Renault Austral Facelift im Test: Diesel-Alternative geschärft!

Im Jahre 2022 löste der Renault Austral den Kadjar ab, um eine neue Generation von kompakten SUVs einzuleiten. Und das mit Erfolg, denn fast 200.000 Exemplare des feschen Franzosen wurden bereits verkauft. Nun hat Renault den Tiguan-Gegner verfeinert – Grund genug, um dem Facelift-Modell auf den Zahn zu fühlen. Wir haben das Top-Modell Esprit Alpine mit dem E-Tech Full-Hybridantrieb unter die Lupe genommen.

Exterieur: Markant Renault mit sportlichem Alpine Look

Statt ein paar kleinen Verfeinerungen spendiert Renault im Zuge des Facelifts dem Austral eine komplett neue Front und auch neue Scheinwerfer. Der Renault SUV mit 4,5 Metern Länge macht was her auf seinen serienmäßigen 20-Zoll-Rädern und in der auffälligen, optionalen Lackierung in Südsee Blau mit Dach in Black-Pearl, welche im Einklang mit der neuen Renault Designlinie kaum Verbesserungswünsche aufkommen lässt. Die markante und steil abfallender Front beherbergt einen mächtigen Kühlergrill und fast schon dezent wirkende Matrix-LED-Scheinwerfer. Das Heck mit schmaler Scheibe und ebenfalls nicht zu auftragenden LED-Rückleuchten sorgt zwar nicht unbedingt für gute Rundumsicht. Ein wenig in Bedrängnis und mit hilflos kleiner Wischfläche wirkt hingegen der Heckscheibenwischer mit seinen spartanischen Abmaßen. Nun ja, Schönheit muss nun mal auch Leiden.

Interieur: Komfort trifft Sportlichkeit

Der modern und sportlich gestylte Innenraum des Renault Austral ist gespickt mit einem sehr üppigen Auszug aus der „Extras-Kiste“.
Digitale Bildschirmtechnik wird mit praktischen manuellen Komponenten gemixt. Ebenso vermischen sich die sportlichen, optisch sehr gelungenen Sitze mit dem restlichen komfortabel ausgeführten Innenraum mit riesigem Glasdach (nicht zu öffnen aber mit Rollo versehen).
Die Bedienung an dem 12-Zoll großen Touchscreen ist simpel gestaltet und auch bei starker Sonneneinstrahlung noch gut lesbar. Ebenso verdient die Materialwahl des Interieurs einen großen Pluspunkt.

Die Kontaktpunkte zwischen dem Fahrer und dem Fahrzeug sind alle beheizbar und auch die Frontscheibe lässt sich ohne Eiskratzer in kurzer Zeit dank Scheibenheizung enteisen. Das Head-Up Display projiziert die relevantesten Infos klar und deutlich und die üppig verbauten Fahrhilfesysteme lassen die Reise noch sicherer und komfortabler bewerkstelligen. Das Multimode-Automatikgetriebe wird im Renault Austral Esprit über einen Hebel hinter dem Multifunktionslenkrad bedient. Diese Platzierung bietet zwar ein verbessertes Platzangebot an der Mittelkonsole, stellte sich in der Praxis jedoch als etwas nervig und fummelig heraus und sehnt nach Veränderung.

Am Lenkrad des Espace Esprit Alpine ist über einer exponiert angebrachten Taste im Fahrmodi Programm wählbar. Dieses mit reichlich Möglichkeiten bestückte Wunschprogramm ist auch mit einem selbst konfigurierbaren versehen und bietet somit für jeden Gebrauch die passende Wahl.

Auch bei den Innenabmessungen enttäuscht die geliftete Austral Version keinesfalls. Die um bis zu 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank und das entsprechende Kofferraumvolumen – 555 Liter in der Basis, sofern man die Rückbank nach vorne schiebt und 1.455 Liter nach umlegen der Rücksitzbank. Damit verwandelt man das SUV-Modell nahezu in einen Lademeister.

Antrieb und Fahreindrücke: Hybrid-SUV mit Alltagstauglichkeit

Den Austral Esprit Alpine wird grundsätzlich in zwei Motorvarianten angeboten. Unter dieser Motorhaube sitzt ein kleiner 1,2 Liter Benziner mit lediglich drei Zylindern, welcher 96 kW/131 PS bei 5.600 U/min Leistung abgibt. Ein ins Getriebe integrierter E-Motor mit 68 PS hilft zusätzlich mit den 1,6 Tonnen schweren SUV voranzutreiben. Ein weiterer E-Motor dient als Generator zur Stromerzeugung mit 25 PS und so bietet der gesamte Antriebsstrang eine Systemleistung von 146 kW/199 PS.
Geschalten wird über das sogenannte Multi-Mode-Automatikgetriebe (4 Gänge Verbrenner,2 Gänge E-Motor) und die Kraft wird an die Vorderachse weitergeleitet.

Die Systemleistung lässt den Austral leider nicht gar so sportlich wirken, wie das Design vermuten lässt. Auch in der Facelift-Version könnte der Austral mehr Hubraum vertragen. Der kernige Auspuffklang wirkt sportlich, aber die Akustik des Primzahl-Aggregats dann doch recht rau und angestrengt. Im urbanen Bereich ist man meist rein elektrisch unterwegs, doch hie und da gesellt sich der Verbrenner hinzu und das leider nicht gerade auf die stille Art und Weise.
Das wohl größte Problem an diesem Antrieb ist wohl das Multi-Mode-Automatikgetriebe. Es wirkt teilweise unentschlossen und speziell im Sportmodus merkt man die Hektik, sodass die Gangwechsel hektisch erfolgen.
Die wohl bessere Wahl ist der Komfort-Modus, denn hier wirkt das alles ruckfreier. Deutlich besser gefällt uns der Verbrauch, denn die Testversion genehmigte sich 6,5 Liter pro 100 Kilometer im Schnitt.

Die Testversion verfügt optional über die sogenannte 4Control Allradlenkung.
Bei vollem Einschlag lenken die Hinterräder bis zu 5 Grad mit, sodass der Wendekreis verschmälert wird. Diese Funktion macht sich im Alltag deutlich beim Handling bemerkbar – nicht nur bei engen Einfahrten / Passagen, sondern auch bei kurvigen Strecken fühlt sich der 4,51 Meter lange und 1,83 Meter breite Austral recht wenig.

Die großen 20 Zoll Räder stehen dem Renault Austral optisch vorzüglich, dämmen jedoch ein wenig den Komfort bei unruhiger Fahrbahn ein. Die gut dimensionierte Bremsanlage wird je nach Wunsch (an den Lenkradpedals verstellbar) durch die zum Teil stark wirkende Rekuperation geschont und gleichzeitig wird der Ladevorgang des mitgeführten Hybrid-Pufferspeichers befüllt.

Unser Fa(hr)zit:

Der Renault Austral hat im Zuge des Facelifts besonders optisch grobe Eingriffe erhalten, welche dem Fahrzeug zusätzliche Sportlichkeit verleihen. Auch bei der Materialwahl im Interieur darf man keinesfalls meckern. Bei der Bedienung hat man ebenso große Arbeit geleistet, da der Mix aus Touch und manuellen Bedieneinheiten sehr stimmig wirkt. Dazu gesellt sich ein erstklassiges Raumangebot (die Rückbank kann sogar um bis zu 16 Zentimeter verschoben werden). Schade finden wir, dass das Multi-Mode-Getriebe speziell im Sportmodus recht hektisch und ruckartig wirkt. Teilweise gesellt sich im urbanen Bereich der Verbrenner nicht gerade vibrationsarm hinzu und sorgt für hohe Drehzahl. Deutlich besser gefällt uns die hohe Effizienz des Hybrid-Antriebs, denn im Test waren wir im kombinierten Verfahren mit 6,5 Liter pro 100 Kilometer unterwegs, womit sich der Austral zur Diesel-Alternative anbietet.

Was uns gefällt:

  • Das gelungen sportliche Auftreten
  • Die Verarbeitung
  • Das Platzangebot

Was wir noch verbessern würden:

  • Der kleine Verbrenner
  • Die eingeschränkte Rundumsicht
  • Das teils sehr nervöse Getriebe

Factbox: Renault Austral Esprit Alpine E-Tech Full Hybrid 200

Motor/Antrieb

Motor: 3 Zylinder Benzin Direkteinspritzung inkl. Hybridsystem mit 2 E-Motoren
Hubraum: 1.199 ccm
Leistung Benzinmotor: 96 kW/131 PS bei 5.600 U/min
Leistung Elektromotoren: 69 und 25 PS
Systemleistung: 146 kW/199 PS
Drehmoment: 230 Nm, 205 Nm (E-Motor)
Getriebe: Multi-Mode-Automatik
Antrieb: Front
0-100 km/h: 8,4 Sekunden
V-Max: 180 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert: 5 l/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt:  6,5 l/100 km
CO2-Emission g/km: 108-113

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA/HA: Scheibenbremsen innenbelüftet/Scheibenbremsen
Felgen/Reifen:
235/45 R20

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.637 kg
L/B/H: 4,51 m / 1,83 m / 1,62 m
Radstand: 2,667 m
Kofferraumvolumen: 487-1.482 Liter / 555 Liter bei nach vorne verschobener Rückbank
Tankinhalt: 55 Liter

Preise

Renault Austral zu haben ab: € 34.990,-
Renault Austral Esprit Alpine Full Hybrid E-Tech 200 zu haben ab: € 43.720,-
Preis des Testfahrzeugs: € 51.592.-

Sonderausstattung:

Sondermetallic-Lackierung Südsee-Blau/ Dach in Black-Pearl € 1.720.-
360° City-Paket Plus € 861.-
Fixes Glas-Panoramadach € 1.025.-
Matrix LED-Scheinwerfer € 922,50
Vision Paket € 820.-
City-Paket Plus € 861.-
4Control advanced € 1.537,50
Harman Kardon Paket € 984.-

(c) Bilder: Sebastian Poppe