Der GLE hat bereits in der Diesel-PHEV Version einen sehr luxuriösen und benutzerfreundlichen Eindruck hinterlassen. Auch bei der Reichweite und Effizienz gab es nichts zu kritisieren.
Nun fahren wir den die AMG-Version als 53er Hybrid und testen auch die Langstrecken-Gene des Oberklasse Sport-SUV.
Auch hier handelt es sich um einen Doppelherz-Antrieb – bereits der Sechszylinder-Verbrenner leistet 330 kW / 449 PS. Die Eskalationsstufe bildet die 63 S 4MATIC+ Version mit 612 PS plus zarter Mildhybrid-Power, aber eben ohne NoVA-Ersparnis. Da sprechen wir in Österreich bei der Differenz des Einstiegspreises über einen sechsstelligen Betrag. Auweh.



Interieur: Erstklassige Haptik, luftige Raumverhältnisse und intuitive Bedienung!
Bereits die Außenlänge von 4,94 Meter und der Radstand von drei Meter lassen kaum Zweifel an den luftigen Raumverhältnissen zweifeln. Ebenso großzügig und edel geht es auch bei der Materialwahl zu – lediglich die Lenkstockhebel dürfte man gerne noch ein wenig mit Alu veredeln.
Mag schon sein, dass das Cockpit des GLE etwas in die Jahre gekommen wirkt, das hat aber auch einige Vorteile, denn man muss sich nicht unzählige Minuten bei der Bedienung Zeit nehmen. Hier ist alles klar und intuitiv angeordnet – und man verfügt tatsächlich noch über haptische Bedienelemente und auch die Klimaeinheit ist außerhalb der Infotainment-Zentrale positioniert.
Fahrer- und Beifahrer nehmen auf zig verstellbaren Sitzen mit gutem Seitenhalt, jeder Menge Komfort und sogar verschiedenen Massagefunktionen Platz (und ja, die Sitze sind auch beheiz- und kühlbar).
Für sehr elegante Töne ist nicht nur der Reihensechser bekannt, auch das Burmester-Soundsystem sorgt für satten Klang.












Darüber hinaus reist man auch in zweiter Reihe sehr komfortabel – selbst großgewachsene Passagiere haben hier keine Chance weder über eingeschränkter Kopf- oder Beinfreiheit ansatzweise zu meckern.
Das Ladeabteil fällt bei den PHEV-Versionen um 140 Liter geringer aus, sprich in der Basis stehen 490 Liter zur Verfügung. Die Taschen der Ladekabel haben leider keine Verstaumöglichkeit, da unter der Ladefläche der Akku sitzt.
Dennoch lieben wir die im Verhältnis 40:20:40 umlegbare Rückbank, denn so können auch die Race-Carver in der Mitte durchgeladen werden.
Sollte die Rückbank mal nicht besetzt sein, so kann das Ladevolumen bis auf 1.915 Liter erweitert werden.
Antrieb und Lademanagement: Das Beste aus zwei Welten!
Das Antriebsduo besteht aus einem Dreiliter-Reihensechszylinder mit 449 PS und einem E-Motor mit 170 PS – der Akku speichert rund 25 kWh netto. Die Gänge werden via 9-Stufenautomatik an alle vier Räder weitergeleitet. Die Systemleistung beläuft sich auf 544 PS und 750 Nm. Damit gelingt der Sprint auf Tempo einhundert in nur 4,7 Sekunden. Das ist für ein knapp fünf Meter SUV mit 2,8 Tonnen Leergewicht schon eine Ansage.
Die rein elektrische Reichweite beläuft sich auf rund 70 Kilometer – dann genehmigt sich der GLE 53 AMG Hybrid mit optionalem DC-Anschluss maximal 60 kW Ladeleistung – die Ladedauer beträgt lediglich eine halbe Stunde (10-80 Prozent in 20 Minuten). Mit entsprechender Ladedisziplin konnten wir teilweise sogar 6,5 Liter Super Plus und rund 25 kWh pro 100 Kilometer vom Tacho ablesen. Im reinen Verbrenner Betrieb mit Super Plus waren es rund 11 Liter pro 100 Kilometer.







Das klingt ja alles wunderbar, aber ist der PHEV-Antriebsstrang auch tadellos abgestimmt und liefert dieser auch in Kombination die gewünschte Performance?
Ja, der Reihensechser liefert trotz des recht hohen Leergewichts unglaubliche Power. Auch der Übergang zwischen Verbrenner und Elektro könnte feiner nicht abgestimmt sein. Keine Gedenksekunde, kein Rucken oder etwaige Merkmale für einen holprigen Übergang. Je nach Fahrmodi ändert auch die Neunstufen-Automatik deren Kennlinie.
Im Sport Plus Modus wirkt der GLE 53 HYBRID dann schon Sportwagen-like. Die Sportabgasanlage mit deren vierflutiger Anordnung sorgt hier für ein Konzert der Sonderklasse, sodass auch Pops and Bangs im schärfsten Modus die Performance unterstreichen. Generell wirkt der GLE 53 HYBRID hier aber eher elegant sportlich und posaunt sehr seidig aber keinesfalls annährend peinlich. Die Lenkung als auch die Luftfederung machen einen präzisen Job – das sportlichere Setup ist besonders bei langgezogenen Kehren ein wahrer Traum, da auch die Wankbewegungen deutlich reduziert werden. Zwar rollt das Sport-SUV etwas härter ab und läuft auch hie und da mal mit seinen 285ern an der Vorderachse den Spurrinnen nach, lässt aber trotz der 22-Zöller niemals ein unangenehmes, holpriges Fahrgefühl aufkommen. Auf Langstrecken muss es nicht zwingend das schärfste Setup sein, denn hier genießt man auch gerne mal die erstklassige Dämmung des Sport-SUV – via Drehregler am Volant ist man bei der AMG-Version eben breit aufgestellt.
Auch bei der Entschleunigung liefern die Affalterbacher hohe Präzision und eine gute Dosierung beim Anbremsen.


Preislich startet der GLE 53 HYBRID bei € 122.190. Zwischen Einstiegspreis und Testwagen-Konfiguration liegen rund 22.000 Euro, wobei man dann kaum mehr Optionen wählen kann.
Unser Fa(hr)zit:
Der Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID bietet nicht nur starke Effizienz, er hinterlässt trotz des recht hohen Leergewichts auch ein unglaubliches Performance-Level. Die Materialwahl, die Platzverhältnisse als auch die intuitive Bedienung erfreuen bei jeder Fahrt. Mittels optionaler Schnelllademöglichkeit und großem Akku ist man im urbanen Bereich als auch auf den klassischen Stau-Routen meist rein elektrisch unterwegs.
Für uns ist der GLE 53 HYBRID ein Multitalent mit echten AMG-Genen, die man sehr zu schätzen lernt. Somit scheitert es bei den meisten wohl lediglich an der doch recht gesalzen Preispolitik. Der GLE 63 S 4MATIC+ startet bei € 235.990, womit man die NoVA-Ersparnis bei der 53er Version sehr zu schätzen lernt.
Was uns gefällt:
Die intuitive Bedienung
Die Kombination aus ultimativer Performance und hoher Effizienz
Die Materialwahl
Die Raumverhältnisse
Das Burmester Soundsystem
Der sportliche Klang
Die 40/20/40 teilbare Rückbank
Was wir noch verbessern würden:
Unseren Kontostand
Factbox: Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID 4MATIC+
Motor/Antrieb
Motor: Reihen 6-Zylinder inkl. PHEV
Hubraum: 2.999 ccm
Benzin-Aggregat: Leistung kW/PS: 330 kW/449 PS
Elektro-Aggregat: Leistung kW/PS: 125 kW/ 170 PS
Systemleistung kW/PS: 400 kW/ 544 PS
Elektrische Reichweite laut Hersteller: 89 Kilometer
Elektrische Speicherkapazität in Kilowattstunden: 24,84 kWh
Antrieb: Allrad
Getriebe: 9-Gang Automatik
0-100 km/h: 4,7 Sekunden
V-Max: 250 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert (gewichtet): 4 l/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 6-10,9 l/100 km
CO2 Emissionen (gewichtet): 92 g/km (WLTP)
Ladedauer (Herstellerangaben)
Ladedauer Wallbox 11 kW: 0% – 100 %: 2,75 Stunden
Gleichstrom-Schnelllader (max. 60 kW): 10% – 80%: 29 Minuten
Bremsen/Felgen/Reifen
Bremsen: VA+HA: Scheibenbremsen gelocht + geschlitzt
Felgen/Reifen: VA: 285/40 R22; HA: 325/35 R22
Gewicht und Maße
Leergewicht: 2.800 kg
L/B/H in Meter: 4,937 m / 1,999 m / 1,782 m
Radstand in Meter: 2,995 m
Tankinhalt: 65 Liter
Kraftstoff: Super Plus / Strom
Preise
Mercedes-AMG GLE 53 HYBRID 4MATIC+ zu haben ab: € 122.190,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und MWSt: € 144.504
Sonderausstattung (netto):
Doppelte Sonnenblende € 95
Anhängevorrichtung mit ESP Anhängerstabilisierung € 975
Anhängerrangier-Assistent € 350
AMG Tankdeckel € 100
On-board DC-Lader € 500
Trittbretter beleuchtet in Aluminium-Optik mit Gumminoppen € 625
Sitzheizung im Fond € 360
AMG Zierelemente in Carbon € 1.750
Energizing Air Control € 150
AMG Night Paket € 560
Guard 360 Grad Fahrzeugschutz Plus mit digitalen Extras € 570
Winter-Paket € 360
Magic Vision Control € 185
Premium Plus € 6.475
22-Zoll AMG-Schmiederäder mit Kreuzspeichen-Design € 2.450
Trennnetz zur Gepäckraumabtrennung und Insassenschutz € 110
AMG-Hochleistungs-Verbundbremsanlage € 680
(c) Bilder: Sebastian Poppe
