Bereits seit 23 Jahren ist der Mazda6 (in drei Generationen) als Verbrenner auf dem Markt. Im September 2025 folgte der Mazda6e in einer rein elektrischen Version und somit der zweite Versuch der Japaner (nach dem MX-30) ein erfolgreiches E-Auto zu bauen. Dieses Modell wurde in Kooperation mit dem chinesischen Partner Changan Automobile entwickelt und basiert technisch auf der bewährten Plattform des Deepal SL03 von Changan, bevor 2027 die eigene Plattform von Mazda zur Verfügung steht. Gebaut wird der Elektro-Sechser im Werk des Joint-Venture Partner in Nanjing. Für den neuen Mazda6e stehen zwei Antriebsstränge mit Batteriekapazitäten von 68,8 kWh bis 80 kWh zur Wahl. Wir durften den Mazda6e Standard Range Takumi testen und berichten euch hier über unsere Erfahrungen.
Exterieur: Futuristisch, sportliches Design
Der Mazda6e besticht durch seine tiefsitzende Karosserie und seine abfallende Dachlinie mit futuristisch wirkender Sportlichkeit. Neu sind die versenkten Türgriffe und dies verleiht dem Fahrzeug ein harmonisches Erscheinungsbild. Ebenfalls neu gestaltet präsentiert sich der leuchtende Mazda „Signature-Wing“ an der Front und zeigt beim Aufladen den Ladestatus an. Ein Leuchtenband prägt das Heck und verbindet die für Mazda typischen, runden Rückleuchten miteinander. Anstatt des Markenlogos findet man den neu gestalteten Mazda Schriftzug vor. Für mehr Sportlichkeit sorgt der elektrisch ausfahrbare Heckspoiler und dieser verbessert außerdem die Fahrstabilität bei höheren Geschwindigkeiten.





Interieur: Hochwertige Materialwahl, aber verschachtelte und ablenkende Bedienung
Der Innenraum wirkt sehr edel und aufgeräumt, wie man es eben von Mazda gewohnt ist. Die Materialien und Verarbeitung sind geradezu perfekt. Hier kann sich so manch deutscher Hersteller einiges abschauen.
Die mit schwarzem Kunstleder überzogenen Sitze mit integrierten Kopfstützen geben guten Seitenhalt und wirken sehr edel. Außerdem können diese nicht nur beheizt, sondern auch gekühlt werden.
Hinter dem Lenkrad befindet sich das 10,25-Zoll Kombiinstrument und kaum zu übersehen ist der 14,6-Zoll große Touchscreen in der Mitte des Cockpits. Dies erinnert uns stark an Tesla. Leider gibt es im Mazda6e keine haptischen Bedienelemente mehr und auch der beliebte Dreh- und Drückregler wurde eingespart. In dem 14,6-Zoll Bildschirm verstecken sich eine Vielzahl von Fahrzeugfunktionen mit denen man sich erst vertraut machen muss. Also einfach einsteigen und losfahren funktioniert hier nicht wirklich. Sogar für die Bedienung des Scheibenwischers, der Außenspiegel, der Außenlichter muss man sich durch einige Untermenüs kämpfen. Zwar kann man sich eine Leiste mit Favoriten anlegen, jedoch lenkt auch hier die Touchbedienung sehr vom Verkehrsgeschehen ab. Leider schafft auch hier die Sprachsteuerung keine Abhilfe, denn diese wirkt mit monotoner, fast schon depressiver Stimmlage wenig einladend. Man hört diese jedes Mal erneut nach dem Öffnen des Fahrzeugs und wird daran erinnert, dass man auf die Bremse treten und den Gang einlagen soll – das ist nervig.
Gerne dürfte der 6e auch eine Meldung liefern, wenn der Wischwasser-Stand dem Ende zugeht. Wir sind ähnlich einem Maulwurf mit verschmierter Scheibe zu der nächsten Tankstelle geirrt.















Abgerundet wird der Innenraum durch das Panoramaglasdach, welches den Passagieren Wohlfühlambiente verleiht. Das Sony-Audiosystem mit 14 Lautsprechern bietet den Insassen ein sattes und klares Klangerlebnis während der Fahrt.
Auch ziemlich groß ausgefallen ist das Head-Up-Display mit 50-Zoll, welches von Augmented-Reality-Features unterstützt wird.
Die Platzverhältnisse im Innenraum sind unserer Meinung großzügig angelegt. Lediglich in der zweiten Reihe wird die Kopffreiheit bei größer gewachsenen Personen durch die abfallende Linie des Mazda6e ein wenig in Mitleidenschaft gezogen.
Das Kofferraumvolumen beträgt 466 Liter und kann durch das Umklappen der Rücksitzlehnen auf bis zu 1.074 Liter erweitert werden. Erwähnenswert ist, dass es unter der vorderen Haube noch einen Frunk gibt, der 72 Liter fasst.
Fahrverhalten und Lademanagement: Schnappatmung und Schweißperlen
Der Mazda6e zählt ganz klar zu den Leichtgewichten der E-Fahrzeuge. Knapp unter zwei Tonnen wiegt der neue Vollzeit-Stromer. Somit benötigt die knapp fünf Meter Limousine auch keine utopischen Leistungswerte, um nicht untermotorisiert zu wirken. Seine 190 kW / 258 PS und 320 Nm sorgen für eine Beschleunigung von 0-100 km/h in 7,6 Sekunden. Wirkt am Papier wohl etwas zäh für ein E-Fahrzeug, reicht aber im Alltag allemal aus.
Etwas seltsam wirkt, dass die Long Range Version zwar über einen größeren Akku verfügt, aber über eine deutlich geringere Ladeleistung (von maximal 90 kW, die Testversion liegt laut Hersteller bei 165 kW).
Wir waren mit dem Mazda6e auf der Langstrecke unterwegs. Die Ladeplanung erlaubt eine Filterfunktion nach Ladeleistung und sogar nach Anbieter – das ist ja echt sehr löblich.
Dass wir am Weg von Wien nach Salzburg eine Ladesäule Richtung Wien vorgeschlagen bekommen, dann aber weniger. Diese Anweisung haben wir ignoriert und eben die nächste Ladestation in Richtung Salzburg gewählt. Der Akkustand lag bei 20 Prozent (also rund 60 Kilometer), der SoC an der Ladesäule wurde laut Navi mit 10 Prozent (also rund 30 Kilometer) beziffert. Nur wenige Sekunden nach der Navi-Anweisung von der Autobahn abzufahren und wieder Richtung Wien zu fahren, schrumpfte die Restreichweite als auch der SoC auf null. Wir hatten aber noch rund 3,5 Kilometer vor uns, um die nächste Ladesäule in Richtung Salzburg zu erreichen. Einige Schreckminuten mit Schnappatmung und Schweißperlen auf Stirn und den Händen waren das Ergebnis. Mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit und allen möglichen Energiequellen deaktiviert konnten wir die Ladesäule gerade noch erreichen. In der Standard Range Version ist ein LFP-Akku verbaut und dieser hat oft Probleme um den genauen Ladestand der einzelnen Zellen hochzurechnen. Das soll aber keinesfalls eine Entschuldigung für diese Schreckminute sein.
Schwache Ladeleistung, aber effizienter Testverbrauch!
Auch die Ladeleistung des Mazda6e hinterlässt keinen zuverlässigen Eindruck. Bei recht niedrigem Akkustand sind es maximal 123 kW und bei höherem SoC (meist so 25-30 %) lediglich 65 kW. Hier muss dringend nachgebessert werden – denn selbst bei Fahrten mit der Laderoutenplanung konnten keine höheren Werte erzielt werden. Von 37 bis 98 Prozent wurde die durchschnittliche Ladeleistung mit 47 kW berechnet, der maximale Wert lag bei 61,7 kW – der Ladevorgang dauert eine Stunde. Für die Standard Range Version gibt Mazda eine Ladedauer von 10-80 Prozent von lediglich 24 Minuten an. Auf der Langstrecke wird man aufgrund des dann recht rasch abfallenden SoC aber eher für eine Vollladung entscheiden und das dauert.
Deutlich besser gefallen uns die Verbrauchswerte – im Schnitt hat sich der Mazda6e trotz zahlreicher Autobahn-Etappen und frostiger Temperaturen 20,5 kWh pro 100 Kilometer genehmigt.
Großer Ärger über Verkehrzeichen-Erkennung und Spurhalter
Nicht gerade löblichere Worte kann man über die Verkehrszeichen-Erkennung als auch den Spurhalte-Assistent verlieren. Besonders auf Autobahn-Etappen ist das sehr ärgerlich, wo man nahezu ausschließlich mit dem Tempomat unterwegs ist. Dieser hält nicht konstant die gewählte Geschwindigkeit und lässt sich von der ungenauen Eigenschaft der Verkehrszeichen-Erkennung zu teilweise echt gefährlichen Situationen verleiten. Oftmals liegt es daran, dass dieser die Schilder der Autobahn-Abfahrt oder auch Verkehrsschilder mit Zusatztafel scannt und diese dann an den Tempomat weiterleitet.
Der Spurhalte-Assistent sorgt grundsätzlich dafür, dass man zu weit rechts in der Fahrspur gehalten wird und die Eingriffe passieren (trotz leichtester Stufe) sehr ruckartig. Das führte zu Beginn fast zu einem Crash, da der Assistent das Fahrzeug weit nach rechts in die Nähe eines LKW zog. Die Deaktivierung ist sehr versteckt im Untermenü und muss jedes Mal nach dem Start erneut erfolgen. Zwar gibt es Favoriten-Tasten am Zweispeichen-Volant, aber diese können für diese Funktion noch nicht betätigt werden.
Die Rekuperation haben wir uns im Individual Modus je nach Fahrsituation auf die gewünschte Stufe eingestellt.
Der Mazda6e wirkt speziell im Komfort-Modus recht Mazda-untypisch. Die Lenkung spendiert zu wenig Feedback und speziell auf schlechter Fahrbahn hinterlässt das neue Modell einen eher chinesischen als japanischen Eindruck. Die Karosserie neigt hier recht schnell zum Nachschaukeln.
Bezüglich der Lenkung: Hier gelingt es das Einlenkverhalten mit einem sportlichen Mode straffer zu stellen. Dieses Setup passt dem Fahrzeug, trotz der eher komfortablen Abstimmung deutlich besser. Kaum Kopfzerbrechen muss man sich aufgrund des Heckantriebs machen. Denn selbst auf verschneiter Fahrbahn wirkt das Fahrzeug stabil und das ESP regelt recht frühzeitig.
Etwas schade finden wir, dass man die Gangwechsel zwischen vorwärts und retour lediglich im Stand durchführen sollte. Oftmals ist es uns passiert, dass wir am Gangwahlhebel schon den Retourgang eingelegt haben, aber das Fahrzeug eben noch nicht den Stillstand erreicht hat und somit die gewählte Fahrstufe ignoriert wurde. Hie und da wurde selbst im Stillstand die andere Fahrstufe nicht angenommen.
Unser Fa(hr)zit:
Der Mazda6e überrascht mit hochwertiger Materialwahl, einem nahezu unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis und einer umfangreichen Serienausstattung. Rasche Verbesserung benötigt es bei dem sehr nervösen Spurhalter, der ungenauen Verkehrszeichen-Erkennung, der nicht benutzerfreundlichen Bedienung, der Ladeleistung als auch der Reichweitenanzeige. Für manche Kritikpunkte wird Mazda OTA-Updates liefern, sodass Kunden der Werkstattbesuch erspart bleibt.
Was uns gefällt:
Das Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Verbrauchswerte
Die umfangreiche Serienausstattung
Die hochwertige Verarbeitung
Das Soundsystem
Was wir noch verbessern würden:
Die unzuverlässige Reichweiten-Anzeige
Den nervösen Spurhalter
Die Verkehrszeichen-Erkennung
Die nicht gerade intuitive Bedienung (Scheibenwischer-, Licht- und Spiegeleinstellungen sollten intuitiv zu steuern sein)
Die durchschnittliche Ladeleistung
Die Sprachsteuerung
Factbox: Mazda6e 5HB EV 258ps AT RWD Takumi
Motor/Antrieb
Motor: Elektromotor
Leistung kW/PS: 190 kW/ 258 PS
Batteriekapazität brutto (kWh): 68,8
Batterietyp: Lithium-Eisenphosphat (LFP)
Drehmoment: 320 Nm.
Antrieb: Heckantrieb (RWD)
Getriebeart: Stufenloses Automatikgetriebe
0-100 km/h: 7,6 Sekunden
V-Max: 175 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert: 16,6 kWh/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 20,5 kWh/100 km
Werksangabe Reichweite: 479 km kombiniert, 605 km Stadt
Ladedauer (Herstellerangaben)
Ladedauer Wallbox 11 kW (Ladezeit bis 100 %): 7 Stunden 30 Minuten
Gleichstrom-Schnellader, 165 kW (Ladezeit 30% – 80 %): 15 Minuten
Gleichstrom-Schnellader, 165 kW (Ladezeit 10% – 80%): 24 Minuten
Bremsen/Reifen/Felgen
Bremsen: VA: Scheibenbremsen (innenbelüftet) HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: 245/45 R19
Gewicht und Maße
Leergewicht: 1.962 kg
L/B/H: 4,921 m /1,890 m / 1,491 m
Radstand: 2,895 m
Kofferraumvolumen: 466– bis 1.074 Liter
Preise
Mazda6e EV Standard Range zu haben ab: € 43.478,-
Preis Testfahrzeug inkl. MwSt.: € 44.625,-
Sonderausstattung
Soul Red Crystal M (46V) € 1.150,-
(c) Bilder: Sebastian Poppe

