Polestar 4 LRDM im Test: Der Blickfänger!

Zu Beginn des Jahres hatten wir den Polestar 4 als Long Range Single Motor im Test. Leider haben hier nicht alle Funktionen mitgespielt wie wir uns das vorgestellt hätten, sodass wir uns dieses Modell nochmals zur Brust genommen haben. Nun als Long Range Dual Motor Version mit sage und schreibe 544 PS.
Wie sich der Performance-Vollzeit-Stromer im erneuten Test schlägt, das lest ihr hier.

Exterieur: Futuristisch bis ins kleinste Detail

Bereits mit seinem Außenkleid besticht der Polestar 4 – in unserem Fall die LRDM -Version (inklusive Performance-, Plus- und Pilot-Paket). 22-Zoll Räder, ausfahrende Türgriffe, einzigartige Scheinwerfer und am Heck verzichtet man auf die Heckscheibe und ersetzt diese mit einem speziellen Kamerasystem. Die Dachlinie ist abfallend, Coupé-artig gezeichnet und die Kofferraumklappe öffnet als gesamtes Teil, sprich auch größere Packstücke können ohne Probleme verstaut werden. Die Breite des Hecks wird mit einem durchgehenden Lichtband signalisiert und sieht besonders abends sehr zukunftsweisend aus.

Interieur: Zukunftsorientiert, teilweise aber zu futuristisch

Grundsätzlich haben wir ja kein Problem, dass manche Funktionen in die Infotainment-Zentrale gepackt werden, sofern diese klar strukturiert ist. Bereits bei der LRSM-Version haben wir darübergeschrieben, dass wichtige Funktionen wie zum Beispiel die Spiegel Einstellung, die Lenkradeinstellung oder das Handschuhfach öffnen. Hauptgrund für den erneuten Test waren bei der LRSM-Version knarrende Geräusche im Innenraum – diese waren aber ein Einzelfall, denn bei der LRDM-Version knarrt nichts und auch bei der Materialwahl haben wir keinesfalls etwas auszusetzen.

An die fehlende Heckscheibe und das verbaute Kamerasystem gewöhnt man sich mit der Zeit. Wir konnten dies selbst nicht glauben, doch selbst beim Spurwechsel und einparken kann man problemlos die Entfernung bestens abschätzen.
Der Innenraum des Polestar 4 ist riesig – selbst die Hinterbänkler verfügen über reichlich Bein- und Kopffreiheit, gleiches gilt auch für das Kofferraumvolumen mit 526 Liter in der Basis.
Erstklassigen Sound spendiert das Harman Kardon Premium Soundsystem, welches im optionalen Plus-Paket integriert wurde.

Fahrverhalten und Lademanagement: Performance pur!

Dass der Long Range Dual Motor mit dem Performance-Paket in den Kurven einen echt genialen Fahreindruck hinterlässt, das ist wohl kein Geheimnis. Dennoch sind wir überrascht, dass die 2,35 Tonnen derart kaschiert werden im Kurvengetümmel und das Fahrzeug in jeder Kehre mit dem Asphalt bestens verbunden ist. 3,8 Sekunden auf Landstraßen-Tempo ist schon eine Ansage. Soll aber natürlich keinesfalls heißen, dass man mit der Single Motor Version untermotorisiert wäre.
Aufgrund der sommerlichen Außentemperaturen konnten wir auch bei der Ladung des Fahrzeugs Entwarnung geben. An der DC-Säule konnten wir 190 kW maximale Ladeleistung notieren, womit wir die 30 Minuten von 10-80 Prozent nur minimal verfehlten. AC-seitig bietet der Polestar 4 serienmäßig bis zu 11 kW Ladeleistung, gegen Aufpreis wird diese verdoppelt.
Auch der Verbrauch kann sich bei diesen Temperaturen sehen lassen, denn trotz des dynamischen Fahrstils und des nicht gerade zarten Leergewichts konnten wir 22 kWh pro 100 Kilometer vom Display ablesen. Das sind also rund 385 Kilometer bei einem SoC von 10 Prozent. Bei winterlichen Temperaturen sieht die ganze Sache wohl ein wenig anders aus – und gerade dann würde man gerne per Touchfunktion den Akku „aufwärmen“. Eine manuelle Vorkonditionierung würden wir uns wünschen, denn spätestens im Spätherbst wird man mit einem kalten Akku wohl mit der Ladekurve zu kämpfen haben.
Ärgerlich fanden wir bei der Single Motor Version das Matrix-LED-Licht, da es den Gegenverkehr mit Disco-artigen Effekten geblendet hatte. Auch hier können wir Entwarnung geben, denn die Dual Motor Version hat fast immer rechtzeitig automisch abgeblendet und auf diese Lichtspiele verzichtet.

Unser Fa(hr)zit:

Der Polestar 4 konnte im zweiten Praxistest fast alle Kritikpunkte der LRSM-Version ausbessern. Kein Knarren der Materialen im Innenraum, deutlich gesteigerte Ladeleistung, keine ungewollten Lichtspiele der Matrix-LEDs. Die Einstellung der Außenspiegel, des Lenkrads und das Öffnen des Handschuhfachs dürften gerne außerhalb des Infotainment-Systems Platz finden. Eine manuelle Vorkonditionierung für den Akku würden wir uns ebenso wünschen.
Großes Lob gibt es für die unglaublichen Fahrleistungen, die großzügigen Raumverhältnisse und den täglichen Blickfang.

Factbox: Polestar 4 Long Range Dual Motor

Motor/Antrieb

Motor/Akku: 2x Permanentmagnetmotor, Batteriekapazität 100 kWh (netto 94 kWh)
Leistung kW/PS:  400 kW/ 544 PS
Drehmoment:  686 Nm
Antrieb: Allrad
Getriebeart: 1-Gang-Automatik
0-100 km/h:  3,8 Sekunden
V-Max:  200 km/h

Verbrauch/Umwelt

Werksangabe – kombiniert:  18,7-21,7 kWh/100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt:  22 kWh/ 100 km
Reichweite nach WLTP:  bis zu 590 km (WLTP)

Ladedauer

Wallbox, 11 kW (Ladezeit 0 bis 100 %): 5,5 Stunden
Gleichstrom-Schnellader max. 200 kW (Ladezeit 10-80%): 30 Minuten

Bremsen/Reifen/Felgen

Bremsen: VA: belüftete Scheibenbremsen HA: belüftete Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: 265/40 R 22

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.350 kg
L/B/H: 4,840m /2,139 m / 1,534 m
Radstand:  2,999 m
Kofferraumvolumen: 526-1.536 Liter, Frunk 15 Liter

Preise

Polestar 4 zu haben ab: € 59.990
Polestar 4 LRDM zu haben ab: € 67.990
Preis Testwagen inkl. Steuern: € 82.590

Sonderausstattung:

Pilot-Paket € 1.500
Plus-Paket € 5.500
Performance-Paket € 4.500
Lackierung: Snow € 1.600
Innenraum: Tailorad Knit Nebel mit Zinc-Dekor € 1.000
Sichtschutzglas Seitenscheiben hinten € 500

(c) Bilder: Sebastian Poppe