DS N°8 Collection Jules Verne AWD Long Range im Test: First Class

Die französische Premium-Marke sorgt neben dem DS3 E-Tense und dem DS N°4 für einen weiteren, reinen Stromer. Diesmal sprechen wir vom Flaggschiff der Marke, dem DS N°8, in dem sogar der französische Präsident chauffiert wird. Im Test durften wir die streng limitierte Collection Jules Verne mit Allrad-Antrieb begrüßen. Wie sich das 4,83 Meter lange Modell im Test schlägt, lest ihr hier.

Interieur: Luftige Raumverhältnisse, erstklassige Haptik und zahlreiche Ausstattungshighlights der Oberklasse!

DS ist bekannt dafür, dass man die Passagiere mit hohem Komfort verwöhnt. Auch im DS N°8 hat steht dies an der Tagesordnung. In der Topversion nehmen Fahrer- und Beifahrer auf beheizbaren und belüfteten Sitzen Platz. Diese verfügen ebenfalls über eine Massagefunktion mit verschiedenen Programmen und sogar ein Nackenwärmer kann aktiviert werden. Als wäre das für ein Premium-Modell noch nicht genug – wird das Gehör mittels einem 3D Focal Soundsystem mit 14 Lautsprechern und 690 Watt verwöhnt. Ohnehin sorgt man mittels einer Akustikverglasung für eine ruhige Atmosphäre an Bord.

Auch das riesige Panoramadach darf keinesfalls unerwähnt bleiben, zwar verfügt man über kein Rollo – aber über eine geringe Lichtreflexion aufgrund des laminierten Designs. Das Verbundglas verfügt über eine sogenannte Low E-Beschichtung.

Großes Lob gibt es für die Materialwahl des Interieurs – hier hat man bis ins kleinste Detail erstklassige Arbeit geleistet. Lediglich die Mittelkonsole dürfte mit hochwertigeren Materialien verkleidet sein – da wirkt der Kunststoff irgendwie fehl am Platz.
Aufgrund des Radstands von 2,90 Meter verfügen auch die Hinterbänkler über luftige Beinfreiheit. Trotz der abfallenden Dachlinie darf auch bei der Kopffreiheit nicht gejammert werden.
Luftig geht es auch im Ladeabteil zu – bereits in der Basis können bis zu 620 Liter unter der weit aufschwingenden Heckklappe verstaut werden. Nach dem Umklappen der hinteren Sitzreihe (Verhältnis 40:20:40) sind es sogar 1.834 Liter (im Falle der Allradversion). Auf einen Frunk kann man somit auch gerne verzichten.

An das X-förmige Volant muss man sich erst gewöhnen – es verleiht dem Interieur natürlich einen sehr futuristischen Eindruck. Die Lenkradtasten sind zwar gut bedienbar, sind aber für Fingerabdrücke und Staub ein gefundenes Fressen. Auch bei der Rückfahrkamera würde man sich eine deutlich bessere Auflösung wünschen. Speziell zu später Stunde ist die Grafik sehr verpixelt.
Die Bedienung über die 16-Zoll Infotainment-Zentrale gelingt per Touch. Zu Beginn wirkt das Menü etwas verschachtelt, dabei schaffen die darunter platzierten Tasten Abhilfe. Auch diverse Assistenzsysteme können hier per Knopfdruck sehr intuitiv erreicht und infolge mit nur einem Touch-Befehl deaktiviert werden.

Fahrverhalten und Lademanagement: Schwache Ladeleistung, aber unverwechselbarer, schwebender Fahrkomfort

Leider setzen die Franzosen weiterhin auf eine 400 Volt Architektur. Die sogenannte STLA Medium Plattform bildet hier die Basis. Als Long Range Version ist ein (netto) 97,2 kWh Akku verbaut, welcher laut Hersteller für 664 Kilometer ausreichen soll. Die Frontantriebsversion mit dem großen Akku soll sogar 750 km laut WLTP schaffen.
Dass dies ausschließlich unter den idealen Bedingungen klappen kann, sollte kein Geheimnis sein. Und das sind minus fünf bis minus zehn Grad Celsius eben nicht. Zahlreiche Autobahn-Etappen gemischt mit Landstraße und Fahrten im urbanen Bereich zeigen einen Verbrauch von 25,5 kWh pro 100 Kilometer. Bei einem SoC von 100-10 Prozent ergibt das 343 Kilometer – das würde uns ja keinesfalls stören.
Eine Ladeleistung bei 30-40 Minuten Vortemperierung von rund 100 kW maximal dann eben schon.
Bei einer geringeren Vortemperierungsdauer sprechen wir eher von rund 65 kW maximal. Somit dauert der Ladevorgang von 20-80 Prozent meist 50 Minuten. Und das finden wir sehr schade, denn die Long Range Version werden gerade Kunden kaufen, die zahlreiche Autobahn-Kilometer runterspulen und auf Ladeperformance laut Werksangabe (sprich 160 kW zwischen 20 und 55 Prozent) spekulieren.
Echt schade, denn im Praxistest punktet der DS N°8 mit hohem Reisekomfort und einer guten Dämmung. Die Topversion ist mit 21-Zoll-Räder bereift, wobei das gar nicht stört – denn das Premium-Modell neigt in engeren Kehren nicht zum nachwanken und auch Querfugen werden gut gebügelt. Diese Aufgabe übernimmt das aktive Dämpfungssystem DS Active Suspension – das System scannt hier den Fahrbahnzustand und sorgt somit in Millisekunden für die entsprechende Federung.

Sportlicher geht es bei den Fahrleistungen zu: Die zwei E-Motoren sorgen für eine Gesamtleistung von 257 kW / 350 PS (kurzzeitig sogar 276 kW / 375 PS) und 509 Nm. Damit sprintet der DS N°8 in nur 5,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo einhundert. Ohne klassische Knackwatschn oder einem mulmigen Bauchgefühl, sondern mit sportlichem Komfort fühlt man sich pudelwohl im Premium-Flaggschiff. Die Kräfte werden je nach Fahrmodus und Leistungsabforderung entweder ausschließlich auf die Vorderräder oder an alle vier Räder verteilt.
Auch bei der Entschleunigung gibt es nichts zu bekritteln. Der DS N°8 verfügt über drei Rekuperationsstufen, welche über die Paddles hinter dem Volant je nach Bedarf gewählt werden können. Auch One Pedal Drive kann mit einem Button in der Mittelkonsole ausgewählt werden, der Übergang zum herkömmlichen Verzögern via Bremspedal gelingt sehr harmonisch. Mit voller Ausstattung würde man die Preispolitik mit € 81.200 nicht wie das Bremsverhalten bezeichnen – dennoch sollte man nicht vergessen, dass man in einer limitierten Version sitzt.

Unser Fa(hr)zit:

Wer auf Premium großen Wert legt und kein Massenprodukt in der Garage parken will, der ist mit dem DS N°8 an der richtigen Stelle. Für Fans der Marke würden wir sogar die limitierte Collection Jules Verne empfehlen. Hochwertigste Verarbeitung, hoher Komfort und luftige Raumverhältnisse sprechen für den Premium E-Franzosen. Verbesserungsbedarf gäbe es bei der Ladeleistung in der Praxis, der Preispolitik bei der Topversion als auch bei der Auflösung der Rückfahrkamera.

Was uns gefällt:

Die umfangreiche Ausstattung in der Testversion
Der hohe Komfort
Die Platzverhältnisse
Die hochwertige Verarbeitung
Das Soundsystem

Was wir noch verbessern würden:

Die Ladeleistung
Den Preis bei Vollausstattung
Die Rückfahrkamera

Factbox: DS N8 Collection Jules Verne AWD Long Range

Motor/Antrieb

Motor: zwei Elektromotoren
max. Leistung kW/PS: 257 kW / 350 PS
Dauerleistung kW/PS: 138 kW / 188 PS
Drehmoment: 509 Nm
Batterietyp: Lithium-Ionen (NMC)
Batterie Energiegehalt:
97,2 kWh netto
Antrieb: Allrad
Getriebeart: 1-Gang-Automatik
0-100 km/h: 5,4 Sekunden
V-Max: 190 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert kWh/100 km: 17,4-18,0
Werksangabe – Reichweite: 664 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt kWh/100 km: 25,5

Ladedauer (Herstellerangaben)

Ladedauer Wallbox 11 kW: 20% – 80% 6:10 Stunden
Gleichstrom-Schnelllader (max. 160 kW): 20% – 80%: 27 Minuten

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA+HA: Scheibenbremsen innenbelüftet
Felgen/Reifen: 255/40 R21

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.289 kg
L/B/H: 4,834 m / 1,920 m / 1,574 m
Radstand: 2,904 m
Kofferraumvolumen: 620 – 1.834 Liter

Preise

DS N°8 zu haben ab: € 58.000
DS N°8 Collection Jules Verne AWD Long Range zu haben ab: € 81.200

(c) Bilder: Sebastian Poppe