Über 50 Jahre ist es her, dass der kultige Renault 5 erstmals über die Straße düste und sich seither treuer Anhänger erfreute. Aber bereits damals war es schon so, dass wenn man auf der Suche nach Fahrspaß und Leistung eines Sportwagen war, es nur eine Wahl gab: Alpine. Wir durften die Sportskanone der Zwillingsfahrzeuge testen und konnten uns die neue vollelektrische Alpine A290 GT Performance ordentlich zur Brust nehmen.
Exterieur: Ein Blick reicht nicht
Natürlich haben Renault und Alpine die beiden Fahrzeuge sehr ähnlich designt, doch dass die Alpine schon optisch die Nase vorne hat, merkt man bereits auf den ersten Kilometern nach der Abholung, wenn die Blicke der Passanten fest auf den Franzosen gerichtet sind. Die X-Lichtsignatur in den Scheinwerfern und den im Rallye-Stil angebrachten Tagfahrlichtern setzt hier gleich das erste Statement. Dazu kommen an der Front noch die Lufteinlässe unterhalb der Frontscheinwerfer. Selbstverständlich versprüht auch das hinter Glas in der Motorhaube eingelassene Alpine-Logo seinen Charme und zeigt, dass hier Leidenschaft bei der Entwicklung eingeflossen ist. Natürlich ist der französische Stolz auch nicht zu kurz gekommen, was die zahlreichen französischen Flaggen an verschiedensten Fahrzeugteilen belegen.
In der Seitenansicht fallen sofort die sportlichen 19-Zoll-Alufelgen mit Diamant-Schliff auf, welche als Sonderausstattung verfügbar sind. Ebenso wurde eine Hommage an die Lufteinlässe des R5 Turbo vor den Hinterrädern in den Türen verewigt, jedoch leider ohne Funktionalität.
Am Heck wurde ganz im Stil des Klassikers die Lichtsignatur zur Betonung der C-Säule eingesetzt, jedoch wurde auch hier freilich auf modernste LED-Technik zurückgegriffen.
Interieur: Keinesfalls altbacken











Die neue Alpine A290 wartet mit einem Materialmix im Innenraum auf, von dem man früher nur träumen konnte. Gleich beim Ersteindruck fällt das sportliche Lederlenkrad auf, welches mit farblich herausstechenden Bedienelementen für Rekuperationsstufe und Overtake-Modus begeistert. So kommt sofort dieses besondere Gefühl auf, was man eben nur in Fahrzeugen mit dem gewissen Etwas erleben kann. Das 10,1-Zoll-Touchdisplay ist gut übersichtlich gestaltet und die integrierten Google-Dienste machen die Navigation im Alltag zum Kinderspiel.
Die Sitze sind mit Logo und französischer Flagge versehen und bieten guten Halt bei stärkerer Querbeschleunigung. Türtafeln und das Armaturenbrett zieren sich mit ordentlich verarbeitet Kunstleder, was optisch wie haptisch ein Highlight darstellt. Typisch der Fahrzeugklasse ist natürlich der Sitzkomfort in der ersten Reihe deutlich höher als in der Zweiten, doch da die Alpine A290 ohnehin eher Stadtflitzer-Qualitäten beweist, stellt das kein Problem dar. Nicht zuletzt deswegen ist der Kofferraum auch entsprechend kompakt, aber für größere Lebensmitteleinkäufe oder einen Tagesausflug reicht auch dieser allemal mit 326 Litern Volumen. Ein Manko ist die Sicht nach hinten, da durch die breite C-Säule der Schulterblick eine Herausforderung wird.
Fahrverhalten: Für die Stadt gemacht
Es dauert nicht lange um festzustellen, dass die neue Alpine A290 GT Performance dank des Sportfahrwerks traumhaft auf der Straße liegt. Da der Lithium-Ionen-Akku den Schwerpunkt des Fahrzeugs zum Boden hin verschiebt, kann sich die A290 als echter Kurvenräuber bezeichnen lassen. Die vom Elektromotor generierten 218 PS (160 kW) werden über ein 1-Gang-Automatikgetriebe an die Vorderachse weitergegeben, was bei rutschigen Fahrbahnverhältnissen oder bei beherztem Beschleunigen deutlich durch zerren an der Lenkung spürbar ist. Wieso bei der flexiblen Einsetzbarkeit von Elektromotoren hier auf einen Frontantrieb zurückgegriffen wurde, statt einen sportlichen Heckantrieb zu verbauen, der mehr Fahrfreude vermitteln kann, ist uns unklar. Ist der Grip jedoch vorhanden und man lässt die Alpine von der Leine, bewältigt sie den Spurt aus dem Stand bis Tempo 100 in 6,4 Sekunden.
Wird der rote OV-Knopf (Overtake) gedrückt, erscheint nicht nur eine futuristische Animation im Fahrinfodisplay, sondern auch die Beschleunigung wird für einige Sekunden maximiert. Mindestens genau so flott gelingt auch die Entschleunigung mittels Rekuperation bzw. gut dosierbarer Bremsanlage.
Auf der Autobahn leistet das Gesamtpaket zwar auch tolle Arbeit, aber der Verbrauch steigt rapide an, sodass man schnell bei rund 30 kWh pro 100 km ankommt. In der Stadt und über Landstraßen brilliert der E-Sportler aus Frankreich mit einem erstklassigen Verbrauch, denn wir beendeten unsere Testfahrten mit exakt 16,0 kWh/ 100 km – bravo!
Fazit:
Die neue Alpine A290 ist in der Ausstattung GT Performance ein echter Blickfänger, kann aber auch hinter dem Lenkrad mühelos begeistern. Die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen, der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz und der Alltagsnutzen ist allemal gegeben, solange man nicht täglich lange Strecken bewältigen muss. Sowohl die Fans des Vorgängers, als auch neu Interessierte können ihre Begeisterung nicht zurückhalten, wenn sie diese Hommage an eine echte Legende im neuen Kleid betrachten.
Was uns gefällt:
- Das sportliche Fahrwerk und die präzise Lenkung
- Die Materialwahl und Verarbeitung im Interieur
- Das erneute Aufleben eines Klassikers
Was wir noch verbessern würden:
- Heckantrieb verbauen
- Verbrauch auf der Autobahn optimieren
Factbox: Alpine A290 GT Performance
Motor/Antrieb
Motor: PMS-Motor
Leistung kW/PS: 160 kW/ 218 PS
Dauerleistung kW/PS: 78 kW /106 PS
Drehmoment: 300 Nm
Antrieb: Frontantrieb
Getriebeart: 1-Gang-Automatikgetriebe
0-100 km/h: 6,4 Sekunden
V-Max: 170 km/h
Verbrauch/Umwelt
Werksangabe – kombiniert: 16,5 kWh/ 100 km
Gas-Junky-Test – Durchschnitt: 16,0 kWh/ 100 km
Reichweite nach WLTP: 362 km
CO2-Emissionen: 0g/ km
Ladedauer (Herstellerangaben)
Wallbox, 11 kW (15-80%): 3 Stunden 20 Minuten
Gleichstrom-Schnelllader, 100 kW (15-80%): 30 Minuten
Reifen/Felgen/Bremsen
Bremsen: VA+HA: Scheibenbremsen innenbelüftet
Felgen/Reifen: 225/40 R19
Gewicht und Maße
Leergewicht: 1479 kg
L/B/H: 3997/ 2020/ 1520 mm
Radstand: 2534 mm
Kofferraumvolumen: 326-1106 Liter
Elektrische Speicherkapazität in Kilowattstunden: 52 kWh
Preise
Alpine A290 zu haben ab: € 38.400,-
Alpine A290 GT Performance zu haben ab: € 41.700,-
Preis Testfahrzeug inkl. NoVa und MWSt.: € 43.650,-
Sonderausstattung
Dachlinie blau matt € 100,-
Devialet Premium-Soundsystem € 900,-
Französische Flagge auf C-Säule € 50,-
„Snowflake“-19“ Leichtmetallfelgen, Diamant-Schliff
Safety-Paket € 400,-
(c) Bilder: Sebastian Poppe









