KIA Stinger –
Perfe-KIA-nismus

Nachdem fast alle Hersteller ein SUV nach dem anderen auf den Markt bringen – beziehungsweise, eigentlich könnte man schon sagen „schleudern“, hat man bei KIA eine besondere Lücke gefüllt.

Ein Gran Turismo muss her. Auf der IAA 2011 als Konzeptfahrzeug ausgestellt, entwickelte man dieses schließlich zur Serienreife. 2017 war es dann soweit – der KIA Stinger feierte in Detroit sein Debüt. KIA hat alle, vor allem was das Design betrifft, Register gezogen – man wollte schließlich ein Auto auf die Räder stellen, welches einem im erstem Moment dazu zwingt,  den Atem anzuhalten und zu staunen. Darum hat man gleich zwei Spitzendesigner auf die Karosserielinien losgelassen – nämlich Peter Schreyer, der mehrfach ausgezeichnete deutsche Industriedesigner, der einst bei Audi und VW Konzerndesignchef war. Als zweite Kraft stand Gregory Guillaume zur Seite, welcher schon seit gut 12 Jahren bei KIA für die Optik zuständig ist.

Das Ergebnis ist ein Auto voller Emotionen – ein einzigartiges Design, welches man nirgends ein zweites Mal findet. Einerseits wirkt es leidenschaftlich und andererseits versprüht der Stinger Kraft, sowie Dominanz.

Für mich optisch, eines der gelungensten Autos, die es aktuell am Markt gibt. Einfach perfekt, bis ins letzte Detail.

Ein Gran Turismo wie aus dem Bilderbuch

Eine lange Motorhaube, große Lufteinlässe an der Front, sowie die KIA-typische Doppeltrapezstruktur – auch „Tiger-Nose“ genannt, prägen das Gesicht des koreanischen „Stachels“ (Stinger). Die Fahrgastzelle wandert weiter nach hinten, auch die Sitzposition und der Schwerpunkt liegen tief. Vor allem der Übergang von Motorhaube zur Frontscheibe ist genial – es wirkt als würde der Übergang fließend verlaufen, so gering fällt der Frontscheibenwinkel aus. Dies ist zwar weniger praktisch, wenn man an als Erster an der Haltelinie bei einer Kreuzung steht und das Ampelsignal im Auge behalten will – da höher positionierte Ampeln aus dem Blickfeld fallen.
Aber ganz ehrlich? „Who CARes“

Die seitlich stark abfallende Dachlinie richtung Heck passt wie ein Maßanzug, welchen man nicht präziser hätte schneidern können. Der leicht verlängerte Heckansatz mit integrierten Spoiler, sowie ein Rennsport-Diffusor mit integrierter 4-flutiger Auspuffanlage und markanter Lichtsignatur runden den KIA Stinger mit einem Perfe-KIA-nismus ab, der seinesgleichen sucht.

…zum nicht mehr aussteigen wollen gemacht!

Das Exterieur des KIA Stinger erregt definitiv Aufmerksamkeit. Ich kann mich an eine kleine Spritztour durch den ersten Bezirk in Wien erinnern. Walfischgasse – ich stehe, weil der Verkehr stoppt. Ein Junge erblickt mich, zückt sein Handy und fängt an zu filmen. Dann noch einer… und dann kam noch ein Dritter, schließlich und endlich waren es dann sechs Jungs, welche vor Begeisterung mit ihren Smartphones um den Koreaner tänzelten.

Doch bei KIA hat man sich nicht nur um ein perfektes Außenkleid bemüht – man wollte ein Auto schaffen, in dem man Platz nimmt und eigentlich nicht mehr aussteigen möchte.

Ist dies gelungen?

Aber sowas von! Die Verarbeitung, sowie Materialwahl, lässt selbst so manchen deutschen Konkurrenten vor Neid erblassen. Alcantara, Echt-Leder – sowie ein ansprechendes Cockpit-Design und eine übersichtliche, sowie verständliche Anordnung von jeglichen Einstellungen.

Der mittig platzierte acht Zoll Touchscreen besitzt eine gute Auflösung und die Ladezeiten des Navigationssystem würden selbst „Speedy Gonzales“ alt aussehen lassen. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist das Bild der Rückfahrkamera bei Nacht – das sieht leider alles andere als gestochen scharf aus.

Die Qual der Wahl hat man auch bei den fünf Fahrmodis – „Eco“ – Für die Sparefrohs – oder falls nur mehr ein paar Tröpfchen im Tank sind, „Smart“ (hier werden die Fahreigenschaften des Fahrers angepasst), „Comfort“ für den von A nach B – Fahrer, „Sport“ für die, die es dann doch etwas schärfer mögen und „Sport Plus“ – der Modi für all jene, die das Benzin im Blut haben.
Eine Augenweide ist definitiv auch das perfekt in der Hand liegende Volant. Hier passt die Optik, die Haptik und auch die Griffigkeit.
Einmal eingestiegen stellt man sich eine leicht kurvige, nicht enden wollende Landstraße vor, welche man entlang gleitet.

Für einen großen Teil des Wohlfühlfaktors sind auch die Sitze verantwortlich – diese bieten ausreichend Seitenhalt bei besten Komfort und unzähligen Verstellmöglichkeiten.

Windgeräusche? Fehlanzeige! – Das einzige was uns hier nervt ist, wie bei vielen anderen Herstellern auch, der Soundgenerator. Absolut unnötig – da hätte man ruhig auf eine Klappenauspuffanlage setzen können. Denn, wessen Heck vier dicke Endrohre zieren, der dürfte auch ein wenig realen Krawall machen – auf Knopfdruck versteht sich. Ist ja nicht jedermanns Sache. Übertönen kann man den Soundgenerator jedoch ganz gut mit der dem Premium-Soundsystem der Marke Harman Kardon.
Ganze 15 Lautsprecher inklusiver zweier Subwoofer unter den vorderen Sitzen sorgen dafür, dass man die Kilometer rhythmisch und mit voller Elan hinunterspulen kann.

Auch in der zweiten Reihe reist man grundsätzlich bequem, sofern man zu der kleineren Gesellschaft gehört. Ich bin mit meinen 1,70m wahrlich kein Riese, doch selbst mein Kopf reibt sich hier am Alcantara-Dachhimmel. Wenn man über die eingeschränkte Kopffreiheit hinweg sieht, lobt man die großzügige Beinfreiheit. Dies liegt an den sehr großzügigen Außenabmessungen, wo so manche Konkurrenz-Produkte um bis zu 20 Zentimeter nachhinken. Beim Radstand sind es um die zehn Zentimeter mehr, die das Kilometer runterspulen zur Wohlfühl-Oase küren.

Das letzte Abteil des koreanischen Gran Turismo betrifft den Kofferraum – dieser ist geräumiger als man ihm von außen zutrauen würde.

Fahrvergnügen par excellence!

Schon auf den ersten Metern im Stinger, wird einem klar, wie man Gran Turismo definiert. Alles wirkt geschmeidig, verfeinert mit einer großen Portion Dynamik und Kraft. Der Zweiliter-Turbo wirkt in dem knapp 1,8 Tonnen Flaggschiff keineswegs angestrengt. Die 353 Newtonmeter, welche schon bei 1.400 U/min anstehen sorgen in allen Belangen für reichlich Vortrieb.
Die Acht-Gang-Automatik verrichtet ihre Arbeit vorbildlich – es sei denn, man möchte den Stinger wie einen reinrassigen Sportwagen bewegen, hierfür fehlt es dem automatisierten Getriebe dann doch noch ein kleinwenig an Spritzigkeit – das machen auch die Schaltwippen am Lenkrad nicht wett. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass wir in einem Gran Turismo sitzen und nicht in einem Supersportler.

Fahrwerkstechnisch hat man den Stinger genauso ausgelegt, wie man es sich wünscht – Ein exzellent ausbalancierter Spagat aus Sportlichkeit und Komfort. In schnellen langgezogenen Kurven fühlt man sich richtig gut aufgehoben, aber auch Straßenunebenheiten tun der Fahrfreude keinen Abbruch.
Den Fahrmodi-Sport Plus gewählt, lässt sich Koreaner auch gutmütig mit leicht übersteuernden Heck durch enge Kurven bewegen – FAHRFREUDE pur! Bei diesem Punkt denkt man sich eigentlich nur: „Verdammt schade, dass man den koreanischen Gran Turismo nicht auch mit Handschaltung anbietet“.

Verbesserungswürdig sind einzig und alleine die Bremsen – hier hätte man die GT-Line-Ausstattung ruhig mit der 4-Kolben-Bremsanlage von Brembo – aus dem GT bestücken dürfen. Im Großen und Ganzen reicht die Bremse selbstverständlich aus – nur wenn  die Scheiben Temperatur bekommen, machen sich die knapp zwei Tonnen dann doch bemerkbar.

Dennoch der KIA Stinger gehört dieses Jahr auf jeden Fall zu unseren Highlights. Kein Auto hat uns so sehr überrascht. Die erstklassige Verarbeitung, das Preis/Leistungsverhältnis und das perfekt auf das Fahrzeug zugeschnittene Fahrgefühl und eine Optik, welche einen Gran Turismo definiert.
Die einzige Frage, welche noch offen bleibt: „Was wollen die Jungs in Zukunft noch verbessern?“

Mein FAZIT:

Was mich begeistert:
Optik – ein Unikat in diesem Segment
Motor – hängt gut am Gas und bietet ausreichend Vortrieb
Interieur – da gibt’s einfach nichts zu meckern                                                                  Preis/Leistungsverhältnis

Was ich mir noch wünschen würde:
Klappensteuerung für die mächtigen 4 Endrohre
Deaktivierung oder Verzicht auf den Soundgenerator
Bissigere Bremsen

Technische Daten KIA Stinger GT-Line 2.0 T-GDI:

Motor / Antrieb

Motor: 4 Zylinder Reihe, Direkteinspritzer, Abgasturbolader, Steuerkette, zwei obenliegende Nockenwellen mit dualer variabler Ventilsteuerung (D-CVVT)
Hubraum / Verdichtung: 1.998 ccm3 / 10:1
Leistung  kW /PS (Gesamt): 188 kW / 255 PS bei 6.200 U/min
Drehmoment: 353 Nm bei 1.400 – 3.500 U/min
Antrieb: Heckantrieb
Getriebeart: 8-Gang Automatikgetriebe
0-100 km/h: 6,0 Sekunden
V-Max: 240 km/h

Verbrauch / Umwelt

Werksangabe – Stadt/Land/kombiniert, l/100 km: 10,6 / 6,4 / 7,9
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 8 – 9 L
CO2 Emissionen: 190g/km (Euro 6)

Fahrwerk / Reifen / Bremsen

Vo. Achse: Einzelradaufhängung, MacPherson-Federbeine, Schraubenfedern, Gasdruckstoßdämpfer, Stabilisator
Hi. Achse: Einzelradaufhängung, Mehrlenkerachse, Schraubenfedern, Gasdruckstoßdämpfer, Stabilisator
Bremsen:
VA:
345mm Innenbelüftete Scheibenbremsen;
HA: 330mm Innenbelüftete Scheibenbremsen
Felgen / Reifen: Vorne 225/40 R 19, Hinten: 255/35 R19

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.717 kg
L/B/H: 4,830 / 1,870 / 1,400 (Meter)
Radstand: 2,905m
Wendekreis: 11,2m
Kofferraumvolumen: 406 bis 1.114 Liter
Tankinhalt:
60 Liter
Kraftstoff:
Super 95

Preise

KIA Stinger zu haben ab: 44.090,- € (2.2 CRDi Ausstattung: Platin)
Basispreis KIA Stinger 2.0 T-GDI GT-Line:
55.290,- €
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und Mwst: 56.090 €

Sonderausstattung:

Metallic Lack: 800,- Euro

ANMERKUNG: Mit der neuen Abgasnorm Euro 6d-TEMP leistet die getestete Version nun 245 PS.

(c) Bilder: Dominic Goebel, Gas Junky

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