Der vollelektrische Mercedes-Benz CLA wurde zum Auto des Jahres vor dem Skoda Elroq und dem Kia EV4 gewählt. Wir haben die reichweitenstärkste Version mit Heckantrieb bei stark winterlichen Temperaturen unter die Lupe genommen. 792 Kilometer laut WLTP stehen im Datenblatt. Wie viel Kilometer schafft der sportliche Vollzeit-Stromer tatsächlich und wie schlägt er sich sonst so im Alltag?






Interieur: Slim fit und teilweise Einsparungsmaßnahmen
4,72 Meter misst der CLA in der Länge – also da mögen wir gar nicht mal mehr von einem kompakten Modell sprechen. Dennoch fühlt man sich innen recht eingeengt. Viel mehr trifft das in erster Reihe zu, denn die Mittelkonsole ist recht breit gestaltet. Für die Hinterbänkler dürfte nur die abfallende Dachlinie und der Einstieg ein Dorn im Auge sein – aber das darf man gerne mal in Kauf nehmen.
Cool finden wir das serienmäßige, riesige Panoramadach – leider wurde hier auf ein Rollo vergessen. Auch die Umschalttaste der lediglich zwei Fensterheber finden wir bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse unpassend. Und zu guter Letzt müssen wir auch beim CLA über die nicht gerade ideal bedienbaren Lenkradtasten meckern – man weiß hier eben nie, ob die gewünschte Funktion ausgewählt wurde, und aktiviert eben auch mal eine ganz andere. Darüber hinaus ist uns auch nicht ganz verständlich, dass die Taste der Sprachsteuerung auf einer Leiste mittig platziert wurde und nicht direkt am Volant. Diese Armlänge hat wohl nicht mal ein Basketballspieler, um diese aus einer ergonomischen Sitzposition zu treffen.
Klar kann man mit „Hey Mercedes“ die wohl beste Sprachsteuerung aktivieren – aber auf Knopfdruck würde das am Volant viel smoother geschehen.
Apropos Bedienung: Das Infotainment-Display lässt sich trotz ausschließlich Touch-Steuerung unglaublich intuitiv bedienen. Auch für die einzelnen Ladedetails steht ein sehr informatives Menü zur Verfügung, aber dazu später mehr.
Das Kofferraumvolumen beläuft sich auf 405 Liter, darüber hinaus verfügt man unter der Motorhaube über einen Frunk mit sage und schreibe 101 Liter.
Im Falle der Testversion wurde auf das optionale Beifahrer-Display verzichtet, somit starrt der Beifahrer auf jede Menge kleine Sterne.














Fahrverhalten und Lademanagement: Dank 800 Volt und niedrigem cW Wert ganz vorne dabei!
Die Testversion als 250+ Version leistet 200 kW / 272 PS und 335 Nm Drehmoment. Die Kräfte werden ausschließlich an die Hinterachse weitergeleitet, wo logischerweise auch der E-Motor sitzt. Am Tag der Testwagen Abholung wurden wir mit jeder Menge Schneefall beglückt, der dann auch für Chaos in und rund um Wien sorgte. Trotz des Heckantriebs reagiert der CLA äußerst stabil und spurgetreu mit seinen rund zwei Tonnen Leergewicht. Die genannten Witterungsbedingungen verfolgten uns auch die nächsten Tage, sodass wir nicht gerade von idealen Testbedingungen sprechen können. Dennoch hat uns der Testwagen keinesfalls enttäuscht. 22 kWh /100 Kilometer bei überwiegend Autobahn-Kilometer sind trotz der frostigen Temperaturen ein überraschend guter Wert.
Die letzten Testkilometer konnten wir dann mit rund 20 kWh /100 Kilometer zurücklegen, sodass 400 Kilometer problemlos ohne Ladestopp möglich sind.
Zwar sind 22 Minuten für ein Fahrzeug mit 800 Volt Technologie kein Rekordwert, dennoch konnten wir selbst bei frostigen Temperaturen den Akku zeitgerecht vortemperieren und die maximale Ladeleistung von 320 kW um weitere 50 kW kurzzeitig überbieten.
Dennoch sollte man mit der Vortemperierung rechtzeitig starten – ohne das Vorwärmen des Akkus darf man sich freilich keine Topwerte erhoffen.
Grundsätzlich rechnet das Navi die Route inklusive der nötigen Ladestopps alleine – aber man kann natürlich den gewünschten SoC anpassen und entsprechend die Ladestopps abändern. Bzw. auch selbst die gewünschte Ladesäule auswählen.
Großes Lob gibt es an dieser Stelle auch für das Fahrverhalten. Der CLA wirkt mit seinen 6,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo einhundert durchaus sportlich, auch die 2-Gang-Automatik trägt ihren Teil dazu bei. Aber mindestens genau so flott schafft es das Car of the year zu rekuperieren – den Hebel der Fahrstufenwahl nach vorne oder hinten drücken und schon kann die gewünschte Stärke gewählt werden – intelligente, leichte, starke oder keine Rekuperation. Wir haben uns für die stärkste Stufe entschieden, womit bis zu 200 kW kurzzeitig zurück in den Akku geschickt werden – außerdem erhält man mit dieser Einstellung auch erstklassiges One Pedal Feeling.
Keinesfalls hektisch, aber dennoch präzise wirkt das Einlenkverhalten des CLA 250+. Dem Fahrwerk hat man einen Mix aus Komfort und Sportlichkeit verliehen – womit auch hier ein breites Spektrum im Alltag abgedeckt wird.
Was uns gefällt:
Erstklassige Sprachsteuerung
Praxis-Ladeleistung
Fahrverhalten
Großer Frunk
Routenplanung inkl. Ladeplanung
Was wir noch verbessern würden:
Die Lenkradtasten
Ein Rollo für das Glasdach
Vier statt zwei Fensterheber
Factbox: Mercedes CLA 250+ mit EQ Technologie
Motor/Antrieb/Akku
Motor: 1Elektromotor
max. Leistung kW/PS: 200 kW/ 272 PS
Dauerleistung: 145 kW / 197 PS
Drehmoment: 335 Nm
Batterietyp: Li-Ionen
Elektrische Speicherkapazität in Kilowattstunden: 85 kWh netto
Antrieb: Heck
Getriebeart: 2-GangAutomatik
0-100 km/h: 6,7 Sekunden
V-Max: 210 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert: 12,2 kWh/ 100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 22 kWh/ 100 km
Reichweite nach WLTP: 792 km
CO2-Emissionen: 0 g
Ladedauer (Herstellerangaben)
Wallbox, 11 kW (10-100%): ca.9 Std.
Gleichstrom-Schnelllader (10-80%): 22 Min, max. 320 kW
Reifen/Felgen/Bremsen
Bremsen: VA: Scheibenbremsen innenbelüftet HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: VA: 225/45 R18, HA: 255/40 R18
Gewicht und Maße
Leergewicht: 2.055 kg
L/B/H: 4,723/ 1,855/ 1,468 m
Radstand: 2,790 m
Kofferraumvolumen: 405 Liter + 101 Liter Frunk
Preise
Mercedes CLA 200 mit EQ Technologie zu haben ab netto: € 49.950
Mercedes CLA 250+ mit EQ Technologie zu haben ab: € 55.980
Preis Testwagen inkl. Steuern: € 63.810
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(c) Bilder: Sebastian Poppe
