Renault 4 E-Tech Electric im Test: Retro im Trend!

Renault ist zurzeit ein Vorreiter bei Neuauflagen von bekannten Urgesteinen der französischen Marke. So experimentierfreudig aufgelegt erblickt man frisch den legendären Renault 4 wieder auf Österreichs Straßen. Der Vorreiter dieser vollelektrischen Neuauflage wurde von 1961 bis 1994 acht Millionen Mal gebaut und galt als eines der ersten Großserienfahrzeuge der Welt.

Dem Retro-Trend folgend nutzte der französische Hersteller, um neben dem bekannten R5 eine weitere, geräumigere BEV-Version in das Produktportfolio aufnehmen zu können. Nicht zu vergessen: Auch der neue Twingo folgt dieser Strategie.

Die Renault 4 E-Tech Elekctric Testversion kam mit dem großen 52 kWh Akkupaket und üppiger Ausstattung daher. Kann die rein elektrische Version im Test überzeugen und an die Erfolge des legendären Modells anschließen?

Exterieur: Farbenfroher Retrolook mit topmodernem E-Style

Wie bei nahezu allen reinen Stromern spaltet es die Geschmäcker und auch die Herzen, ob es unbedingt notwendig ist millionenfach verkaufte Kultautos der 60-90er Jahre in ein völlig neues Licht zu rücken. Aber wieso sollte es im Automotive Bereich anders als bei der Kleidung oder in anderen Bereichen sein?

Auf den ersten Blick erkennt man vor allem an den runden Scheinwerfern und der gelungen nachempfundenen Silhouette eindeutig den gelungenen, adaptierten Retro-Style. Die Karosserie ist deutlich gewachsen und der einst kleine Franzose mit den schmalen Rädern trägt ordentlich durch seine neu erlangte Präsenz auf. Markant anders und zeitgemäß mit modernster LED Pure-Vision Beleuchtungstechnik versehen, erfüllt er mit dem schicken Retro-Blechkleid und den erhältlichen farbenfrohen Lackierungsvarianten alle Kriterien, welche ein moderner Stadtflitzer mit E-Antrieb haben sollte.

Interieur: Modernster Innenraum mit des gewissen Pepp und hochwertiger Materialwahl

Beim ersten Blick ins Interieur sticht sofort das große (mit zwei Bildschirmen und einem auf der Beifahrerseite leuchtenden R4 Schriftzug versehene) Fahrerpanel ins Auge, welches auf stilvolle Art mit gelben und schwarzen Kontrastnähten abgestepptem Leder bezogen ist.
Auf dem beheizbaren, aus unterschiedlichen Materialien bestehenden Sitz Platz genommen, fallen dann die nächsten Blicke auf das gut strukturierte Multifunktionslenkrad.
Die Materialien wirken hochwertig und der bunte Mix daraus macht Freude am Verweilen. Interessant und etwas gewöhnungsbedürftig ist neben dem hoch angebrachten Startknopf zwischen dem Fahrerscreen und dem Infotainment Display auch der Fahrwahlschalter in Hebelform hinter dem Lenkrad, welcher wohl an eine Revolverschaltung erinnern soll.

Das Multifunktionslederlenkrad liegt gut in der Hand und beherbergt die wichtigsten Funktionstasten, den Fahrtmodischalter und die Wippen für die Wahl der Rekuperationsstufen.
Trotz der üppigen Belegung zwischen Fahrer und Fahrerdisplay bietet der R4 ungetrübten Einblicke auf das Display, ohne mit dem Kopf den Blickwinkel ändern zu müssen. Unter dem großen Infotainment-Display mit einer gehörigen Portion Harman Kardon Sound für die Ohren tummeln sich noch in unmittelbarer Nähe Tasten für die die wichtigsten Funktionen der Klimaregelung. Schlussendlich wurde auch für eine induktive Ladestation sowie USB- und 12 Volt-Anschluss noch ein geeigneter Platz in der Mittelkonsole gefunden.

Die Bedienung des Infotainments und des Raumklimas erfolgt über einen Mix aus Tasten und dem 10,1- Zoll großen Touchscreen. Das Menü ist übersichtlich gestaltet und nach einiger Zeit ohne große Ablenkung bedienbar. Zusätzlich ist auch noch die Möglichkeit an Bord über eine Sprachsteuerung die gewünschten Einstellungen ausführen zu lassen.

Dank der üppigen Grundausstattung und des zusätzlich verbauten Advanced-Driving Assist-Pakets bleiben auch hier nur wenig Wünsche punkto Sicherheits- und Komfortfeatures offen. Ein kleiner Auszug daraus wären ein Notbremssystem, Einparkhilfe vorne und seitlich, adaptiver Tempomat, Toter-Winkel-Assistent, Klimaanlage, Sitzheizung und eine Farbrückfahrkamera.

Platzangebot: Mehr Platz als ursprünglich gedacht

Der ursprüngliche R4 der 60iger Jahre wurde auch für seine gute Zuladung bekannt. Auch die aktuelle Ausgabe glänzt für dieses Fahrzeugsegment mit gutem Ladevolumen und akzeptabler Zuladung (maximal 471 Kilogramm). Zwischen 420 und 1.450 Liter je nach Rückbanklehnenposition sind gute Werte um auch im Retro E-Flitzer ausreichend Stauraum zu haben. Eine zusätzliche clevere Lösung ist, dass die Lehne des Beifahrersitzes sich umlegen lässt und so ein Gegenstand mit bis zu 220 Zentimeter Länge in den R4 passt.

Bei den Raumverhältnissen der Insassen sieht es ähnlich aus. In der ersten Reihe ist alles in Butter, wobei die Kopffreiheit als beachtlich einzustufen ist. Im Fond geht es besonders bei der Beinfreiheit – wie auch im R5 – etwas enger zu.

Ablageflächen sind vor allem in der Mittelkonsole vorgesehen, wobei eigentlich die wichtigsten Stellen durch die induktive Smartphoneladestelle belegt sind. Da musste wieder einmal der Becherhalter herhalten oder es bleibt dann fast nur mehr der Ausweg das Handschuhfach oder die öffenbare Mittelarmlehne zu nutzen.

Antrieb: Moderate Leistung mit brauchbarer Kapazität für den urbanen Raum

52 kWh Akkukapazität stehen dem Elektromotor, welcher an der Vorderachse verbaut ist zur Verfügung. Das E-Aggregat leistet maximal 110 kW/150 PS und verfügt über ein maximales Drehmoment von 245 Nm. Das reicht für eine Beschleunigung des 1.537 kg schweren R4 Retroflitzers von 0 auf 100 km/h in 8,2 Sekunden. Die kombinierte Reichweite liegt laut WTLP bei 409 km.
Im Test wurden bestenfalls 300-320 km erreicht, da die Einwirkung durch äußere Einflüsse sich sehr stark auf die Reichweite auswirkt. Die angegebene Ladedauer beträgt 4:30 Stunden von 10 auf 100% bei AC 11 kW und bei DC 100 kW von 10 auf 80% in einer halben Stunde.
Im Praxistest wird jedoch bei rund 10 Grad Außentemperatur nur um 20 Prozent weniger Ladeleistung an der Hyperlade angezeigt. Alles Werte, die für den urbanen Raum und bei geeigneter Ladeinfrastruktur in Ordnung gehen, trotzdem wäre die Option eines weitaus flexibleren Hybridsystems schon eine Überlegung wert.

Fahrverhalten: Wendiger Stadtflitzer mit Ladevolumen

Der Elektromotor ist passend zu dem Fahrzeuggewicht ausgefallen und bietet weder zu viel noch zu wenig Vortrieb. 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind flott und lassen den R4 an der Kreuzung nicht alt aussehen. Doch den E-Fahrspaß mit einem gewählten Eco Modus sollte man sich gut überlegenen, da hier Überholvorgänge gut überdacht werden sollten.
Am besten ist man im Comfort-Modus unterwegs und büßt sicherheitshalber dafür ein wenig Reichweite ein. Das Fahrwerk und die Polsterung der Sitze sind passend für den R4 abgestimmt – Komfort soweit das Auge reicht. Der im Vergleich zum Markenkollegen R5 höhere Schwerpunkt und die größeren Abmaßen lassen den R4 etwas behebiger dastehen, doch dafür ist der Innenraum deutlich alltagstauglicher und die Zuladung höher. Das manchmal unangenehm schwammige Bremsgefühl bei E-Autos ist hier nicht zu spüren und das Zusatzgewicht der Batterien wird dank der richtigen Dimensionierung der Bremsanlage weggefiltert.

Fazit:

Wer den urbanen Raum rein elektrisch, mit kultigem Auftreten und vor allem etwas mehr Ladevermögen erkunden möchte, sollte sich einmal mit dem Renault 4 näher beschäftigen. Die farbenfrohe Retro-Alternative hat nicht nur eine moderate Preisgestaltung, sondern auch modernste Technik und ein makelloses Innenleben, um fest bei der Kundschaft zu punkten. Wünschenswert wäre jedoch noch eine zusätzliche Variante mit Hybrid-Antrieb.

 Das hat uns gefallen

  • Das gelungene Retrodesign
  • Die moderne Armaturenlandschaft
  • Die üppige Ausstattung

Das würden wir noch verbessern

  • Eine Hybrid-Version
  • Die geringe Reichweite
  • Die Ablagemöglichkeiten in der Mittelkonsole

Faktbox: Renault R4 E-Tech Electric Iconic 150 Comfort Range

Motor/Antrieb/Akku

Motor: Elektrisch fremderregter Synchronmotor
max. Leistung kW/PS: 110 kW/ 150 PS
Drehmoment: 245 Nm
Batterietyp: Li-Ionen
Elektrische Speicherkapazität in Kilowattstunden: 52 kWh
Antrieb: Vorderrad
Getriebeart: Automatik
0-100 km/h: 8,2 Sekunden
V-Max: 150 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert: 15,1 kWh/ 100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 18,5 kWh/ 100 km
Reichweite nach WLTP: 409 km
CO2-Emissionen: 0 g

Ladedauer (Herstellerangaben)

Wallbox, 11 kW (10-100%): ca. 4,5 Std.
Gleichstrom-Schnelllader (10-80%): ca. 30 Min. bei max. 100 kW

Reifen/Felgen/Bremsen

Bremsen: VA: Scheibenbremsen innenbelüftet HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: 195/55 R18

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.537 kg
L/B/H: 4,144/ 1,796/ 1,552 m
Radstand: 2,624 m
Kofferraumvolumen: 420-1.405 Liter

Preise

Renault 4 E-Tech Electric zu haben ab: € 29.390,-
Renault 4 E-Tech Electric Comfort Range zu haben ab: € 36.390,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVa und MWSt.: € 39.220,-

Sonderausstattung

Sonderlackierung Hauts-de-France-grün & Dach in Black-Pearl € 700,-
Elektrische Heckklappe mit Fußsensor € 480,-
Safety & Driving Assist-Paket € 650.-
Harman Kardon Premium Sound € 600.-
Motorhaube in Schwarz € 200.-
V2L-Adapter € 200.-

(c) Bilder: Sebastian Poppe