Mit dem BYD ATTO 2 rüstet sich der chinesische Hersteller für das hart umkämpfte Segment der kompakten Elektro-SUVs. Der Fokus ist klar: umfangreiche Ausstattung, alltagstaugliche Technik und eine attraktive Preispolitik – doch reicht das für das hart umkämpfte Segment?








Interieur: Hochwertige Materialwahl, aufgeräumtes Cockpit, aber kaum haptische Bedienelemente
Physische Tasten finden sich lediglich am Multifunktionslenkrad sowie auf der Mittelkonsole. Die restliche Steuerung erfolgt direkt über die Infotainment-Zentrale per Touch.
Mit rund 4,31 Meter Länge bietet das Fahrzeug überraschend viel Platz, vor allem im Fond geht es großzügiger zu als bei vielen Konkurrenten. Auch der Kofferraum fällt mit bis zu rund 1.300 Litern ordentlich aus. Im Innenraum überzeugt das Fahrzeug mit moderner Optik: großes Touchdisplay, digitales Cockpit und eine insgesamt hochwertige Verarbeitung und Materialwahl für diese Preisklasse.
Das Cockpit ist recht clean gestaltet und die Anzahl haptischer Knöpfe wurde leider auf ein Minimum reduziert. Kleiner Minuspunkt sind die Getränkehalter, welche für europäische Getränkedosen überdimensioniert sind.











Umfangreiche Fahrassistenz mit peniblen Eingriffen
Bereits in der Basis bietet der ATTO 2 ein umfangreiches Paket an modernen Fahrerassistenzsystemen. Für ein Fahrzeug dieser Preisklasse ist die Ausstattung überdurchschnittlich – auch wenn die peniblen Eingriffe oftmals nerven.
Schon in der Einstiegsversion („Active“) sind viele wichtige Sicherheitsfeatures inkludiert, in der Topvariante unseres Testfahrzeugs kommen dann noch einige Extras wie zum Beispiel 360-Grad-Kamera, Parkassistent vorne & hinten sowie eine Rückfahrkamera hinzu.
Etwas Feintuning würden ein paar der Assistenzsysteme noch benötigen. Der Spurhalteassistent greift teilweise viel zu stark und ruckartig ein, sodass man diesen oftmals bereits vor Fahrtantritt deaktiviert. Besonders die Innenraumüberwachung ist ein echter Dorn im Auge. Der Fahrer wird durch überkritische Aufmerksamkeitswarnungen häufig ermahnt, selbst dann, wenn man beim Spurwechsel einen Schulterblick anwendet oder man bei unübersichtlichen Kreuzungen eine penible Blicktechnik anwendet.
Fahrverhalten: Probier’s mal mit Gemütlichkeit
Der ATTO 2 wird in der Topversion von einem Frontmotor mit 150 kW (204 PS) angetrieben. Damit beschleunigt der SUV in knapp 8 Sekunden auf 100 km/h – absolut ausreichend im Alltag.
Im Stadtverkehr spielt der Antrieb seine Stärken aus und liefert dabei auch hohe Effizienz. Bei höheren Tempi und nasser Fahrbahn würde man sich hie und da auch Allradantrieb wünschen, da die Vorderachse bei einem zu starken Tritt aufs Gaspedal teilweise Traktionsprobleme aufweist.
Die Lenkung wirkt zwar straff aber nicht besonders direkt und dürfte gerne noch mehr Feedback spendieren. Auch das Fahrwerk des ATTO 2 ist eher komfortabel abgestimmt ohne dabei zu soft zu wirken.
Reichweite und Ladedauer: Zwei Batteriegrößen und konstante Ladewerte
Der BYD ATTO 2 wird mit zwei Batteriegrößen angeboten. Die Ausstattungslinien Active und Boost werden mit einem 45 kWh Akku ausgeliefert. Die Topversion, welche wir im Test gefahren sind verfügt über einen 64,8 kWh Akku. Große Unterschiede gibt es auch bei der Ladeleistung – so müssen die Ausstattungslinien Active und Boost mit maximal 65 kW auskommen, die Topversion kann laut Hersteller mit maximal 155 kW laden.
Dies schlägt sich auch bei der Ladezeit nieder. Rund 120 kW maximale Ladeleistung konnte der ATTO 2 im Test erreichen, damit ist die Ladung von 10-80 Prozent in rund einer halben Stunde abgeschlossen. Die Blade Batterie ist ja bekannt dafür, dass die durchschnittliche Ladeleistung deutlich länger gehalten werden kann.
Für Skeptiker eines reinen E-Modells bietet BYD den ATTO 2 auch als Plug-in-Hybrid-Modell (DM-i) an, hier werkt noch ein 1,5-Liter Benziner unter der Haube (wobei dieser lediglich als Generator dient) und dieser den E-Motor beliefert.
Aller guten Dinge sind drei, auch im Falle des BYD ATTO 2. Die breite Antriebspalette und die faire Preispolitik sprechen ganz klar für den ATTO 2.
Beim Thema Garantie bietet BYD aber von Anfang an ein solides Paket:
Der ATTO 2 kommt mit einer 6-Jahres-Neuwagengarantie (bis 150.000 km). Auf die Blade-Batterie gibt es 8 Jahre Garantie bis 200.000 km, was für Sorgenfreiheit beim wichtigsten Bauteil sorgt.
Unser Fa(hr)zit:
Der BYD ATTO 2 ist ein ausgewogener, preisbewusster & gut ausgestatteter Kompakt‑SUV mit viel Alltagspotenzial – besonders auf Stadt und Pendelstrecken, mit kleinen Abstrichen bei Assistenzsystemen und Fahrdynamik.
Der ATTO 2 erfüllt seinen Zweck als komfortabler, alltagstauglicher Elektro‑SUV mit guter Ausstattung und fairem Preis.
Was uns gefällt:
Das Platzangebot für einen Kompakt SUV
Preis/Leistungsverhältnis
Die Verarbeitung im Innenraum
Was wir noch verbessern würden:
Mehr Feingefühl für den Spurhalter
Überarbeitung der Innenraumüberwachung
Feintuning beim Lenkverhalten
Factbox: BYD ATTO 2 Comfort
Motor/Antrieb
Motor: Permanentmagnet-Synchronmotor
Leistung kW/PS: 150 kW / 204 PS
Batteriekapazität netto (kWh): 64,8
Batterietyp: Blade Battery (LFP)
Drehmoment: 310 Nm
Antrieb: Frontantrieb
Getriebeart: 1-Stufig
0-100 km/h: 7,9 Sekunden
V-Max: 160 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert: 17,4 kWh/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 19,5 kWh/100 km
Werksangabe Reichweite: 430 km kombiniert
Ladedauer (Herstellerangaben)
Ladedauer Wallbox 11 kW (Ladezeit 0 bis 100 %): ca. 7,2 Stunden
Gleichstrom-Schnellader, max.155 kW (Ladezeit 10% – 80 %): ca. 25 Minuten
Bremsen/Reifen/Felgen
Bremsen: VA+HA: Scheibenbremsen (innenbelüftet)
Felgen/Reifen: 215/60 R17
Gewicht und Maße
Leergewicht: 1.720 kg
L/B/H: 4,31 x 1,83 x 2.06 m
Radstand: 2,62 m
Kofferraumvolumen: von 450 bis maximal 1.370 Liter
Preise
BYD ATTO 2 zu haben ab: € 32.490,- / € 26.900 (abzüglich aller Boni)
BYD ATTO 2 Comfort Line zu haben ab: € 38.990,-
Preis Testfahrzeug inkl. MwSt.: € 33.230,- (abzüglich aller Boni)
– Eintauschbonus € 2.000,-
– BYD E-Mobilitätsbonus Plus € 4.000,-
– BYD Lease Bonus € 1.000,-
Sonderausstattung
Außenfarbe Hiking Green € 750,-
Zzgl. Ö-Paket (Unterbodenversiegelung, Ladekabel) € 490,-
(c) Bilder: Sebastian Poppe, Text: Markus Vesely
