In letzter Zeit häufen sich die Auftritte von bislang völlig unbekannten SUV-Modellen mit futuristischem Design und bislang absolut unbekannten Logos am Blech. Die Welle, der für uns Europäer völlig unbekannten Marken schwappt unaufhörlich aus China zu uns herüber – eine davon ist Omoda.
Hinter dieser neuen Marke steht der staatliche chinesische Autokonzern Chery, welcher auch die Schwestermarke Jaecoo sein Eigen nennt. Gebaut werden die europäischen Modelle übrigens in Spanien in der Nähe von Barcelona. Diese geballten Fernost-Kraftpakete stehen meist Tür an Tür im Schauraum und sollen den sattelfesten Export der Marken nach Europa sichern.
Wir durften als Testfahrzeug den Omoda 5 mit Topaustattung und Hybridantrieb unter die Lupe nehmen, um zu sehen ob nicht nur der Preis, sondern auch das Produkt den Kampf gegen die Weltkonkurrenz aufnehmen kann.

Exterieur: Klassischer SUV mit futuristischem Design
So neu der Marktaufritt der Marke auf uns wirkt, so tut es auch das Design. Der Omoda 5 fängt zahlreiche Blicke der Passanten und Verkerhsteilnehmer und will vom Einheitsbrei in diesem Segment Abstand halten.
Ob es als gelungen gilt oder nicht, das wird sich an den Verkäufen messen lassen. Der Omoda 5 braucht sich keinesfalls vor der Konkurrenz verstecken. Die coupé-artige Silhouette mit viel sanft geschwungenem Blech lässt von der Seite nichts Außergewöhnliches erkennen. Doch bei der Frontansicht ändert sich das schlagartig. Der riesige rahmenlose Kühlergrill und die weit nach außen und oben verlegten LED-Lichter bilden mit dem Omoda Schriftzug ein völlig neues Gesicht.
Die Heckpartie wird dominiert von einem schmalen Leuchtenband, welches auffällig weit an den Ecken hinausgezogen wurde und das Heck deutlich breiter wirken lässt. Ein Hingucker ist er allemal, dies gilt auch für die Preisliste.



Interieur, Platzangebot und Sicherheit: Wertig, modern mit kleinen Schwächen
Die Armaturenlandschaft ist fast klassisch aber mit moderner Bildschirmtechnik ausgestattet. Leider sind fast alle Bedienungselemente über das große Display in Untermenüs vergraben. Mehr Bedienung mit einer entsprechenden Haptik wären schön – ein Regler für die Audiolautstärke ebenso. Auch die am Multifunktionslenkrad verbauten Einheiten für Tempomat und Konsorten überzeugen nicht, da diese häufig ablenken. Schade finden wir auch, dass der Omoda 5 Hybrid über kein Navi verfügt.
Die mit gutem Seitenhalt und Sitzkomfort ausgestatteten Hocker, sind voll elektrisch einstellbar und verfügen sowohl über eine Sitzheizung als auch Sitzkühlung. Das Schiebedach erhellt die Lederausstattung und nebenbei kann das Gehör mit Sony-Sound verwöhnen. Leider hat die Anlage nicht immer den besten Empfang parat.
Das Platzangebot ist klassentypisch und stößt auch im Fond nicht an seine Grenzen. Auch dort ist die Beinfreiheit gut, obwohl die Sitzfläche etwas höher sein könnte. Als großgewachsener Fahrer wird es hinter dem Lenkrad etwas knapp mit der Kopffreiheit, selbst wenn der Sitz auf den tiefsten Niveau eingestellt ist. Mit nicht gerade üppigen 300 Litern Kofferraumvolumen wird man Großeinkäufe eher meiden. Dafür steht noch eine doppelter Kofferraumboden zur Verfügung und bietet Platz für Kleinkram wie Verbandszeug und Pannendreieck.
Bei den Ablageflächen wurde nicht gegeizt. So beherbergt zum Beispiel die freischwebende Mittelkonsole eine induktive Lademöglichkeit, zwei Getränkehalter ein üppig dimensioniertes Fach in der Mittelarmlehne, ein riesiges frei zugängliches Fach mit Micro-USB Anschlüssen unter der schwebenden Mittelkonsole steht dazu auch noch zur Verfügung.
Punkto Konnektivität und Sicherheit ist der Hybrid-Chinese trotz des günstigen Preises nicht unterdimensioniert. Manche Dinge dauern vielleicht ein wenig länger oder benötigen ein wenig mehr Aufmerksamkeit, doch man kommt auch hier ans Ziel seiner Bedienungswünsche. Der NCAP-Test wurde mit 5 Sternen bestanden und die Helferlein für den Fahrer sind auf modernen Stand und vor allem nicht mit einem Dauergepiepse versehen.






Antrieb: Sparsame Hybridlösung mit dem gewissen Etwas
Der Omoda 5 verfügt über einen Vollhybrid-Antriebsstrang, welcher dafür sorgt, dass man auch ohne einem Ladestopp oftmals rein elektrisch cruist. Ein sogenanntes Dedicated Hybrid Transmission (DHT) mit drei virtuellen Gängen und zwei Elektromotoren sorgt zusammen mit dem 1,5 Liter Turbobenziner für ein hochkomplexes Antriebssystem, um den Verbrauch so niedrig als möglich anzusiedeln. Bei unserem Test pendelten sich die realen Werte bei rund 6 Liter Super auf 100 Kilometer ein, womit es auch hier nichts zu nörgeln gibt.
Dem China-SUV steht in dieser Variante eine Systemleistung von 165 kW/ 225 PS zur Verfügung und diese wird über die Vorderräder auf den Asphalt gebracht. Die Leistung passt gut zu dem Gewicht von rund 1,6 Tonnen und lässt den Omoda 5 Hybrid keineswegs lahm durch die Straßen ziehen. Gerne hätte man auf die Fake-Auspuffblenden verzichten können, das hätte besser zum Gesamtbild des Fahrzeugs gepasst.

Fahreindrücke: Günstige Alternative mit gewissen Abschlägen
Ein kraftvoller Antrieb bei überschaubarem Fahrzeuggewicht ist eigentlich schon vorab ein Garant für Fahrspaß. Vor allem der Hybridantrieb macht Freude sorgt dank guter Dämmung und kräftigem Durchzug bei moderatem Verbrauch für einen dicken Pluspunkt. Leider hinkt das Fahrwerk etwas hinterher und trübt den Fahrspaß durch teilweise polternde oder schwammige Rückmeldungen, welche aufgrund der sehr smoothen Abstimmung zustandekommen. Auch bei der Lenkung ist nur die einstellbare sportliche Weiterleitung zum Asphalt die einzige halbwegs akzeptable Art, um den Omoda 5 Hybrid zielgenau manövrieren zu können.






Fazit
Der Omoda 5 Hybrid punktet an einigen Fronten, schwächelt aber auch hier und da.
An oberster Stelle steht klarerweise das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis (inklusive der umfangreichen Serienausstattung), die Effizienz als auch die erstklassige Materialwahl, die man bei zahlreicher Konkurrenz vermisst.
Verbesserungspotential vermeldet die recht gefühllose Lenkung als auch das recht weich abgestimmte Fahrwerk. Ebenso die sehr hohe Sitzposition und das schmale Kofferraumvolumen. Bei der Bedienung würde man sich mehr haptische Tasten und Drehregler als auch ein besser strukturiertes Menü wünschen.

Was uns gefällt:
- Die Preisgestaltung
- Das Antriebskonzept und die Leistung
- Das Platzangebot
Was wir noch verbessern würden:
- Die zu hohe Sitzposition (zumindest für großgewachsene Fahrer)
- Das schmale Kofferraumvolumen
- Das Fahrwerk und die Lenkung mit mehr Präzision versehen
Factbox: OMODA 5 Hybrid SHS
Motor/Antrieb
Motor: Reihen 4-Zylinder Benziner Turbo
Hubraum: 1.499 ccm
Leistung Benzinmotor: kW/PS: 105 kW/143 PS
Leistung Elektromotoren: kW/PS 150 kW/204 PS
Systemleistung: 165 kW/225 PS
Antrieb: Frontantrieb
Getriebeart: DHT-Automatikgetriebe
0-100 km/h: 7,9 sec
V-Max: 175 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert, l/100 km: 5,5 (WLTP)
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 6,2
CO2 Emissionen gewichtet: 120 g/km (WLTP)
Abgasnorm: Euro 6e EB
Bremsen/Felgen/Reifen
Bremsen: VA + HA: Scheibe innenbelüftet/Scheibe
Felgen/Reifen: 215/55 R18
Gewicht und Maße
Leergewicht: 1.621 kg
L/B/H: 4,447 / 1,824 / 1,588 m
Radstand: 2,610 m
Kofferraumvolumen: 300 – 1.079 Liter
Tankinhalt: 51 Liter
Kraftstoff: Benzin
Preise
Omoda 5 HEV zu haben ab: € 26.490.-
Omoda 5 HEV mit SHS Premium Line zu haben ab: € 29.990.-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 29.990.-
(c) Bilder: Sebastian Poppe

