BYD Dolphin Surf im Test: Jetzt geht’s los!

BYD steht für eine leistbare E-Mobilität mit umfangreicher Ausstattung. Bislang ist das rein elektrische Kleinwagen-Segment recht überschaubar gestaltet. Aber keine Sorge, denn das Warten hat ein Ende – mit dem Dolphin Surf ist nun ein Kleinwagen mit einem durchaus fairen Preis-Leistungs-Verhältnis, umfangreichen Ausstattung und durchaus hochwertiger Materialwahl am Markt vertreten. Wir fahren den rein elektrischen Kleinwagen mit Vollausstattung, sprich auch größerem Akku und mehr Leistung. Kann der Viermeter-Chinese im Test überzeugen?

Interieur: Hochwertige Materialwahl, fehlende Klimaautomatik, nerviger Aufmerksamkeitswarner aber ordentlich Platz!

Platz genommen wir auf sportlichen Sitzen mit veganem Leder, die auch reichlich Komfort bieten. Das 7-Zoll-Fahrerdisplay hinter dem Volant wirkt ein wenig veraltet und dürfte gerne upgedatet werden. Hier hat uns am meisten gestört, dass man den durchschnittlichen Verbrauch immer nur für die letzten 50 Kilometer angezeigt bekommt und keine Möglichkeit hat, dass man den Wert komplett zurücksetzen kann.
Das Infotainment-Display misst in der Diagonale 10-Zoll (kann auch mittels Knopfdrucks) im Hochformat platziert werden, wobei dann Apple CarPlay nicht mehr mitspielt. Die Bedienung wirkt für all jede, die bereits in einem BYD-Modell Platz genommen haben beinahe selbsterklärend, sofern man die zahlreichen Menüs mal durchforstet hat.
Schade hingegen finden wir, dass man auch in der Topversion keine Klimaautomatik an Bord hat und mittels Touch-Befehle die Intensität des Luftstroms einstellen muss. Leider wird die Innenraum-Temperatur an der Klimaeinheit nicht in Grad angezeigt, sondern in einigen Stufen in der Unterteilung blau und rot. Der Aufmerksamkeitswarner alarmiert bereits beim kleinsten Schulterblick und stellt somit seine tatsächliche Aufgabe in Frage.
Großes Lob hingegen gibt es für die Raumverhältnisse des Flippers sowohl in erster als auch zweiter Reihe. Aufgrund der Fahrzeughöhe von knapp 1,60 Meter profitieren auch die Hinterbänkler von einer sensationellen Kopffreiheit. Dazu gesellt sich der Radstand von 2,5 Meter, sodass man auch bei der Beinfreiheit nichts aussetzen darf, ganz im Gegenteil.
Das Kofferraumvolumen ist mit 308 Liter in der Basis eben Kleinwagen-typisch bemessen. Nach umlegen der Rücksitzbank (wohlgemerkt mit Stufenbildung) erweitert man den Stauraum auf 1.037 Liter.
Damit verzaubert man den Dolphin Surf klarerweise nicht zum Lieblingsfahrzeug der Hobby-Spediteure, dennoch wird man damit im Alltag problemlos auskommen, sofern keine sperrigen Güter transportiert werden müssen. Einziges Manko im Ladeabteil: Es gibt leider beim Öffnen des Kofferraumdeckels keine Beleuchtung und die Ladekante fällt Kleinwagen-typisch recht hoch aus.

Fahrverhalten und Lademanagement: Größerer Akku, mehr Leistung, erstklassiger Wendekreis und durchschnittliche Ladeleistung

Wir haben die höchste Ausstattungslinie mit der Bezeichnung Comfort unter die Lupe genommen. Der Unterschied zu den Ausstattungslinien Active und Boost bezieht sich nicht nur auf die bessere Ausstattung, die sogenannte Blade Battery bietet auch mehr Kapazität (43,2 statt 30 kWh) und auch die Leistung fällt deutlich höher aus (156 statt 88 PS). Damit macht der Dolphin Surf speziell im urbanen Bereich jede Menge Spaß – unser Testwagen war nach der Übernahme noch im Sportmodus, da kann es beim motivierten Gasfuß gerne mal passieren, dass die Vorderräder akustisch auf sich aufmerksam machen. Dennoch ist der Dolphin Surf kein Sportler – 9,1 Sekunden dauert der Sprint auf Tempo einhundert und bei 150 Sachen ist der kompakte Flitzer abgeregelt.
Viel mehr Freude bereitet das Fahrzeug bei der Parkplatzsuche oder beim Rangieren. Der Wendekreis von 10 Meter ist sensationell. Hier hat BYD aus dem Dolphin so einen richtigen City-Floh gestaltet. Darüber hinaus ist es auch keine Seltenheit, dass man mit dem gerade mal vier Meter Kleinwagen einen Verbrauch im urbanen Gebiet von 10-11 kWh pro 100 Kilometer erzielt, somit wären zumindest im städtischen Bereich rund 400 Kilometer ohne Akkuladung möglich.
Im Drittelmix sieht es anders aus, denn hier genehmigt sich der kompakte Chinese 17 kWh pro 100 Kilometer.
Womit man bei einem SoC von rund 5 Prozent 240 Kilometer ohne Ladestopp runterspult.
Die maximale Ladeleistung laut Hersteller liegt an einem Schnelllader bei 85 kW. Wir haben rund 60-70 kW als maximale Ladeleistung erzielt, der Ladevorgang von 5-80 % dauerte rund 40-45 Minuten. Falls es zwischenzeitlich gar mal langweilig werden sollte, kann man gerne mittels Karaoke Funktion das Gesangstalent testen.

Die Lenkung ist natürlich nicht besonders nervös, aber dennoch für einen Kleinwagen direkt abgestimmt. Das Fahrwerk schluckt minimale Unebenheiten weg, bei gröberen Rumpelpisten merkt man die Schläge dann doch auch im Cockpit und das Fahrwerk tendiert bei sportlicher Fahrweise gerne mal zum nachwanken. Die Rekuperation könnte gerne noch kräftiger ausfallen und die Bremsen dürften gerne bissiger zupacken.

Unser Fa(hr)zit:

BYD sorgt nun auch im Kleinwagen Segment mit dem Dolphin Surf für einen großen Wurf. Das Viermeter-Modell punktet speziell im urbanen Bereich mit niedrigem Verbrauch und seiner Wendigkeit. Die Raumverhältnisse in beiden Reihen sind lobenswert und auch bei der Materialwahl gibt es nichts auszusetzen. Gerne hätten wir bei der Topversion eine Klimaautomatik an Bord, ein moderneres Design für das Fahrerdisplay, den Aufmerksamkeitswarner müsste man zügeln und für das Ladeabteil würden wir uns noch eine Beleuchtung wünschen.

Was uns gefällt:

Der Wendekreis
Die Materialwahl
Die Raumverhältnisse
Der Verbrauch im urbanen Bereich
Das Preis-Leistungs-Verhältnis

Was wir noch verbessern würden:

Eine Klimaautomatik für die Topversion
Das Fahrerdisplay modernisieren
Den nervösen Aufmerksamkeitswarner
Eine Beleuchtung für den Kofferraum

Factbox: BYD Dolphin Surf Comfort

Motor/Antrieb

Motor: Permanentmagnet-Synchronmotor
max. Leistung kW/PS: 115 kW / 156 PS
Dauerleistung kW/PS: 60 kW / 82 PS
Drehmoment: 220 Nm
Antrieb: Front
Getriebeart: 1-Gang Automatik
0-100 km/h: 9,1 Sekunden
V-Max: 150 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert kWh/100 km: 16
Werksangabe – Reichweite: bis zu 460 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt kWh/100 km: 17

Ladedauer (Herstellerangaben):

Ladedauer Wallbox 11kW: 0% – 100%: 5 Stunden
Gleichstrom-Schnelllader bis zu 85 kW: 10% – 80%: ca. 30 Minuten

Bremsen/Felgen/Reifen

Bremsen: VA+HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: VA+HA: 185/55 R16

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.390 kg
L/B/H: 3,990 m / 1,720 m / 1,590 m
Radstand: 2,500 m
Kofferraumvolumen: 308-1.037 Liter
Batteriekapazität: 43,2 kWh

Preise

BYD Dolhin Surf zu haben ab: € 19.990,-
BYD Dolphin Surf Comfort zu haben ab: € 25.880,-
Preis Testfahrzeug inkl. MWSt: € 26.530

Sonderausstattung

Lackierung: Apricity White € 650

(c) Bilder: Sebastian Poppe