzeug dieser Klasse beinahe schon Standard. Alpine Kunden wird dieser Wert auch nicht wirklich beeindrucken, denn diese achten auf Fahrspaß, Fahrverhalten auf kurvigen Strecken und Individualität.











Und genau hier kann die A390 GT im Vergleich zur Konkurrenz punkten.
Wir erwischen uns selbst oftmals, dass wir lieber den Weg über Landstraßen und kurvige Strecken wählen und auf Kurvenjagd deluxe gehen anstatt geradlinig auf der Autobahn die Kilometer runter zu spulen. Und genau das ist unserer Meinung das wohl größte Kompliment an das neue Alpine Modell.
Das Fahrzeug will sich nicht nur beim Außendesign von der Konkurrenz differenzieren auch bei der Abstimmung fährt es anders. Besser und mit mehr Emotionen.
Die Alpine A390 GT wirkt emotionaler, weniger nach SUV und mehr nach Performance. Deswegen haben wir sie auch Sport-Fastback genannt.
Die Lenkung wirkt uns im Normalmodus noch zu brav, sie dürfte mehr Feedback liefern und auch straffer abgestimmt sein. Im Sportmodus liefert diese mehr Rückmeldung, ist aber noch immer zu leichtgängig für solch ein sportliches Modell. Cool finden wir, dass man auf adaptive Dämpfer als auch eine Hinterachslenkung verzichtet hat und den Sportcharakter leben lässt.
Das Fahrwerk ist deswegen aber keinesfalls brettelhart, es ist eben sportlich ausgelegt, lässt aber Unebenheiten und kurze Stöße nicht in den Innenraum durchdringen.
Auch bei der Verzögerung hat man große Arbeit geleistet. Die Rekuperationsstufen kann man am Sportvolant einstellen – eine Mischung aus Energierückgewinnung und erstklassiger Dosierung der Bremsanlage zeigte im Test die beste Auswahlmöglichkeit.
Bei der Effizienz schlägt sich die A390 GT – je nach Fahrprofil – mit rund 21-25 kWh pro 100 Kilometer recht sparsam, aber keinesfalls spaßarm. Rund 380 Kilometer Reichweite bei einem SoC von 10 % sind problemlos möglich. Rund eine halbe Stunde sollte man am Schnelllader einplanen, um auf 80 % den Akku zu füllen. Meist verbringt man diese Zeit mit zahlreichen Passanten, welche die technischen Daten abrufen oder gerne mal eine Sitzprobe erfragen.
Unser Fa(hr)zit:
Die Alpine A390 GT ist nicht nur ein Eye-Catcher, das neue Elektromodell überzeugt auch mit feinster Verarbeitung, sportlicher Abstimmung im Interieur und emotionalen Fahrverhalten. Verbesserungsbedarf gibt es noch bei der Feinabstimmung der Lenkung. Preislich bewegt man sich klarerweise auf Premium-Niveau. Die zweite Sitzreihe ist für großgewachsene Passagiere nur für kürzere Etappen zu empfehlen, wobei so richtig beschwert hat sich keiner.
Was uns gefällt:
Die erstklassige Verarbeitung
Die sportliche Abstimmung
Die logische Bedienung
Was wir noch verbessern würden:
Ein Head-up-Display optional anbieten
Die Lenkung noch straffer abstimmen
Die Optionsliste in Pakete packen
Factbox: Alpine A390 GT
Motor/Antrieb
Motor: 3 E-Motoren (1x Front EESM, 2x Heck PSM)
Leistung kW/PS: 295/400
Batteriekapazität netto: 89 kWh
Batterietyp: Lithium-Ion – NMC
Drehmoment: 661 Nm
Antrieb: Allradantrieb inkl. Torque Vectoring
Getriebeart: 1-Gang Automatik
0-100 km/h: 4,8 Sekunden
V-Max: 200 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert: 18,9-20,9 kWh/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 21,0 kWh/100 km
Werksangabe Reichweite: 551-497 km kombiniert
Ladedauer (Herstellerangaben)
Ladedauer Wallbox 11 kW (Ladezeit bis 100 %): ca. 9 Stunden 45 Minuten
Gleichstrom-Schnellader, bis zu 150 kW (Ladezeit 10% – 80 %): ca. 29 Minuten
Bremsen/Reifen/Felgen
Bremsen: VA: Scheibenbremsen (innenbelüftet) HA: Scheibenbremsen (innenbelüftet)
Felgen/Reifen: 245/45 R20
Gewicht und Maße
Leergewicht: 2.124 kg
L/B/H: 4,615 m / 1,885 m / 1,532 m
Radstand: 2,708 m
Kofferraumvolumen:532 bis 1.643 Liter
Preise
Alpine A390 GT zu haben ab: € 67.500,-
Preis Testfahrzeug inkl. MwSt.: € 79.829,99,-
Sonderausstattung
20-Zoll Alu-Felgen Cristal Noir Matt € 400
22 kW AC Onboard Lader € 1.200
Alpine Sabelt Sportsitze in Nappaleder zweifarbig € 2.500
Alpine Sabelt Sportsitze mit Forged Carbon Rückseite € 1.400
Alpine Telemetrics Expert € 490
Bremssättel in Rouge Racing € 500
Dachhimmel Alcantara Noir € 750
Devialet Xtreme Soundsystem € 1.200
Driving Paket € 1.200
Französische Flagge auf der C-Säule € 90
Noir Profond € 1.600
V2L Adapter € 400
(c) Bilder: Sebastian Poppe
