Volvo V60 T6: Geschwisterduell

Wer an ein Fahrzeug der Premium-Mittelklasse denkt, dem schweben meist deutsche Hersteller im Hinterkopf vor. Doch um diesen üblichen Denkansatz zu erweitern, sollte man auf jeden Fall auch einen Skandinavier auf der Liste haben.
Volvo hat den V60 offiziell im Zuge des Genfer Autosalons, im März dieses Jahres, der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Schweden erzielen mit der bereits zweiten Generation einen riesigen Sprung nach vorne, der Mitteklasse Kombi wurde nicht nur um 13 Zentimeter länger als sein Vorgänger, er hat  auch in puncto Design und Wertigkeit ordentlich zugelegt.

Premium oder doch schon Oberklasse-Niveau? 

Wenn man die nicht gerade schmale Tür ins Schloss fallen lässt und sich in die äußerst bequemen Ledersitze wirft, kommt bereits intensives Premium-Feeling auf. Um diese Situation zu verschärfen lässt man auch an anderen Stellen äußerst hochwertige Materialien zur Geltung kommen. Eine Innenlandschaft nur mit Nappaleder zu überziehen ist keinesfalls eine schlechte Idee, doch was wäre denn ein Volvo ohne Echtholz-Applikationen? Sie haben recht, kein echter Schwede – und bitte denken Sie jetzt nicht an ein schwedisches Einrichtungshaus.

Dreh- und Drückregler, adé

Der Innenraum wurde stets schlicht und übersichtlich gehalten. Das Touchdisplay im Hochformat ist logisch und bedienfreundlich aufgebaut, einzig und allein die Tatsache der zahlreichen Fingerabdrücke macht die ganze Sache ein wenig mühsam, zumindest wenn die Sonne beim Fenster reinlächelt.

Die Bedienung ist benutzerfreundlich und logisch aufgebaut, die zahlreichen Funktionen sind in Untermenüs verpackt, das stört einzig und alleine bei der Start/Stopp-Funktion, da wäre wohl ein kleines Knöpfchen, irgendwo am Armaturenbrett, die elegantere Lösung gewesen.

We are Family..

Der V60 wäre kein waschechter Schwede, wenn er sich nicht auch mit der DNA seiner Geschwister-Modelle identifiziert.

Nach den Abmessungen bleibt der V60 dann doch noch der kleine Bruder des V90, denn bei 18 Zentimeter Unterschied in der Länge, kann man locker noch das ein oder andere Gepäckstück mehr verstauen – dennoch müssen die Platzverhältnisse hinter der elektrisch öffnenden großen Klappe gelobt werden. Trotzdem kommt der V60 dem größeren Lademeister ganz schön nahe, zum Beispiel beim Interieur und der hochwertigen Verarbeitung – sozusagen ein Geschwisterduell auf höchster Stufe. Außerdem baut er auch auf derselben Plattform (SPA)  wie der XC60 und V90 auf. 

Großzügige Platzverhältnisse? 

Bereits in der Basis fasst der Laderaum 529 Liter, das reicht schon mal für mehr als nur den Wochend-Trip. Selbst wenn die Damen die Koffer nur schwer verschließen können, muss man kein Logistik-Genie sein, denn die Zuladung funktioniert auch dann noch problemlos.  

Besonders die Beinfreiheit in zweiter Reihe profitiert von dem ebenso in die Länge gewachsenen Radstand. Nur für Passagiere über 1,80 könnte das aufpreispflichtige Panoramadach ein wenig die Frisur zerstören.

Lässt man die hintere Sitzreihe mittels Knopfdrucks direkt aus dem Kofferraum fallen (optional), so sind die meisten deutschen Hersteller eine Autolänge voraus, dennoch kein Grund zur Sorge – denn die Schweden bieten in dem noblen Lademeister eine derart flache Ladefläche, dass selbst sperrige Gegenstände problemlos reinpassen. Großen Dank sei auch der niedrigen Ladekante, die den Beladevorgang nochmals um einiges angenehmer macht. 

Elegantes Außendesign mit sportlichen Linien und grimmiger Frontpartie 

Das Exterieur wurde im Vergleich zum Vorgänger mit den aktuellen Volvo-Genen aufgefrischt. Die Voll-LED Scheinwerfer sorgen mit dem klassischen Thors-Hammer-Design für einen grimmigen Blick im Rückspiegel – die Front wirkt muskulös und auch die zusätzlich betonten Radkästen, mit (optionalen) 19-Zoll-Leichtmetallräder ausgestattet, unterstreichen den dynamischen Auftritt des elegant-sportlichen Skandinavier.

Sehr gelungen auch das Heck, welches mit seinen L-förmigen Rückleuchten in LED-Technik für einen sehr edlen und zeitgemäßen Look sorgt.

Egal, ob man das Interieur oder das Außendesign unter die Lupe nimmt, die Schweden haben den Nagel auf den Kopf getroffen, denn sie haben es geschafft, mit enormer Präzision und scharf gezeichneten Linien, den V60 nicht aufdringlich, aber dennoch sehr sportlich und gleichzeitig elegant zu präsentieren.

Aber wie schlägt sich der Zweiliter-Vierzylinder-Benziner unter der Haube? 

Einerseits passt das Aggregat zu dieser durchdachten Strategie, denn Downsizing ist aktuell ein präsentes Thema, das schon lange nicht nur in der Klein- und Kompaktwagen Klasse boomt.

Somit hat man mit dem 310 PS starken Vierzylinder-Benziner, der mit Turbo und zusätzlich Kompressor befeuert wird, nichts falsch gemacht. Das Aggregat ist im unteren Drehzahlbereich eher ein smoother Geselle, aber ab 2.000U/min., wenn dann auch der Turbo loslegt, galopiert der Elch so richtig los.

Überholvorgänge meistert man mit einem kurzzeitigen Kickdown problemlos, denn dem Zweiliter-Vierzylinder fehlt in keiner Hinsicht das Schmalz, wenn er mal auf Touren ist.

Dennoch muss man sich vor Augen führen, dass man mit einem Kombi mit knapp 1,9 Tonnen unterwegs ist. Bei schnellen, engen Kehren hilft auch leider kein Fahrmodi-Schalter und auf der Geraden schluckt der Allrad eben ein paar Pferdchen.

Die Lenkung wirkt danach zwar straffer, ist aber in engen Kehren noch immer zu soft und unpräzise abgestimmt. Das adaptive Fahrwerk dürfte hingegen noch eine größere Spreizung zwischen Komfort und Sport vertragen. Besonders im Alltagsmodus könnte es noch besser die Unebenheiten wegbügeln, dafür im Sport-Modus das Wankverhalten noch feinfühliger reduzieren – denn ausschließlich Härte macht noch lange kein gutes Fahrwerk aus. 

Sehr lobenswert sind die kaum bemerkbaren Gangwechsel der 8-Gang-Automatik – trimmt man den Lademeister auf die sportliche Linie, so hält er die Drehzahl wesentlich länger hoch und lässt auch das Gaspedal von besserem Ansprechhalten profitieren, dennoch muss man gestehen, dass man mit dem V60 in der stärksten Motorisierung lieber Langstrecken meistert. Bezüglich Verbrauchswerte – hier sind auf jeden Fall unter zehn Liter möglich. Der adaptive Tempomat schlägt sich mit seinen drei einstellbaren Stufen tapfer und chauffierte uns mehrere hunderte Kilometer ohne grobe Eingriffe äußerst komfortabel nach Hause. Dies liegt aber auch daran, dass man sich mit der perfekten Dämmung von der Außenwelt abkapselt. 

Auch im Großstadtdschungel schlägt sich der V60 sehr tapfer – zwar hat er ein wenig mehr Durst, aber Volvo wird demnächst auch zwei Plug-in-Hybrid-Versionen anbieten, diese werden sich dann auf Kurzstrecken, beziehungseise in städtischen Bereich, wesentlich weniger Kraftstoff genehmigen.  

FAZIT: 

So viel Komfort und Luxus haben wir selten in einem Fahrzeug der Premium-Mittelklasse verspürt. Hier darf sich auch die deutsche Konkurrenz ruhig mal ewas abschauen, denn es ist beachtlich, mit welcher Feinarbeit die Schweden den V60 gekürt haben.

Beachtlich ist aber auch der Preis, wenn man ein paar Extras in den V60 reinpackt, ist man den Deutschen nun schon dicht auf den Fersen.

Was uns gefällt: 

  • Der hohe Komfort in dieser Klasse
  • Sehr gute Geräuschdämmung
  • Soft schaltende 8-Gang-Automatik

Was wir uns noch wünschen würden:

  • ein wenig mehr Dynamik
  • Start/Stopp-Automatik nicht im Untermenü verstecken
  • die zahlreichen Extras noch besser in Pakete schnüren

Modell: VOLVO V60 T6 AWD GEARTRONIC INSCRIPTION
Motor: Reihenvierzylinder, quer eingebaut
Hubraum / Verdichtung: 1.969 ccm
Leistung  kW /PS (Gesamt): 228 kW / 310 PS
Drehmoment: 400 Nm bei 2.200 bis 5.100 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebeart: 8-Gang Automatik
0-100 km/h: 5,8 Sekunden
V-Max: 250 km/h
Verbrauch Werksangabe – Stadt 10,1/Land 6,1 /kombiniert7,6 l/100 km:
Verbrauch Test – Durchschnitt: 10,5 Liter / 100 km
Leergewicht:
1.905 kg
L/B/H: 4,761 / 1,85 / 1,427 (Meter)
Radstand: 2,872 m
Kofferraumvolumen: 529 bis 1.441 Liter
CO2 Emissionen:
176 g/km
Tankinhalt:
60 Liter
Kraftstoff:
Super 95-98
VOLVO V60 zu haben ab: 39.350 €
Basispreis getestete Version:
43.759,56 €
Preis Testfahrzeug inkl. Mehrausstattung, 17 %NoVA und 20 % USt: 77.077,00 €

Sonderausstattung:

Pebble Grau-Metallic: € 730,-

19-Zoll-Leichtmetallfelgen (5 Mehrfachspeichen): € 480,-

Business Connect Paket: € 1.050,-

  • Apple CarPlay / Android Auto
  • Senus Navigationssystem

IntelliSafe Pro-Paket: € 1.500,-

  • IntelliSafe-Surround
  • IntelliSafe-Assist

Laderaumpaket: € 450

  • 12-Volt-Anschluss im Gepäckraum inkl. Flaschenfach
  • Gepäckraumtrennnetz
  • Heckklappenautomatik (elektrisch)

Licht-Paket: € 850,-

  • Innen- und Außenspiegel mit Abblendautomatik
  • LED-Nebelscheinwerfer
  • Scheinwerferreinigungsanlage
  • Voll-LED-Scheinwerfer

Sitzkomfort-Paket: € 2.250

  • Fahrer- und Beifahrersitz elektrisch einstellbar
  • Fahrersitz elektrisch einstellbar mit Memoryfunktion
  • Memoryfunktion für Beifahrersitz
  • Seitenwangen elektrisch einstellbar

Winter-Paket: € 300,-

  • Fahrer- und Beifahrersitz beheizbar
  • Scheibenwaschdüsen beheizbar

Xenium-Paket Pro: € 2.550

  • Armaturenbrett in Lederoptik
  • Head-up-Display
  • Panoramadach Schiebe-/Hebedach
  • Rückfahrkamera

Kindersicherung für die hinteren Türen (elektrisch): € 80,-

Seitenfenster hinten und Gepäckraum abgedunkelt: € 350,-

Kopfstützen der zweiten Sitzreihe auf Knopfdruck umklappbar: € 150,-

Multifunktions-Sportlenkrad: € 100,-

Rücksitzlehnen auf Knopfdruck umklappbar: € 230,-

Adaptives Fahrwerk mit Four C-Technologie: € 750,-

Lenkradheizung: € 200,-

Sensus Connect Premium Sound „Harman Kardon”: € 700,-

Listenpreis netto: 56.479,56
+ 20 % USt       : 11.295,91
+ 17 % NoVA    :    9.601,53
– NoVA-Bonus    :       300,00
Listenpreis brutto: 77.077,00

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