Als 1972 ein Kooperationsvertrag zwischen Daimler-Benz und Steyr-Daimler-Puch für die Entwicklung eines Geländewagens unterzeichnet wurde, konnte man noch nicht erahnen, dass es sich um ein Fahrzeug mit solch enormen Erfolgspotential handelt. Der iranische Herrscher Mohammed Reza Pahlavi war zu dieser Zeit an den Daimler Benz Aktien beteiligt – demnach wollte man den Wagen für die Grenzpatrouille einsetzen und ebenso die Bundeswehr als weiteren Abnehmer deklarieren, wobei man sich zu einem späteren Zeitpunkt aus Kostengründen für ein anderes Modell von einem anderen Hersteller entschied.
Bereits 1979 wurde die Marktpremiere gefeiert und der in Graz gefertigte Offroader konnte von 72 PS bis 156 PS erworben werden – wobei die Kunden auch zwischen einer Cabrio-Version mit kurzem Radstand oder dem Station-Wagen mit kurzem und langem Radstand wählen konnten.

Globale, heilige Ikone

Die Anforderungen des Fahrzeugs wurden wie folgt definiert: Geländetauglichkeit, Zugkraft und Langlebigkeit.
Das Fahrzeug gewann über die Jahrzehnte durch technische Fortschritte dazu, die Fangemeinde weitete sich global aus und das Prestige des Offroaders nahm stetig zu.
Sogar der Papst (Johannes Paul II) nahm in der Gelände-Ikone Platz, ab 1980 trat er Reisen mit dem 230 G mit speziellem Aufbau an.

Sondermodelle der Luxusklasse

Auch Sondermodelle waren keine Seltenheit, so wurde zum 25-jährigen Jubiläum der G55 AMG präsentiert, welcher mit einem Achtzylinder-Kompressor (476 PS, 700 Nm) neben den einzigartigen Offroad-Skills auch nahezu die Fahrleistungen eines Sportwagens unter Beweis stellt. Vergessen wir nicht den G500 4×4², denn dieser bietet 45 Zentimeter Bodenfreiheit und glänzt neben seiner hohen Exklusivität mit untypischen Fähigkeiten im Gelände.
Und eines unserer wohl größten Highlights bescherte uns das Mercedes-Maybach G650 Landaulet, welches seine Premiere 2017 am Genfer Autosalon feierte und ebenso auf dem G500 4×4² basiert, der Antrieb jedoch aus dem G65 AMG stammt. Die 630 PS sind für 3,3 Tonnen Eigengewicht verantwortlich – dennoch wird die Hundertermarke in etwa sechs Sekunden erreicht. Neben den großzügigen Abmessungen in zweiter Reihe, ist auch die limitierte Auflage von 99 Stück kein Lercherl, wobei man dies auf den Einstiegspreis von knapp 750.000 Euro ebenso umlegen könnte.

Retro aufgefrischt

Und dann war es also soweit, im Jänner 2018 präsentierte der ehemalige Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger auf der North American International Auto Show die neue G-Klasse. Das neue Modell ist sowohl in der Länge (53 Millimeter) als auch in der Breite (121 Millimeter) gewachsen. Dennoch blieben zahlreiche Ur-Elemente von den Designern unberührt. Die Türgriffe mit Drückknopf verhindern, dass die Nachbarschaft verschläft, die Zentralverriegelung knallt dir eine ins Ohr, dass selbst der Jäger mit Weidmannsdank applaudiert und der angenehm, grollende Achtzylinder sorgt jederzeit für wachsende Mundwinkel.
Sowohl die außenliegenden Türscharniere, die aufliegende Motorhaube als auch die aufgesetzten, eckigen Blinker bleiben traditionell erhalten.

Perfektionismus auf höchster Stufe!

Die Designer haben auch großen Wert daraufgelegt, dass sich gewisse Elemente des Exterieurs im Innenraum wiederfinden. So sollen also die neuen Rundscheinwerfer in den Lüftungsdüsen widerspiegeln oder die bereits erwähnten Blinker findet man in den Lautsprechern wieder.
Aber bleiben wir gleich beim Innenraum der Geländeikone, denn hier gibt es zahlreiche Features, die man bereits aus der S- und E-Klasse kennt.

So wird man auf Wunsch mit zwei 12,3 Zoll großen Displays, welche unter einem Deckglas verschmelzen mit der wohl besten Technik der Digitalisierung verwöhnt. Das Infotainment-System ist trotz der umfangreichen Funktionen auch während der Fahrt simpel zu bedienen. Auch die Verarbeitungsqualität wurde nochmals um eine weitere Stufe gesteigert, sodass kaum mehr Flächen ohne edlen Ledermaterialien erkennbar sind.
Für noch größere Begeisterung sorgten die optionalen Multikontursitze, welche über eine Klimatisierung und Massagefunktion verfügen. Außerdem sind sogenannte Luftkammern integriert, welche sich der jeweiligen Situation anpassen, sprich geleert oder gefüllt werden – diese Funktion kann natürlich je nach Bedarf des Lenkers und Beifahrers angepasst werden.
Die hinteren Passagiere müssen auch bei der neuen G-Klasse mit eher bescheidener Beinfreiheit auskommen und auch das Kofferraumvolumen mit 454 Liter ist nicht gerade für lange Reisen gedacht.

G wie Genial!

Um Klassen besser schlägt sich die Offroad-Ikone bei den Fahreigenschaften. Der Leiterrahmen blieb erhalten, dennoch wurde an der Vorderachse eine Doppelquerlenker-Konstruktion verwendet. Dies merkt man besonders bei Unebenheiten und Querrillen, denn der G schluckt diese, als wären diese niemals vorhanden gewesen. Auch die elektromechanische Servolenkung macht ihren Job ohne Tadel, denn die Rückmeldung war noch niemals so exakt und auch an Präzision fehlt es für diese Fahrzeugklasse an keiner Stelle.
Dennoch müssen wir nun für das wohl beste Aggregat in dieser Klasse aufstehen und kräftig applaudieren. Der Vierliter-V8 mittels doppelter Turboaufladung zwischen den Bänken spielt sich wortwörtlich mit dem hohen Eigengewicht des Offroaders. Bereits ab 2.250 Umdrehungen/min liegen volle 610 Nm an, sodass die Landstraßenmarke in nur 5,9 Sekunden geknackt wird. Dies bewirkt, dass durchschnittlich 15 Liter Super durch die Leitungen gurgeln, wobei man dies als eher nebensächlich betrachtet.
Und wem diese Performance noch immer ein wenig zu „soft“ ausfällt, ja bitte, der kann ja gerne zur Topversion, dem G63 mit 585 Pferdchen greifen – 240 Nm mehr, bereits nach 4,5 Sekunden steht Tempo 100 am Tacho und auch die V-Max liegt bei 220 km/h – optional bei 240 km/h.

Aber zurück zur getesteten Version mit 422 PS – das 9-Gangautomatikgetriebe sortiert die Stufen je nach Wahl des jeweiligen Fahrmodus zwischen sanft und verdammt zackig. Die Kräfte werden mittels permanenten Allrad zu 40 Prozent an die Vorder- und zu 60 Prozent an die Hinterachse verteilt. Sowohl eine Untersetzung als auch drei Differentialsperren sind mit an Bord, um selbst die anspruchsvollsten Steigungen zu überwinden. Dies symbolisiert die sogenannte Plakette „Schöckl proved“. Hierbei handelt es sich um eine Teststrecke in Graz ganz in der Nähe der Produktionsstätte – wo die Fahrzeuge auf deren Offroad-Fähigkeiten unter Beweis gestellt werden.
Dies können wir unterschreiben, denn selbst die steilsten Teilstücke des Weinviertels kosteten dem neuen G nur einen Grinser. Dennoch sind wir überrascht, welch geniales Fahrverhalten die Ingenieure der neuen G-Klasse spendiert haben. Die übrigen Retroelemente gemeinsam mit dem Widescreen-Cockpit sorgen für einen noch trendigeren Kultstatus. Beachtlich ist, dass selbst der eingefleischte 911er-Besitzer seit Monaten überlegt, ob er dann nicht doch lieber zum 63er greifen sollte. Aber um diese Probleme zu lösen, sollte man dann wohl auch selbst ein wenig an Aktien beteiligt sein, auch hier sollte man die Steigung berücksichtigen.

Was uns gefällt:

  • Der durchzugsstarke V8
  • Das deutlich verbesserte Fahrverhalten
  • Das erhaltene Retrokleid

Was wir noch verbessern würden:

  • Beinfreiheit im Fond inklusive Kofferraumvolumen ausweiten
  • Unsere finanzielle Lage

Factporn: Mercedes-Benz G500 (W464)

Motor / Antrieb

Motor: 8-Zylinder V-Motor mit Abgasturbolader (Biturbo)
Hubraum / Verdichtung: 3.982 ccm3 / 10,5:1
Leistung  kW /PS: 310 kW / 422 PS bei 5.250 U/min
Drehmoment: 610 Nm bei 2.250 – 4.750 U/min
Antrieb: Allrad
Getriebeart: 9-Gang Automatik
0-100 km/h: 5,9 Sekunden
V-Max: 210 km/h

Verbrauch / Umwelt

Werksangabe – Stadt/Land/kombiniert, l/100 km: 13,8 / 10,6 / 11,8
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 15,0 L
CO2 Emissionen: 269 g/km Euro 6d-TEMP

Fahrwerk / Reifen / Bremsen

Vo. Achse: Einzelradaufhängung, Schraubfedern, Stoßdämpfer
Hi. Achse: Starrachse, Schraubfedern, Stoßdämpfer
Bremsen: VA + HA: innenbelüftete Scheibenbremsen
Felgen / Reifen: 265/60/R 18 110V (Serie)

Gewicht und Maße

Leergewicht: 2.429 kg
L/B/H: 4,817 / 1,931 / 1,969 (Meter)
Radstand: 2,890 m
Kofferraumvolumen: 454 Liter
Kofferraumvolumen bei umgeklappten Rücksitzen: 1.941 Liter
Tankinhalt:
75 Liter
Kraftstoff:
Super Benzin

Preise

Mercedes-Benz G Klasse zu haben ab: 128.190,- €
Basispreis Mercedes-Benz G Klasse 500:
144.200,- €
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und Mwst: 187.483,60 €

Sonderausstattung

Lackierung (designo graphit metallic) 1.980 €
Auto-Telefonie  470 €
Fahrassistenz-Paket 1.410 €
TV-Tuner 1.045 €
Burmester Surround-Soundsystem 1.355 €
Ambientebeleuchtung mit 64 Farben und 10 Farbwelten 415 €
Schiebedach 1.575 €
Standheizung 1.430 €
Widescreen Cockpit 885 €
MULTIBEAM LED 1.200 €
Night-Paket 1.980 €
Edelstahl-Paket 1.805 €
Park-Paket mit 360 Grad-Kamera 2.075 €
Aktiv-Multikontursitz-Paket 3.175 €
AMG Line 3.200 €
Exklusiv Interieur 5.210 €
Zierelemente Metallstruktur 470 €

(c) Bilder: Sebastian Poppe