Karl Abarth (anschließend Carlo Abarth), war ein österreichischer Motorradrennfahrer, welcher italienischer Staatsbürger wurde, nachdem sich sein Vater, nach der Annexion Südtirols, für die italienische Seite entschied. Er gründete 1949 in Bologna die Firma Abarth und wurde schnell bekannt für das Tunen von Kleinwagen und der Herstellung von Tuningteilen. Bei dem Bau und der Entwicklung von eigenen Modellen, spezialisierte sich Carlo Abarth stets auf Fahrzeuge mit kleinem Hubraum.

In den 50er und 60er Jahren motzte man speziell Modelle von Fiat, Simca und Alfa Romeo auf, um diese anschließend im Rennsport einzusetzen. Viele bekannte Rennfahrer, darunter Namen wie Walter Röhrl, Hans Herrmann oder Johann Abt, fuhren für Abarth.

Anfang der 70er Jahre verkaufte Carlo Abarth sein Unternehmen an den Fiat-Konzern, wo bis heute der Skorpion für die leistungsstarken Modelle der Fiat-Palette, steht. Der Skorpion als Emblem, ist übrigens an das Sternzeichen von Carlo Abarth, angelehnt.

Carlo mal zwei

Mit einem ganz besonderen Test-Fahrzeug überraschte man uns nun schließlich dieser Tage. Nämlich den Abarth 695C Rivale. Eine limitierte, sowie nummerierte Auflage des kultigen, kleinen Sportwagens – und dies auch noch als Cabrio-Version.

Auf der einen Seite Carlo Abarth – er liebte die Straße und verlieh seinen kleinen Autos eine ganz besondere Persönlichkeit und Performance.
Auf der anderen Seite Carlo Riva – er liebte das Meer, konstruierte Rennboote und begann 1949 mit der Fertigung von Booten aus Mahagoni. Noch heute werden in der RIVA-Werft Yachten mit größtmöglicher Qualität und Eleganz, gefertigt.

Mit dem Abarth 695 Rivale vereinte man nun die Leidenschaft zweier passionierter Persönlichkeiten und deren Visionen zu einer ganz besonderen Edition.

Eleganz und „Emozioni“

Eines gleich mal vorweg – die Liebe zum Detail und Auffallen wollen – das ist es, was die Italiener perfektioniert haben. So auch beim Abarth 695 Rivale. Alleine die Farbkombination ist schon einen Rundgang um das Fahrzeug wert. Die obere Fahrzeughälfte der bicolore Lackierung in Riva-Blau Metallic und die untere in Riva-Grau Metallic, welche mittels eines Liners in Aquamarin getrennt wird, ist wohl eine der schönsten Farbkombinationen, die ich je gesehen habe. Eleganter könnte man die Fusion von Boot und Automobil, farbtechnisch nicht in Szene setzen.

An der Front zeigen die großen Lufteinlässe mit Wabenstruktur, dass es sich um keinen trägen Skorpion handelt. Ebenso passend, wie der Käse auf der Pizza, – die 205er Schlappen mit 40er Querschnitt und den wunderschönen 17″ SUPERSPORT Leichtmetallrädern. Darunter verbirgt sich, dezent in schwarz gehalten, die 4-Kolben Brembo-Bremsanlage mit gelochten Scheiben. Auch für das Heck haben sich die Designer einiges einfallen lassen, damit man sich von den anderen Abarths abhebt. Ein mächtiger Diffusor mit zwei fetten Carbon-Endrohren aus dem Hause Akrapovic (mit Klappensteuerung versteht sich) und ein Dachkantenspoiler, weisen den Hintermann dezent darauf hin, dass es sich hier um einen flotten Vertreter der Skorpionreihe handelt. Bi-Xenon-Scheinwerfer und LED-Tagfahrlicht, sowie Nebelscheinwerfer sind selbstverständlich mit an Bord.

Noch mehr Eleganz und noch mehr „Emozioni“

Auch im Innenraum geht es elegant und voller Emotionen weiter. Solch hochwertige Ledersitze kennt man eigentlich nur aus der Oberklasse. Alleine die Farbgebung mit dem dazu passenden Lenkrad und der Tachoeinheit – ein wahrer Augenschmaus oder besser gesagt: „Molto bene!“. Unser Testwagen wurde zusätzlich mit dem optionalen Mahagoni-Paket versehen. Dieses passt zum Riva wie die bekannte Faust aufs Auge. Eleganter und sportlicher zugleich, kann man ein Auto in dieser Preisklasse wohl kaum gestalten.
Übrigens: Es handelt sich bei Einstiegsleisten, Zwölf-Uhr-Markierung am Lenkrad, Schaltknauf und der Armaturenbretteinlage um echtes Mahagoni-Holz.

Die Sitze sind bequem, recht straff gepolstert, was zur sportlichen Note des kleinen Italo-Flitzers passt. Das Volant liegt gut in der Hand, die Bedienung sämtlicher Funktionen ist nach kurzer Durchsicht der Knöpfe verständlich und bedarf keiner weiteren Fragen.
Nur die Handhabung des Navigationssystems auf dem 7″ Touchscreen sorgte anfangs für ein paar „Denkerfalten“.

Oft ist aber dann doch nicht alles Gold was glänzt, so wurde auch im Abarth, ein wenig beim Material gespart. Sehr schade, dass das Armaturenbrett und die Türverkleidungen aus „feinstem“ Hartplastik bestehen. Allerdings schafft man es recht schnell darüber hinweg zu sehen, da der Innenraum trotz allem wie ein Gemälde von Leonardo da Vinci wirkt.

Die Carlo Abarth-Passion, die man spürt…

Vielleicht haben Sie schon darüber nachgedacht: „Was soll denn die Überschrift mit Zölibat bedeuten?“ Keine Sorge, ich löse das Rätsel noch in den nächsten Zeilen auf.

Doch zuerst wird gestartet – noch ganz „Oldschool“ mit dem Schlüssel – ein kurzer Dreh und der 1.4-Liter-Turbo erwacht zum Leben. Auch die Nachbarschaft weiß nun, dass ich am Weg in die Arbeit bin. Denn selbst mit geschlossener Klappe, sprich wenn der Sportmodus deaktiviert ist, röhrlt Mr. Akrapovic gemächlich dahin.

Da ich aber kein Langweiler bin und „Hey! Wenn schon, denn schon!“ – wofür hat man denn in einem Sportwagen eine „Sporttaste“? Also schalte ich nach dem Start gleich mal in den Sportmodus. Jetzt weiß man auch beim Bäcker ums Eck, dass ich in die Arbeit fahre. Der Bäcker ist so freundlich und richtet mir auch gleich mein „Weckerl“ her, weil er weiß, dass ich nun in der nächsten Minute um die Ecke biege.

Da soll noch einmal jemand sagen aus so einem Turbomotor bekommt man keinen passablen Auspuffsound! An dieser Stelle kleiner Tipp von mir: Einfach mal bei Abarth anrufen.

Der 1.4er mit Garret-Turbo und seinen 180 PS beschleunigt das kleine Mozzarella-Bällchen in 6,7 Sekunden auf die 3-stellige Tachomarke – unter Umständen würde dies noch schneller möglich sein, wenn der Aufbau des Ladedrucks etwas zügiger von statten ginge. Hier benötigt der Italo-Skorpion doch eine Sekunde um Luft zu holen.
Auch ein klein wenig unpassend – die Arbeit, welche man bei einem Schaltvorgang verrichten muss. Der Kupplungsweg ist so lang, dass man das Gefühl hat, mit einem Bein schon im Motorraum zu stehen und auch der Schaltweg, den der wunderbare Mahagoni-Knauf, in die Schaltgassen zurücklegen muss, ist nicht unbedingt kurz und knackig.

Doch auch hier schafft es der 695, dass man in null Komma nichts darüber hinwegsieht. Es macht einfach viel zu viel Spaß, um sich über solche Nebensächlichkeiten den Kopf zu zerbrechen. Das Fahrgefühl, welches einem der Skorpion vermittelt, ist einfach unbeschreiblich. Die Koni-Stoßdämpfer in Verbindung mit den Eibach-Federn machen den Abarth zu einer Kanonenkugel in jeder Kurve – hier trübt den Fahrspaß nur die noch vorhandene Winterbereifung.
Sogar das Anbremsen einer jeden Kurve wird regelrecht zum Genuss, denn die 4-Kolben Brembo-Bremsen, verrichten ihre Sache mehr als nur gut. Ermüdungserscheinungen? Keine Spur! Gefühlsmäßig würden diese, mit vermutlich 200 PS mehr unter der Haube, immer noch vollkommen ausreichen.

Der echte und einzige Kritikpunkt, welchen ich anmerken müsste, ist eine relativ indirekt wirkende Lenkung. Man gewöhnt sich zwar auch daran, aber hier würde ich dann doch zu Feder und Papier greifen und Carlo fragen, ob es denn nicht ein wenig direkter ginge.

Mein Fazit: Zölibat!? – Mir doch wurscht…

Ich habe kein Problem damit, auch mal ein wenig Privates hier einfließen zu lassen. Als geschiedener Mann sucht man natürlich auch wieder eine passende Frau. Bis dahin gibt es natürlich diese einsamen Abende vor dem Fernseher, wo man hin und wieder über das Leben grübelt.
Doch auch hierfür, so scheint es, hat Carlo Abarth eine Lösung gefunden. Die Woche mit dem kleinen Italiener gehörte definitiv zu einer ganz besonderen – denn ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel Spaß mit einem Auto gehabt zu haben. Es braucht keine dicken Limousinen oder Sportwagen welche mit 500 PS protzen. Glauben Sie mir – der kleine Abarth macht dies alles wett. Die Gedanken von Einsamkeit – wie weggeblasen.

Und wer jetzt Panik schiebt, dass man mit der kleinen Kanonenkugel zu wenig auffällt, der möge doch bitte eine Probefahrt vereinbaren. Blicke sind garantiert!
Meines Erachtens nach macht der 695 Rivale richtig süchtig, an das Aussteigen muss man sich erstmal gewöhnen.

Den Körper in die tollen Ledersitze gepresst, den Schlüssel umgedreht, die Vorfreude auf die erste Kurve und im Heck das Orchester von dem linken und dem rechten Rohr des Teufels. Ganz ehrlich? Was will man(n) mehr….

Was mich begeistert:

  • Der Klang, der aus diesem 1.4er Motor kommt – „incredibile“!!!
  • Die Optik und Liebe zum Detail
  • Das Gefühl, des „nicht mehr aussteigen Wollens“

Was ich mir noch wünschen würde:

  • Direktere Lenkung, direktere Schaltgassen
  • Etwas weniger Hartplastik
  • Einen in meiner Garage

Technische Daten – Abarth 695C Rivale:

Motor / Antrieb

Motor: 4 Zylinder 16V, vorne quer, BMC Sportluftfilter, Garret GT 1446 Turbolader
Hubraum / Verdichtung: 1.368 ccm3 / 9,0:1
Leistung  kW /PS (Gesamt): 132 kW / 180 PS bei 5.500 U/min
Drehmoment: 230 Nm bei 2.500 – 4.500 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebeart: 5-Gang Manuell
0-100 km/h: 6,7 Sekunden
V-Max: 225 km/h

Verbrauch / Umwelt

Werksangabe – Stadt/Land/kombiniert, l/100 km: 8,2 / 5,8 / 6,7
Gas-Junky-Test – Durchschnitt l/100 km: 7,5
CO2 Emissionen: 155g/km Euro 6d-TEMP

Fahrwerk / Reifen / Bremsen

Vo. Achse: Einzelradaufhängung, MacPherson mit Stabilisator
Hi. Achse: Verbundlenkerachse mit Torsionsquerträger und Stabilisator
Bremsen:
VA:
305mm, Scheibenbremsen, gelocht
HA: 240mm, Scheibenbremsen, gelocht
Felgen / Reifen: Vorne + Hinten: 205/40 R 17

Gewicht und Maße

Leergewicht: 1.090kg
L/B/H: 3,660 / 1,627 / 1,490 (Meter)
Radstand: 2,300m
Wendekreis: 10,9m
Kofferraumvolumen: 182 bis 520 Liter
Tankinhalt:
35 Liter
Kraftstoff:
Super

Preise

Abarth 595 zu haben ab: 21.990,- € (Abarth 595 – 145PS)
Basispreis Abarth 695C Rivale:
34.690,- €
Preis Testfahrzeug inkl. NoVA und Mwst: 35.290,- €

Sonderausstattung:

Mahagoni Paket: € 600,-
Armaturenbretteinlage, Schaltknauf und Einstiegsleisten aus Mahagoni
Zweifärbiges Lederlenkrad in Blau/Schwarz mit Mahagoni 12-Uhr-Markierung
Instrumentenverkleidung in Blau

(c) Bilder: Gas Junky – Poppe & Mozga