Mit dem Duster hat Dacia bereits ein SUV am Markt, das sich großer Beliebtheit erfreut. Kürzlich wurde die Produktpalette jedoch nochmals erweitert und der Bigster mit spürbar mehr Platz – wie es der Name ohnehin vermuten lässt – wurde in die Familie aufgenommen. Somit durften wir ihn erstmals bei der Präsentation bestaunen, wie ihr auch im Newsbericht lesen könnt, und nun als Bigster Extreme Mild Hybrid 130 4×4 ausgiebig testen.
Exterieur: Eine klare Linie





Der Bigster ist in Punkto Design dem kleineren Duster sehr ähnlich. Besonders in der Heckansicht sind sie kaum zu unterscheiden. An der Front präsentiert der neue Rumäne stolz seinen Kühlergrill, der wegen der Modellvariante Extreme mit bronzenen Aktzenten dekoriert ist. Daneben sind an den Außenseiten die Lufteinlässe für die Radkästen mit der Halterung für die Nebelscheinwerfer kombiniert. Das dafür verwendete Recyclingmaterial haben wir bereits im Newsbericht im Frühjahr genauer behandelt. Besonders auffällig ist bei der Motorhaube der Powerdome, welcher ein mächtiges Aggregat vermuten lässt, jedoch ist hier allgemein mit klaren, kräftigen Kanten gearbeitet worden, was dem Bigster einen stylischen Look verpasst.
Im Seitenprofil fallen schnell die Akzente unterhalb der A-Säule und die Spiegelkappen auf, da sie in derselben Farbe wie der Kühlergrill gehalten sind. Das wirkt stimmig und trägt zum funktionierenden Gesamtkonzept bei. Die Radkästen beheimaten moderne 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, welche die Optik nochmals aufwerten. Bei der Hinterachse wurde die ansonsten glatte Seitenfläche durch eine kantige Seiten- und Heckpartie aufgebrochen. Dies stellt den Bigster optisch breiter auf die Straße und passt auch gut zum Offroad-Design.
Am Heck hat der Neue die gleichen Rücklichter wie der Duster, die aussehen wie ein liegendes „V“, und auch sonst sind kaum Unterschiede zu sehen, außer dass der Bauform verschuldet alles etwas in die Höhe gezogen wurde.
Interieur: Das Abenteuer ruft












Im Innenraum begrüßt uns der Bigster mit einem ordentlichen, aufgeräumten Interieur. Das Lenkrad verfügt wie alle Modelle von Dacia über den von Renault bekannten Hebel, der zur Audiosteuerung dient – hier wäre ein Umzug auf´s Lenkrad wünschenswert. Das digitale 10-Zoll-Fahrinfodisplay gibt minimalistisch aber übersichtlich alle relevanten Daten wieder und verfügt über einen grünen Akzentstreifen, der auch im Infotainment-Touchscreen aufgegriffen wird. Während sonst weiterhin eher auf die dezente Schiene gesetzt wird, setzen die Lüftungsdüsen mir den bronzenen Elementen einen gekonnten, modernen Kontrast.
Lobenswert hervorzuheben ist, dass Dacia weiterhin auf zahlreiche echte Knöpfe setzt, welche schlichtweg der intuitivste Weg zur Steuerung während der Fahrt sind. Hinzu kommt noch ein Drehregler in der Mittelkonsole, welcher zur Auswahl der verschiedenen Fahrmodi dient, darunter ist auch die Option den Allradantrieb permanent zu aktivieren.
Da der neue Bigster auf den Transport der ganzen Familie ausgelegt ist, ist freilich im Fond ausreichend Platz, welcher dank des großen elektrischen Panoramaglasdachs nochmal geräumiger wirkt. Der Kofferraum ist allerdings fast noch beeindruckender. Sage und schreibe 550 Liter passen hier hinein, und das ohne dachhohe Beladung. Im Falle unseres Testfahrzeugs war jedoch hier der Stauraum mit einem ausklappbaren Bett inklusive Verstaumöglichkeiten darunter versehen. Das Ganze nennt sich „Box für Dacia Camping-Innenumbau Schlafpaket“ und ist separat beim Händler zu erwerben. Somit ließ sich innerhalb von wenigen Minuten (spätestens nach dem zweiten Mal geht das Kunststück in maximal 2 Minuten von der Hand) ein 1,9 Meter langes Bett aufbauen, das auf Höhe der Türen 1,3 Meter breit ist. Auch wenn die Kopffreiheit dann eher bescheiden ist, ist das ein unglaublich cooles Gadget für all jene, die gerne mal spontan in die Natur und dem Alltag entfliehen wollen. Außerdem gibt es auch einen ausklappbaren Tisch, der sich dann unterhalb der Heckklappe befindet, um auch bei Regen im Trockenen essen zu können.
Fahrverhalten: Ist größer wirklich besser?
Unser Testfahrzeug wird von einem 1,2-Liter großen Turbobenziner mit drei Zylindern angetrieben, der in der Spitze 131 PS (96 kW) und 230 Nm erzeugt. Dabei wird er von einem Mild Hybrid System unterstützt, das besonders im klassischen Turboloch spürbar ist. Übertragen wird die Kraft dann über ein manuelles 6-Gang-Schaltgetriebe an entweder die Vorderräder, oder bei Bedarf an alle vier Räder. Über einen Drehregler kann man bei Bedarf auch den Allradantrieb dauerhaft zuschalten.
Dem doch sehr überschaubaren Hubraum ist es zu verschulden, dass besonders beim Anfahren viel Feingefühl im Kupplungsfuß notwendig ist, um ihn selbstsicher zu beschleunigen. Genauso spürbar ist, dass wenn der Turbolader noch nicht genug Ladedruck aufgebraut hat, sehr viel Belastung auf den Motor wirkt, was sich durch das bekannte 3-Zylinder-Nageln ausdrückt und man kaum Tempo aufbaut.
Der Spurt aus dem Stillstand auf Tempo 100 dauert 11,2 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 174 km/h. Man hat versucht die fehlende Leistung durch kurz übersetzte Gänge auszugleichen, doch das führt zu unangenehm vielen Schaltvorgängen im Stadtverkehr und die Schaltanzeige erscheint gefühlt im Sekundentakt im Fahrinfodisplay. Die Schaltgassen dürften gerne kürzer ausfallen.
Die weiche Federung sorgt zwar für bequemen Fahrkomfort, ist aber in vielen Situationen mit höherer Geschwindigkeit schlichtweg unangenehm, da der neue Bigster dies mit starken Wankbewegungen quittiert. Zudem geht der größte Dacia auch spürbar in die Knie, wenn man beherzt entschleunigt – Zug- und Druckstufe dürften gerne noch etwas „knackiger“ abgestimmt werden. Auch die starken Windgeräusche bei Tempo 130 und der dabei angezeigte Verbrauch von rund 8 Litern pro 100 km lassen einen zu dem Schluss kommen, dass man auch gerne mal die Hybrid-Version im Vergleich unter die Lupe nehmen sollte.
Fazit:
Der Dacia Bigster ist in vielen Punkten ein hervorragendes, pragmatisches Auto, das zu einem sehr überschaubaren Preis unglaublich viel bietet. Die Ausstattung und das Design können ebenfalls überzeugen, jedoch wenn´s um das Fahrverhalten geht, häufen sich die Kritikpunkte. Hier wäre möglicherweise der Hybridantrieb die bessere Wahl – diesen gibt es jedoch nur mit Frontantrieb.
Auf einen Diesel muss man leider auch beim neuen Bigster verzichten.
Was uns gefällt:
- Der viele Platz in beiden Sitzreihen und dem Kofferraum
- Die moderne Optik
- Die echten, praktischen Knöpfe
- Die unschlagbare Preispolitik
- Die coolen Zusatzoptionen für Abenteurer
Was wir noch verbessern würden:
- Die zu softe Fahrwerksabstimmung
- Den Hubraum bei der Mild Hybrid Version erhöhen
- Die Schaltwege etwas verkürzen
Factbox: Dacia Bigster Extreme Mild Hybrid 130 4×4
Motor/Antrieb
Motor: Dreizylinder Turbobenziner mit Direkt-Einspritzung
Hubraum: 1.199 ccm
Leistung kW/PS: 96 kW/ 131 PS bei 4.500-5.500 U/min.
Drehmoment: 230 Nm bei 2.100-3.500 U/min.
Antrieb: Allradantrieb
Getriebeart: 6-Gang-Schaltgetriebe
0-100 km/h: 11,2 Sekunden
V-Max: 174 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert: 6.0-6,1 L/ 100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 8,3 L/ 100 km
CO2-Emissionen: 134-137 g/km
Reifen/Felgen/Bremsen
Bremsen: VA: Scheibenbremsen innebelüftet HA: Scheibenbremsen
Felgen/Reifen: 215/60R18 98H
Gewicht und Maße
Leergewicht: 1.515 kg
L/B/H: 4.570/ 2.069/ 1.712 mm
Radstand: 2.702 mm
Tankinhalt: 55 Liter
Kraftstoff: Super 95
Kofferraumvolumen: 550-1853 Liter
Nutzlast: 455 kg
Preise
Dacia Bigster zu haben ab: € 24.490,01,-
Dacia Bigster Extreme zu haben ab: € 31.090,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVa und MWSt. (Ohne Schlafpaket): € 32.831,50,-
Sonderausstattung
City Paket € 451,50,-
Winter Paket Plus € 516,-
Optionale Lackierung € 774,-
(c) Bilder: Sebastian Poppe

