Das Facelift des neuen Opel Astra ist nicht zu übersehen. Es handelt sich also nicht um lediglich kleine Überarbeitungsmaßnahmen des Frontsplitters, die Rüsselsheimer haben deren Erfolgsmodell ordentlich aufgefrischt. Neben der Wahl zwischen 5-Türer und Sports Tourer stehen auch verschiedenste Antriebsversionen (Mildhybrid, Diesel Plug-in-Hybrid und Elektro) zur Wahl. Darüber hinaus sind diese jeweils in vier Ausstattungsvarianten gegliedert. Wir fuhren im Test den Sports Tourer als rein elektrische Version in der Ausstattungslinie Ultimate. Kann der Vollzeit-Stromer überzeugen? Bzw. wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?
Interieur: Haptische Bedienelemente trotz Touchscreens und erstklassige Sitze!
Die Klavierlack-Oberflächen der Vorfacelift-Version sind Geschichte. Bei der Materialwahl wählt Opel einen bunten Mix, sorgt aber für weiche Oberflächen, sodass Hartplastik Elemente lediglich im unteren Bereich verbaut sind.
Die Bedienung erfolgt intuitiv und auch die Steuerung über die Elemente am Volant läuft tadellos. Großes Lob verdienen auch die speziellen AGR-Sitze (Serie ab der Ausstattungslinie GS, darunter sind die Intelli Sitze immer serienmäßig), welche neben gutem Seitenhalt auch jede Menge Sitzkomfort spendieren.
Zwei Bildschirme mit jeweils 10-Zoll bilden das sogenannte Pure Panel – die Menüstruktur der zum fahrerorientieren Infotainment-Zentrale dürfte gerne noch strukturierter sein. Speziell beim Test der E-Version vermisst man ein übersichtliches Lademenü bzw. auch eine Ladeplanung mit Filterfunktion.
Die Platzverhältnisse fallen für einen Kompakt-Kombi in beiden Reihen ausreichend aus. Das Kofferraumvolumen ist trotz der E-Version mit 516 Liter ausreichend, lobenswert ist auch die niedrige Ladekante als auch die elektrische Heckklappe. Die Sitze können im Verhältnis 40:20:40 umgelegt werden.











Exterieur: Neues Markengesicht!
Die Rüsselsheimer strahlen, so auch die geliftete Astra-Front. Erstmals ist das Opel Logo bei allen Versionen standardmäßig beleuchtet. Die Front trägt das neue, geschärfte Markengesicht in Form des Opel Vizor. In der Topversion hatten wir auch das Matrix LED mit an Bord, welches speziell bei Nacht mit über 51.000 einzelnen Elementen die Fahrbahn erstklassig ausleuchtet.










Fahrverhalten und Lademanagement: Hohe Effizienz und niedriges Leergewicht
Der rein elektrische Astra SW verfügt über einen 115 kW / 156 PS Elektromotor, dieser speist die Energie aus dem 58,3 kWh Akku (nutzbar 55,4), das sind 4 kWh mehr als bisher. Die Kräfte werden per Automatik an die Vorderräder weitergeleitet. Lediglich bei nasser Fahrbahn und sportlichen Druck aufs Gaspedal kämpfen die Vorderräder mit den rasch anliegenden 270 Nm, bei dosierter Kräfteübermittlung wirkt der Astra eher komfortabel.
Die E-Version zählt eben keinesfalls zu den Performance-Talenten unter den Stromer – der Sprint aus dem Stand auf Tempo einhundert gelingt in 9,5 Sekunden.
Auch bei der Ladeleistung wird man mit den maximalen 100 kW keine Preise gewinnen, denn im Schnitt bewegt man sich DC bei 50-60 kW.
Die Ladedauer beträgt in der Praxis rund 35 Minuten am Schnelllader.
Viel mehr punktet der rein elektrische Astra Kombi mit einem recht niedrigen Leergewicht für ein Elektrofahrzeug als auch für einen recht effizienten Verbrauch. Im Test konnten wir einen kombinierten Wert von lediglich 15,2 kWh pro 100 Kilometer mit dem rund 1,8 Tonnen Kombi erzielen, womit 330 Kilometer bei einem SoC von 100-10 Prozent ohne Ladestopp möglich sind.
Großes Lob verdient das Fahrwerk, welches einen erstklassigen Mix zwischen Komfort und Sportlichkeit bietet. Erstmals verfügt die rein elektrische Astra Version über Schaltpaddles, womit die einzelnen Rekuperationsstufen gewählt werden können.
Auf Autobahn-Etappen arbeitet der adaptive Tempomat in Kombination mit dem Spurhalter erstklassig zusammen. Die Deaktivierung etwaiger Assistenzsysteme klappt vorbildlich per Knopfdruck, womit beispielweise der Geschwindigkeitswarner deaktiviert werden kann.
Apropos Ruhe: Sehr angenehm fällt die Dämmung des Interieurs aus – hier schlägt sich der Vollzeit-Stromer besonders auf Autobahn-Etappen vorzüglich.
Unser Fa(hr)zit:
Der geliftete Opel Astra zeigt sich auch als Sports Tourer deutlich sportlicher und moderner. Die Elektro Version punktet mit einem niedrigen Testverbrauch, einem niedrigen Leergewicht und einer niedrigen Ladekante. Großes Lob gibt es für die Bedienung mit haptischen Elementen und die erstklassigen AGR-Sitze.
Verbesserungsbedarf gäbe es noch bei der maximalen Ladeleistung, das Infotainment bräuchte noch mehr Struktur und ein übersichtliches Lademenü inklusive Routenplanung. Preislich liegt man mit der E-Version leider um € 10.500 von der Mildhybrid-Version in gleicher Ausstattung entfernt.
Was uns gefällt:
Die erstklassigen AGR-Sitze
Der niedrige Testverbrauch
Die niedrige Ladekante
Das aufgefrischte Design
Die haptischen Bedienelemente
Was wir noch verbessern würden:
Die maximale Ladeleistung
Die Bedienstruktur der Infotainment-Zentrale
Ein Lademenü inkl. Routenplanung mit Filterfunktion
Factbox: Opel Astra Sports Tourer Electric Ultimate
Motor/Antrieb/Akku
Motor: Elektrisch erregter Synchronmotor
max. Leistung kW/PS: 115 kW/ 156 PS
Drehmoment: 270 Nm
Batterietyp: Li-Ionen
Elektrische Speicherkapazität in Kilowattstunden: 58,3 kWh (netto: 55,4 kWh)
Antrieb: Vorderrad
Getriebeart: Automatik
0-100 km/h: 9,5 Sekunden
V-Max: 170 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert: 14,5-16,2 kWh/ 100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 15,2 kWh/ 100 km
Reichweite nach WLTP: bis zu 445 km
CO2-Emissionen: 0 g
Ladedauer (Herstellerangaben)
Wallbox, 11 kW: ca. 3 Stunden und 20 Minuten.
Gleichstrom-Schnelllader max. 100 kW (bis 80%): ca.32 Minuten
Reifen/Felgen/Bremsen
Bremsen: VA: Scheibenbremsen innenbelüftet HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: 215/45 R18 (Testversion)
Gewicht und Maße
Leergewicht: 1.765 kg
L/B/H: 4,642/ 1,859/ 1,463-1,498 m
Radstand: 2,732 m
Kofferraumvolumen: 516-1.553 Liter
Preise
Opel Astra Sports Tourer zu haben ab: € 29.890,-
Opel Astra Sports Tourer Electric zu haben zu haben ab: € 40.390,-
Opel Astra Sports Tourer Electric Ultimate zu haben ab: € 46.090,-
(c) Bilder: Sebastian Poppe
