SUZUKI VITARA – Kompaktansage aus Fernost?

Schaut man sich etwas bewusster im alltäglichen Straßenverkehr um, so fällt einem rasch auf, dass das Kompakt-SUV Suzuki Vitara sehr oft vertreten ist. Kein Wunder, denn im Bekannten- und Verwandtenkreis lässt sich (insbesondere im ländlichen Bereich) bald mal ein Vitara-Besitzer finden. So gesehen zählt er bereits fix zum österreichischen Straßenbild. Für uns also Grund genug, dass wir das Kompakt-SUV etwas genauer unter die Lupe nehmen wollten. Passenderweise wurde dem kompakten Japaner vergangenen Herbst ein Facelift verpasst, welches wir in der Top Ausstattung „flash“ ausgiebig testen durften.

Greller Auftritt der gefällt

Die Facelift-Spuren an der Karosserie sind dezent und daher etwas schwer erkennbar – wozu sollte man auch das schicke Design so schnell wieder verändern? So wurde beispielsweise an der Front etwas großzügiger mit Chrom Elementen gearbeitet – das jedoch in Maßen, sodass es nicht zu überladen wirkt.

Neu sind auch die lichtstarken LED-Scheinwerfer, welche sich in Form und Gestaltung aber kaum vom alten Halogen-Scheinwerfer unterscheiden. LED-Technologie findet auch am Heck Einzug, was die neuen, grellen Heckleuchten sehr gut beweisen. Apropos grell – am auffälligsten an unserem Facelift-Vitara ist wohl zweifelsohne die neu erhältliche Lackierung „Solar Yellow Pearl Metallic“. Die ist zugegeben zwar etwas gewöhnungsbedürftig, dem Nippon-SUV steht sie aber sehr gut. Sollte man sich trotzdem nicht damit anfreunden können, so steht einem eine Auswahl von zwölf weiteren Farben zur Verfügung.

Dieselmotor und Sauger adé

Deutlicher wurden die Facelift-Maßnahmen hingegen bei der Motorisierung, so wurden der Dieselmotor und der 1,6 Liter Saug-Benziner aus dem Angebot gestrichen. Angesichts des Verbrauchs und der Fahrleistungen unseres 140 PS – 1,4 Liter Boosterjet Turbobenziners nimmt man Suzuki diese Entscheidung aber nicht übel. Der Testverbrauch betrug durchschnittlich zwar rund acht Liter, das ist aber großteils den alpineren Testfahrten geschuldet. Im Marchfeld sieht die Geschichte gleich anders aus, hier kann man die sieben Liter-Grenze problemlos unterschreiten.

Alltagstaugliches SUV – und kraxeln kann er auch!

Die Fahrleistungen können sich wirklich mehr als sehen lassen. Die Erwartungshaltung an einen 1,4-Liter Benzinmotor der mit 140 PS ein Kompakt-SUV bewegen sollen, waren eher niedrig angesetzt. Umso größer war dann die Überraschung, denn der Vitara steht gut im Futter. Kein Wunder, immerhin müssen (inklusive Fahrer) nur knapp 1,3 Tonnen bewegt werden, sodass schon etwas wie ein Go-Kart-Feeling aufkommt. Aber es liegt nicht nur am Gewicht alleine, denn die Suzuki-Ingenieure dürften bei der Abstimmung des Motors sehr bemüht gewesen sein. Denn auch der relativ geringe Hubraum von 1,4 Liter ist kaum spürbar, diesen merkt man eher erst bei höheren Geschwindigkeiten, denn auf Autobahnetappen wirkt der Downsizing-Benziner ein wenig träge. Das soll aber keinesfalls bedeuten, dass man mit dem überarbeiten Vitara ausschließlich im Hinterland oder in der Stadt herumdüsen soll, denn bei den in Österreich gesetzlich erlaubten 130-140 km/h lässt er sich sehr angenehm und laufruhig fahren.
Aufgrund des bauartbedingten, hohen Schwerpunkts schwindet das Go-Kart-Feeling zwar etwas in den Kurvenfahrten, wobei hier die Winterreifen auch etwas Mitschuld tragen dürften.
Im alltäglichen Fahrbetrieb stoßen sich aber wohl die wenigsten daran, zumal der Suzuki Allradantrieb ALLGRIP SELECT im Bedarfsfall unterstützend eingreift. Auch das Fahrwerk wurde relativ weich abgestimmt, dennoch haben die Ingenieure den Nagel auf den Kopf getroffen, sodass es nicht zu schwammig wirkt – aber eben für reichlich Fahrkomfort sorgt.
Dank dem bereits erwähnten ALLGRIP SELECT gibt es auch die Möglichkeit, zwischen vier Fahrmodi (Auto, Sport, Snow und Lock) zu wählen, um so die passende Antriebseinstellung zu finden. Zwar ist der Suzuki Vitara kein reinrassiger Offroader, der Allradantrieb leistet aber dennoch bemerkenswerte Arbeit. Den Versuch einen steilen Forstweg hinauf zu fahren meisterte der Allrad mit Bravour. Ohne durchrutschende Räder kraxelte der Vitara den Weg hinauf. Die meisten konventionellen Allradantriebe hätten (zusätzlich zur Bodenfreiheit) wohl ihre liebe Not mit dieser Steigung und dem Untergrund gehabt. Zusätzlich kommt dem Vitara der kurze Radstand von 2,5 Metern zugute. Egal ob in Stadt, Land – oder eben auch auf Forstwegen – der Japaner lässt sich spielend leicht lenken und wenden.

Eine Auswahl von Hightech-Gadgets die kaum Wünsche offen lässt

Die Topausstattung „flash“ glänzt mit einer Menge an Assistenzsystemen. Dazu zählen unter anderem der Tote-Winkel-Assistent BSM (= Blind Spot Monitor), der Ausparkassistent RCTA (= Rear Cross Traffic Alert) und der Bremsassistent DSBS (= Dual Sensor Brake Support).
Auch ein adaptiver Tempomat ACC (= Adaptive Cruise Control) ist mit an Bord, dieser hat mich aber auf der Autobahn leider öfters zum Verzweifeln gebracht. Es stehen zwar drei Stufen zur Festlegung des Mindestabstandes zur Verfügung, doch selbst in der am wenigsten empfindlichen Stufe kann es passieren, dass aufgrund des Geschwindigkeitsunterschiedes zum Vordermann der Vitara sehr ruppig abbremst. Mit dem sehr ruppigen, automatischen Bremseingriffs hätte ich zwar grundsätzlich kein Problem, aber dies geschieht gefühlt bereits bei einem Kilometer davor.
Immer mehr Fahrzeuge verfügen auch über eine Verkehrszeichenerkennung, diese darf in unserem Vitara in Form des TSR (= Traffic Sign Recognition) nicht fehlen. Bei so einem System lassen sich die Unterschiede einzelner Fahrzeughersteller gut erkennen. Einige arbeiten nämlich sehr zuverlässig, andere wiederrum eher weniger. Vor allem in der bereits begonnenen Straßenbausaison mit ihren diversen Baustellenschildern lässt sich die Funktion gut vergleichen. Die Verkehrszeichenerkennung des Vitara arbeitet hier leider eher unzuverlässig – auf normalen Straßen ohne Baustellen funktioniert diese Funktion aber ganz gut. Es ist eben nur ein Assistent, der die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht ersetzen kann.

Die Innenausstattung ist aufregend unaufregend

Im Innenraum dominiert schlichtes Design. Alles ist an seinem Platz und auch einen Überschuss an Knöpfen gibt es nicht. Eben ein schlichtes Design, das aber zu diesem Suzuki passt. Bei der Materialwahl könnte man noch ein wenig nachbessern, aber auch das kann man dem kleinen SUV aus Fernost nicht übel nehmen. Klar, könnte man noch etwas mehr Softtouch verarbeiten, aber ich finde den Innenraum-Gesamteindruck des Suzuki trotzdem sympathisch.
Schick sind die mit Teilleder bezogenen Sitze, denen man ein trendiges Rautenmuster verpasste.
Mit an Bord ist ein modernes Infotainmentsystem, welches Radio, Bluetooth, USB und Navigation vereint. Leider wurde aber nur ein 7-Zoll-Touchscreen verbaut, was für die Ansprüche heutzutage eher für ein Mäusekino sorgt. Aber der Vitara macht das mit einer guten Soundanlage wieder wett, die erstaunlich basslastig sein kann. Entweder man wählt aus einem der vordefinierten Soundprofile eine gewünschte Einstellung aus, oder aber man justiert sich selbst den bevorzugten Klang. Von zu viel Bass sollte man dann aber doch absehen, da sich ansonsten die Plastikverkleidungen der Rückbank und des Kofferraums zu Wort melden.
Der Kofferraum an sich ist erstaunlich groß geschnitten und lässt sich im Bedarfsfall auch durch einen doppelten Ladeboden erweitern. Wenn das auch nicht ausreichen sollte, kann man natürlich noch die hintere Sitzreihe umklappen. Für den alltäglichen Gebrauch – aber auch für das Urlaubsgepäck – sollte der Platz ohne die umgeklappten Rücksitze aber ausreichen. Wo das Platzangebot leider schnell an seine Grenzen stößt, ist die Rückbank. Für Kinder und klein gewachsene Mitfahrer stellt die Beinfreiheit wohl eher kein Problem dar. Doch beträgt die Größe von Fahrer und Mitfahrer dem europäischen Durchschnitt, könnte es auf der Rückbank schon etwas ungemütlicher zugehen – vor allem auf längeren Strecken. Ein paar Zentimeter mehr wären hier sicher kein Fehler gewesen.

Was die verbaute Sonderausstattung betrifft gibt es wohl kaum Grund zu klagen. Die Informationen des Bordcomputers werden bequem auf einem Display in der Mitte der Rundinstrumente angezeigt. Die Vordersitze erfreuen sich an kalten Tagen über eine Sitzheizung und an heißen Tagen macht die Klimaautomatik einen guten Job. Sehr komfortabel ist das Keyless-Go System und die Bedienung von Infotainment und Assistenzsystemen per Multifunktionstasten am Volant. Die elektrisch, anklappbaren Außenspiegel sowie Licht- und Regensensoren runden das Angebot gut ab. Mehr braucht ein Fahrzeug eigentlich auch nicht. Und für einen Touch Retro gibt es noch eine analoge Uhr in der Mitte des Armaturenbretts.

Das Klischee um die Käuferschicht

Bei einer Testfahrt in das frühlingshafte Mostviertel wurde ich bei einem Zwischenstopp auf der Panoramastraße von einem älteren Herrn auf den Vitara angesprochen. Dieser fragte mich gleich begeistert nach der Motorisierung und dem erzielten Durchschnittsverbrauch aus. Im Laufe des Gesprächs stellte sich dann schnell heraus, dass er ebenfalls einen Suzuki Vitara fährt. Unweigerlich wurde ich also mit dem Klischee konfrontiert, dass der Vitara eher von älteren Mitbürgern gekauft und gefahren wird. Doch dieses Vorurteil sollte sich bald überholt haben, denn die potentielle Käuferschicht fällt durchaus umfangreich aus. Durch die kurze Fahrzeuglänge und den geringen Wendekreis ist dieser Kompakt-SUV ebenso ideal für den urbanen Bereich geeignet – und der teurere Allradantrieb wird dafür auch nicht zwingend benötigt. Der Kofferraum ist ausreichend groß um den Ansprüchen einer kleinen Familie – aber auch von Singles – gerecht zu werden. Und die erhöhte Sitzposition ist über alle Generationen hinweg erhaben. Je nach gewünschter Antriebsvariante und Sonderausstattung fällt auch der Preis meiner Meinung nach mehr als fair aus – die getestete Topausstattung „flash“ ist ihr Geld jedenfalls wert!

Mein FAZIT:

Was mich begeistert:

  • Der perfekt abgestimmte Motor
  • Das federleichte Eigengewicht
  • Der zuverlässige „Allgrip Select“ Allradantrieb
  • Die basslastige Soundanlage
  • Die umfassende Sonderausstattung

Was ich mir noch wünschen würde:

  • Einen adaptiven Tempomaten der weniger ruppig eingreift und mehr Spielraum zulässt
  • Etwas mehr Platz auf der Rückbank
  • Ein größeres Infotainment Display

Factporn SUZUKI VITARA 1.4 DITC ALLGRIP FLASH:

Motor / Antrieb

Motor: 4 Zylinder Turbo Benzinmotor
Hubraum / Verdichtung: 1.373 ccm3 / 9,9:1
Leistung  kW /PS: 103 kW / 140 PS bei 5.500 U/min
Drehmoment: 220 Nm bei 1.500 U/min
Antrieb: Allrad
Getriebeart: 6-Gang Schaltgetriebe
0-100 km/h: 10,2 Sekunden
V-Max: 200 km/h

Verbrauch / Umwelt

Werksangabe – Stadt/Land/kombiniert, l/100 km: 7,0 / 5,5 / 6,1
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 8 L
CO2 Emissionen: 139 g/km Euro 6d-TEMP

Fahrwerk / Reifen / Bremsen

Vo. Achse: McPherson-Federbeine mit Schraubenfedern
Hi. Achse: Verbundlenkerachse mit Schraubenfedern
Bremsen: VA: innenbelüftete Scheibenbremsen; HA: Scheibenbremsen
Felgen / Reifen: 215/55 R17

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.205 kg
L/B/H: 4,170 / 1,775 / 1,595 (Meter)
Radstand: 2,5m
Wendekreis: 5,2m
Kofferraumvolumen: 375 Liter
Kofferraumvolumen bei umgeklappten Rücksitzen: 1.120 Liter
Tankinhalt:
47 Liter
Kraftstoff:
Super

Preise

SUZUKI VITARA zu haben ab: 18.990,- €
Basispreis SUZUKI VITARA FLASH:
28.590,- €
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und Mwst: 29.440,- €

Pearl und Metallic Lackierung: 490,- €
Dachlackierung: 360,- €

(c) Bilder und Text: Gas Junky