BYD Tang im Test: Volle Hütte!

Wer ein familientaugliches Elektro-SUV sucht, wird häufig lange auf der Suche sein oder viel Geld in die Hand nehmen müssen. Wie wir es jedoch schon von BYD kennen, können die Fahrzeuge mit guter Verarbeitung und Komfort für vergleichsweise geringe Anschaffungskosten aufwarten. Jetzt kamen wir in den Genuss, das neue 7-Sitzer-Flaggschiff in unserem Testfuhrpark willkommen zu heißen.

Exterieur: Ein End-zu-End-Kontrast

Beginnen wir an der Front, wo sich ein satiniertes silbernes Zierelement über dem Kühlergrill befindet. An den Außenkanten schmiegt es sich an die Form der LED-Scheinwerfer an, welche mit drei Leuchtelementen dem Fahrzeug entsprechend präsent wirken. Unterhalb der Scheinwerfer befinden sich Lufteinlässe, die nicht zur Belüftung dienen, sondern rein der Optik. Unterhalb der Frontpartie findet man ein Kunststoffelement in Aluminium-Optik, welches selbstverständlich keinen Einfluss auf die Offroadtauglichkeit hat. Die Mächtige Motorhaube versteckt zwar keinen Frunk, hätte jedoch darunter genug Platz um selbst die größten Verbrennungsmotoren unterzubringen, hier wurde also der Raum nicht gerade sinnvoll genutzt. Zur Front hin zieht sich die Haube jedoch stark nach unten, was sie nicht so bullig wirken lässt, wie es diesem 2,6 Tonnen schweren SUV stehen würde.

Gegenteilig sieht es am Heck aus, wo durch den Aufbau nicht nur die Größe und das Gewicht zur Geltung kommen. Die moderne Optik und die mächtige Lichtsignatur der Heckleuchten betonen die Breite und erinnern uns an eine amerikanische Marke, die gerne Hemi-V8-Motoren mit Kompressoren verbaut. Somit bilden das vordere und hintere Ende des asiatischen Elektrofahrzeugs starke Kontraste – vorne Understatement, hinten pure Präsenz.

Interieur: Ein Ballsaal auf Rädern

Im Innenraum angekommen fallen augenblicklich die generösen Platzverhältnisse auf, während man auf den beheiz- und belüftbaren Ledersitzen mit Massagefunktion sitzt. Hochwertige Verarbeitung und eine gute Materialwahl passen hier bestens dazu. Nicht nur die eleganten Lüftungsdüsen und das Armaturenbrett mit reichlich Klavierlack komplimentiert das Gesamtbild, auch die Ambientebeleuchtung sorgt bei Nacht für Begeisterung. In der zweiten Sitzreihe ist man kaum schlechter bedient und der Reisekomfort wird ebenfalls großgeschrieben. Das liegt nicht nur an der Bein-, sondern auch an der Kopffreiheit. Zudem sorgt das große Panoramadach für reichlich Tageslicht. Sollte dann überraschend nach dem Fußballtraining die halbe Mannschaft mitgenommen werden müssen, klappt man einfach die dritte Sitzreihe auf, bringt somit insgesamt sieben Personen unter. Auch wenn auf den hintersten Sitzen die Beinfreiheit spürbar geringer ist, ist das Platzangebot beeindruckend.

Ohne die Zusatzsitze bietet der Kofferraum 940 Liter Volumen, was sich auf insgesamt 1.655 Liter erweitern lässt. Somit wird der Tang auch für Unternehmer besonders interessant, da man Freizeit- und Berufsfahrten mit ein und demselben Fahrzeug unter einen Hut bringen kann. Außerdem besticht auch die bereits erwähnte, erstklassige Haptik an nahezu allen Stellen des Interieurs.

Fahrverhalten: Wer reist will genießen

Setzt man das über 2,6 Tonnen schwere SUV in Bewegung, sorgt er auch mit dem Fahrverhalten für Begeisterung. Natürlich ist der Tang kein Sportwagen, doch der Allradantrieb, 516 PS (380 kW), 700 Nm und der niedrige Schwerpunkt, den die im Boden verbaute Blade-Batterie optimiert, sorgen für einen souveränen Auftritt und reichlich Beschleunigung. Das Fahrwerk harmoniert erstklassig mit dem stimmigen Gesamtpaket, da es für ordentlich Fahrkomfort und Ruhe sorgt, aber dennoch nicht zu schwammig ausgelegt ist. So kann der BYD Tang sowohl in der Stadt, als auch auf Landstraßen einen guten Eindruck hinterlassen und sorgt dennoch in Kurven für ein sicheres Fahrgefühl.

Um mit einem guten Gefühl sein Ziel zu erreichen, ist auch der Verbrauch relevant. Beim Tang sind ganze 108,8 kWh Speicherkapazität verfügbar, was theoretisch eine Reichweite von 530 km bedeutet. In unserem Test überschritt er den angegeben Verbrauchswert von 24 kWh pro 100 Kilometer nur knapp, sodass schließlich 25,2 kWh pro 100 Kilometer am Instrumentendisplay angezeigt wurden. Auf Autobahn-Etappen bei erlaubter Höchstgeschwindigkeit steigt der Verbrauch dann über die 30 kWh hinaus. Hier werden bestimmt das hohe Leergewicht und der Luftwiderstand eine große Rolle spielen. Mit einer maximalen Ladeleistung von 170 kW ist jedoch auch dieses Problem vergänglich. Viel mehr sind es die elektrischen Helferlein, die teilweise sehr ungenau arbeiten und mit der Zeit recht nervig wirken.

Fazit:

Die einzige verfügbare Ausstattungsvariante heißt „Flagship“, was sehr treffend gewählt wurde, denn hier ist echt alles dabei, was man sich wünscht. Die umfangreiche Ausstattung, die hochwertige Verarbeitung, das phänomenale Platzangebot und die unschlagbare Preispolitik lassen den BYD Tang beinahe perfekt erscheinen. Wenn noch die unzähligen elektrischen Helferlein und Überwachungssysteme etwas weniger nervig und der Verbrauch bei Autobahn-Etappen geringer wären, würden gar alle Kritikpunkte wegfallen.

Was uns gefällt:

  • Die hochwertige Verarbeitung und Materialwahl
  • Das großzügige Platzangebot
  • Die Alltagstauglichkeit in den verschiedensten Situationen
  • Das souveräne Fahrgefühl
  • Die Preispolitik

Was wir noch verbessern würden:

  • Die Front etwas bulliger bzw. aggressiver gestalten
  • Den Verbrauch bei höheren Geschwindigkeiten optimieren
  • Die Assistenten etwas entschärfen oder leichtere Deaktivierungsmöglichkeiten anbieten

Factbox: BYD Tang Flagship

Motor/Antrieb

Motor: Permanentmagnet-Synchronmotor
Leistung kW/PS: 380 kW/ 516,6 PS
Nennleistung kW/PS: 130 kW/ 176,7 PS
Drehmoment: 350 Nm vorne/ 350 Nm hinten
Antrieb: Allradantrieb
Getriebeart: 1-Gang-Automatikgetriebe
0-100 km/h: 4,9 Sekunden
V-Max: 190 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert: 24 kWh/ 100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 25,2 kWh/ 100 km
Reichweite nach WLTP: 530 km
CO2-Emissionen: 0 g/km

Ladedauer (Herstellerangaben)

Gleichstrom-Schnelllader (10-80%): 46 Minuten
Gleichstrom-Schnelllader (30-80%):
30 Minuten

Reifen/Felgen/Bremsen

Bremsen: VA: Scheibenbremsen innenbelüftet HA: Scheibenbremsen innenbelüftet
Felgen/Reifen: 265/45 R21

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.630 kg
L/B/H: 4.970/ 1.955/ 1.745 mm
Radstand: 2.820 mm
Kofferraumvolumen: 235-1.655 Liter
Elektrische Speicherkapazität in Kilowattstunden: 108,8 kWh

Preise

Preis Testfahrzeug inkl. NoVa und MWSt.: € 72.390,-

(c)Bilder: Sebastian Poppe