Smart #5 Brabus im Wintertest – Eiskalt erwischt!

Der Feind eines jeden Elektroautos sind bekanntlich stark winterliche Temperaturen. Doch wie steht es damit, wenn ein Elektroauto einen großen Akku und flotte Ladeleistungen verspricht? Diese Kombination ist am Fahrzeugmarkt momentan noch selten zu finden, doch der Smart #5 ist gut gerüstet. Und wie es der Zufall so will, fiel unsere Testphase in die kühlsten Jännertage mit zweistelligen Minusgraden. Und um den Test noch interessanter zu machen, durften wir im sportlichsten Ableger des Smart #5 in Form der Brabus Variante über schneeverwehte Straßen fahren.

Ein Auftritt der begeistert aber auch provoziert

Wer den Smart #5 nur von Bildern kennt, könnte bei der ersten Begegnung etwas verwundert sein, denn so gigantisch wie er auf den Fotos wirkt, ist er in Natura gar nicht. Das dürfte wohl hauptsächlich der kantigen Form geschuldet sein, auch wenn man bei einer Länge von knapp 4,7 Meter und einer Breite von über 1,9 Meter nicht von einem kompakten SUV sprechen kann. Designtechnisch gewagt sind die vier Lichtelemente an Front und Heck, welche sich von einer Seite zur anderen erstrecken. So ungewohnt das erstmals auch wirken mag, im Zusammenspiel mit den Scheinwerfern ist die daraus entstehende Lichtsignatur einzigartig und sorgt bei Dunkelheit für den #5 Wiedererkennungswert schlechthin.
Zudem haben wir uns rasch mit der Gestaltung anfreunden können und wurden von Tag zu Tag begeisterter vom gesamten Fahrzeugdesign. Die schwarze Fahrzeuglackierung gepaart mit roten Designelementen ist exklusiv der Brabus Variante des Smart #5 vorbehalten und besticht zudem mit dem ein oder anderen Brabus-Schriftzug und den 21-Zoll großen Brabus-Felgen.

Bitte Platz nehmen in der Oberliga

Einmal Platz genommen kann man es eigentlich nicht glauben, dass man in einem Fahrzeug mit einem Listenpreis weit unter 100.000,- Euro sitzt. Denn die verwendeten Materialien und deren Haptik sind auf einem Niveau angesiedelt, welches man in dieser Preisklasse nicht erwartet hätte. Der Großteil der Plastikoberflächen sind anstatt Hartplastik mit weichen Materialien versehen worden. Mit Alcantara wurde im gesamten Fahrzeug nicht gespart und selbst die Fahrzeugsäulen wurden mit Textilien verkleidet. Da sieht man gerne über die Hartplastikelemente in den Türgriffen und der Umrandung des Armaturenbretts hinweg. Der Eyecatcher dürfte am ersten Blick aber weniger die hochwertige Verarbeitungsqualität sein, sondern eher das gigantische Infotainmentsystem, welches sich bis zur Beifahrerseite erstreckt.
Dieses teilt sich auf zwei 13-Zoll große Bildschirme auf, wobei der zweite Bildschirm dem Beifahrer vorbehalten bleibt, der von dort aus bequem den DJ spielen kann, oder einen Film streamen kann.
Bei der Bedienung des Infotainmentsystems merkt man, dass man es mit modernster Technologie zu tun hat, da die Touchbefehle blitzschnell erkannt und umgesetzt werden. In zahlreichen Untermenüs lässt sich nahezu jede x-beliebige Einstellungsmöglichkeit und Information finden. Leider trifft das auch auf die Assistenz- und Sicherheitssysteme zu, welche sehr verschachtelt sind. Auffällig ist das beim verpflichtenden Geschwindigkeitswarner, der bei jedem Fahrzeugstart aktiviert sein muss. Die Deaktivierung kann derzeit nicht mittels eigener Lenkradtaste (Schnellzugriff) angesteuert werden. Dank laufender Over-the-Air Updates wird dieser Kritikpunkt hoffentlich bald behoben werden.

Beim Platzangebot gibt es vorne wie hinten keinen Grund für Beschwerden. Dank der kantigen Fahrzeugform ist die Kopffreiheit im Fond kein Problem und auch Beinfreiheit ist mehr als ausreichend vorhanden. Die Rücksitze lassen sich sogar elektrisch in der Neigung verstellen. Auch der Kofferraum kann mit seinem Basis-Ladevolumen von 630 Litern für die meisten Alltagssituationen und Urlaubsfahrten überzeugen. Wenn man noch etwas zusätzlichen Platz benötigt, findet man viel zusätzlichen Stauraum im Boden des Kofferraums und vorne im 47 Liter großen Frunk.

Brabus und Sportlichkeit gehören einfach zusammen

Das Ansprechverhalten und die Leistung verdienen definitiv den Brabus-Zusatz im Modellnamen. Egal ob innerstädtisch oder auf der Autobahn, sobald man das Gaspedal auch nur touchiert liegt sofort das volle Drehmoment von 710 Nm an und katapultiert das Fahrzeug nach vorne. Insbesondere bei den beiden Fahrmodi „Sport“ und im noch schärferen „Brabus“ Fahrmodus ist das der Fall.

Speziell auf der Autobahn sind das direkte Ansprechverhalten und der Vortrieb beeindruckend, da Elektroautos normalerweise bei höheren Autobahngeschwindigkeiten bei der Leistungsentfaltung – im Vergleich zu niedrigeren Geschwindigkeiten – etwas schwächeln. Dazu kommt, dass die streng winterlichen Temperaturen während der Testphase für die volle Kraftentfaltung eines Elektroautos normalerweise kontraproduktiv wirken. Denn bei einem kalten Akku kann für dessen Schutz die Leistung reduziert werden. Das mag zum Teil auch auf den #5 Brabus zutreffen, gefühlt geht es hier aber nur um wenige PS die bei der Gesamtleistung fehlen, wobei das bei insgesamt 646 PS auch kaum auffällt.
Selbst wenn man bei eisigen Temperaturen in das ebenso frostige Auto einsteigt, marschiert der #5 ohne jeglichen Anzeichen von Kältestarre vorwärts. Die Ingenieure haben also spürbar viel Mühe in eine effiziente Akkuheizung und Wärmeisolierung gesteckt.
Aufgrund der sportlichen Abstimmung und des hohen Luftwiderstands steigt der Autobahnverbrauch im Winter leider extrem an. Wenn das Quecksilber in Richtung zweistellige Minusgrade rückt, dann gönnt sich der #5 Brabus auf der Autobahn bei 130 km/h schon mal mehr als 40 kWh/100km. Abhilfe schafft eine langsamere Reisegeschwindigkeit, wobei selbst bei 100 km/h der Verbrauch noch um die 30 kWh/100km betragen hat. Zugegeben, das waren schon eher Extrembedingungen die beim heimischen Winterwetter eher selten der Fall sind. Bei deutlich wärmeren Temperaturen wird man wahrscheinlich bei rund 25 kWh/100 Kilometer liegen.
Abseits der Autobahn relativiert sich der Mehrverbrauch auch spürbar, da man den Brabus im Stadtverkehr durchaus mit weit unter 20 kWh/100km bewegen kann und auf der Landstraße mit rund 22 kWh/100km.

Der Brabus ist ein wahres Lademonster

Dem Verbrauch steht ein riesengroßer Vorteil gegenüber, nämlich die hohe Ladeleistung von bis zu 400 kW, welche eine Ladung von 10% auf 80% in unter 18 Minuten verspricht. Mangels momentan noch eher rar gesäten 400 kW Ladesäulen bzw. ausreichend freien Ladesäulen konnten wir das leider nicht ausreizen, doch selbst bei 300 kW Säulen überzeugt die Ladeleistung auf voller Länge. Trotz Minus drei Grad und einem kaum aufgewärmten Akku konnte beispielsweise ein Ladevorgang an einer 300 kW Ladesäule von 7% bis 80% in 18 Minuten erledigt werden. Somit wurde die Werksangabe unter nicht optimalen Voraussetzungen unterboten. Und während die meisten Elektroautos ab 80% einen großen Abfall der Ladeleistung haben, marschiert der Smart #5 munter weiter und schaffte die Ladung auf 90% in weniger als drei Minuten – sensationell! Und diese Ladeleistung ist in fast jeder Situation und bei jeder Temperatur die Regel als die Ausnahme.

Fa(h)rzit

Der Smart #5 Brabus trotzt der Kälte wie kaum ein anderes Elektroauto, was er während der Testphase mehrfach eindrucksvoll bewiesen hat. Auch wenn der Autobahnverbrauch bauartbedingt und aufgrund der Temperaturen doch recht hoch ausfällt, so überzeugt er mit einer zuverlässigen Ladeleistung, die jeden Ladestopp zu einem kurzen Boxenstopp macht. Die Annehmlichkeiten und das Platzangebot im Innenraum runden das Gesamtbild ab, welche man in dieser Kombination und zu diesem Preis momentan kaum am Markt finden kann.

Was uns begeistert:

  • Das unglaubliche Ansprechverhalten in jeder Fahrsituation
  • Die phänomenale Ladeleistung (auch über 80% hinaus!)
  • Die moderne und schnelle Software

Was wir noch verbessern würden:

  • Effizientere Autobahnwerte
  • Die ein oder andere Taste anstatt Touchbedienung
  • Mehr als nur drei Jahre Garantie

Factbox: Smart #5 Brabus

Motor/Antrieb

Motor: Permanentmagnetmotor hinten / Asynchronmotoren (ACIM) vorne
max. Leistung kW/PS: 475 kW / 646 PS
Dauerleistung kW/PS: 140 kW / 190 PS
Drehmoment: 710 Nm
Batterietyp: Lithium-Ionen (NMC)
Batterie Energiegehalt:
100 kWh brutto / 94 kWh netto
Antrieb: Allrad
Getriebeart: Ein-Gang-Automatik
0-100 km/h: 3,8 Sekunden
V-Max: 210 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert kWh/100 km: 19,9
Werksangabe – Reichweite: 540 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt kWh/100 km: 25

Ladedauer (Herstellerangaben)

Ladedauer Wallbox 22kW: 10% – 100% 5:30 Stunden
Gleichstrom-Schnelllader (max. 400kW): 10% – 80% <18 Minuten

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA+HA: Scheibenbremsen innenbelüftet
Felgen/Reifen: 255/40 R21

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.378 kg
L/B/H: 4,695 m / 1,920 m / 1,705 m
Radstand: 2,9 m
Kofferraumvolumen: 630 – 1.530 Liter
Frunk: 47 Liter

Preise

Smart #5 zu haben ab: € 49.000,00
Preis Testfahrzeug inkl. MWSt: € 59.600,00*

*Aktionspreis smart EcoLift Bonus, Normalpreis € 64.000,00

(c) Bilder: Andreas König